Flammen an einem der prominentesten Bauwerke im Osten von München: Es handelt sich um die katholische Kirche "Seliger Pater Rupert Mayer" in Poing - die 2019 mit dem "Großen Nike" des Bunds Deutscher Architekten ausgezeichnet wurde. Eine der Besonderheiten: Den Bau ziert eine Fassade aus 15 000 weißen Keramikkacheln. Aufgrund ihrer modernen Anmutung hat die Kirche allerdings nicht nur Freunde - weswegen Brandstiftung am Freitagnachmittag zunächst durchaus im Raum steht.
Bei den Passanten aber ist vor allem Betroffenheit zu spüren. Eine Frau schaut entsetzt den Aufräumarbeiten zu, sie mag nicht mal ein paar Worte sagen, ein Junge lässt sich vor der verkohlten Kirchenwand fotografieren - mit Daumen nach unten. Jemand trägt eilig ein dickes Buch mit goldenen Seitenrändern aus dem Gotteshaus.
Gegen 13.10 Uhr geht der Notruf bei der Leitstelle ein. Minuten später rücken Feuerwehren aus der Region nach Poing zum Großeinsatz aus. Laut Ebersbergs Kreisbrandrat Andreas Heiß steht "beim Eintreffen der Feuerwehr ein Teil der Außenfassade in Vollbrand". Das Feuer kann jedoch schnell gelöscht werden. Relativ rasch ist dann auch klar, was passiert war: An den Radlständern neben der Kirche hatte jemand mit einem Gasbrenner Unkraut vernichten wollen. Dabei geriet die Seitentür in Brand.


Wie durch einen Kamin breitet sich das Feuer mit dem Luftzug von dort nach oben aus, auf die Dämmung unter der Keramikfassade. Der Ruß reicht bis fast ganz nach oben ans Dach. Durch die enorme Hitze bersten einige der ikonischen Kacheln, am Ende liegen haufenweise dicke Scherben am Boden vor der Seitentür. Die Fassade sieht aus wie ein einst strahlend weißes Gebiss - dem ein paar Zähne ausgeschlagen wurden. Ein grauenhafter Anblick.
Derzeit entraucht die Feuerwehr das Kirchenschiff und kontrolliert, ob sich unter der Keramik an der Außenfassade noch weitere Glutnester befinden, die den Brand neu entfachen könnten. Menschen wurden nicht verletzt. Der Schaden ist laut Polizei hoch, jedoch noch nicht genau zu beziffern - er liege nach einer ersten Beurteilung wohl im hohen sechsstelligen Bereich. Die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei Erding übernommen, es wird ein Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung geben.
Im Einsatz sind und waren die Feuerwehren aus Poing, Oberndorf, Parsdorf, Gelting, Markt Schwaben, Kirchheim und Pliening sowie die Kreisbrandinspektion, die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung und die Werksfeuerwehr Canon.

