Gemeinde PoingNeuer Anlauf für den Jugendraum

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An einer ersten Veranstaltung für potenzielle Nutzer des Poinger Jugendraums war das Interesse gering. Nun gibt es einen zweiten Versuch - und etwas zu gewinnen.
An einer ersten Veranstaltung für potenzielle Nutzer des Poinger Jugendraums war das Interesse gering. Nun gibt es einen zweiten Versuch - und etwas zu gewinnen. Christian Endt

Nach einem holprigen Start für das Jugendprojekt vergangenen April lässt die Gemeinde nicht locker. Nun soll ein zweiter Versuch für die Container gestartet werden.

Von Nora Schulte, Poing

Gut sechs Wochen ist es nun her, dass Thorsten Gürntke, Sachgebietsleitung Pädagogik, und seine Kollegen vergeblich auf Gäste gewartet haben. Eigentlich war für diesen Abend Anfang April auf dem Volksfestplatz eine Infoveranstaltung für interessierte Jugendliche geplant. Gemeinsam sollten sie sich die Baucontainer ansehen, die umfassend ausgestattet als Jugendtreff zur Verfügung stehen. Es hätte ein Nutzungsplan erarbeitet, erste Veranstaltungen geplant und der Schlüssel für die Räume übergeben werden sollen.

Dass dieser erste Auftakt trotz umfassender Werbeaktionen in Schulen, Vereinen und auf Social Media so erfolglos war, davon lässt sich die Gemeinde jedoch nicht entmutigen: Am 28. Mai wird ein neuer Anlauf gewagt.

Baucontainer Poing
:Holpriger Start für den Jugendtreff

Laut einer Umfrage wünscht sich Poings Jugend eigene Räumlichkeiten mit mehr Selbstverantwortung. Jetzt sollten sie genau das bekommen – doch auf der Veranstaltung taucht niemand auf.

Von Nora Schulte

Von 15 Uhr bis 18 Uhr ist an diesem Mittwochnachmittag eine Open Air Party geplant, zu der alle Poinger Jugendlichen herzlich eingeladen sind. Im Container wird ein Kicker-Turnier stattfinden, bei dem Gutscheine zwischen zehn und 30 Euro vom Nike Outlet in Parsdorf zu gewinnen sind. Für Essen und Getränke sei ebenfalls gesorgt, berichtet Gürntke, und preist die Wraps an, die sein Kollege besonders lecker zubereite. Zu kaufen seien diese für je einen Euro, wie auch alle Getränke.

„Wir hoffen, dass wir bei dieser Gelegenheit den Container zeigen können“, sagt der Pädagoge am Telefon. Möglicherweise könne man so mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und doch noch engagierte junge Menschen für das Projekt finden, in das bereits einiges an Arbeit und Gedanken geflossen ist.

Thorsten Gürntke, Leiter des Sachgebiets Pädagogik bei der Gemeinde Poing, hofft im zweiten Anlauf auf mehr Resonanz für den geplanten Jugendraum.
Thorsten Gürntke, Leiter des Sachgebiets Pädagogik bei der Gemeinde Poing, hofft im zweiten Anlauf auf mehr Resonanz für den geplanten Jugendraum. Christian Endt

Angebote wie etwa ein kostenloser Erste-Hilfe-Kurs, eine Juleica-Ausbildung oder ein Demokratie-Workshop wurden bereits in Kooperation mit dem Kreisjugendring Ebersberg anvisiert und der Gemeinde in einem Rahmenkonzept präsentiert. Geplant waren sie bereits für diesen Sommer. Auch an Ausstattung sollte nicht gespart werden: Das Schreiben verspricht unter anderem einen Partybereich mit Musik- und Lichtanlage, eine Theke mit Kühlschrank sowie einen Spielbereich mit Kicker und Tischtennisplatte. Zudem sollte ein Fernseher mit Spielkonsole und weitere Sitzgelegenheiten angeschafft werden.

Wie es überhaupt zu der geringen Resonanz kommen konnte, darüber kann Bürgermeister Thomas Stark nur spekulieren. Hat sich die Poinger Jugend bereits andere, private Rückzugsmöglichkeiten gesucht? Etwa ein Partykeller im eigenen Zuhause, wo zudem selbst entschieden werden kann, wer eingeladen ist? Oder liegt es an der Bürde der Selbstverantwortung? „Es muss ja auch jemand die Hausordnung unterschreiben und die Schlüssel verwalten“, argumentiert Stark.

Unterföhring
:Orientierungsloser Jugendlicher erfolgreich geortet

Nach einer Party in Poing marschiert ein 16-Jähriger sturzbetrunken los und verirrt sich – Stunden später findet aber alles doch ein glückliches Ende.

Irgendwann soll schließlich das gesamte Projekt in Eigenverantwortung der Jugend laufen. Da müsse sich schon eine ganze Gruppe gemeinsam aufraffen, ganz nach dem Motto „Hey Jungs und Mädels, wir wuppen das jetzt gemeinsam!“, wie der Bürgermeister es formuliert.  Die Umfrage, auf die das Projekt „Jugendraum“ folgte, liegt zudem bereits sieben Jahre zurück. Die Jugendlichen, die im Jahr 2018 an ihr teilgenommen haben und sich einen solchen Raum gewünscht haben, dürften mittlerweile schon junge Erwachsene sein. Gut möglich, dass sie sich mittlerweile neu orientiert haben.

Auch Gürntke empfindet das geringe Interesse am Projekt als „rätselhaft“. Vermutlich seien die Kalender der Jugendlichen bereits gut gefüllt, bemerkt er. Die zahlreichen Vereine und Angebote im Ort sowie der Nachmittagsunterricht an den Schulen – die Versorgung sei bereits sehr umfassend.

Falls auch die Einladung zur Open Air Party keinen Zulauf finden sollte, möchte Stark für die Container einen „Plan B“ entwickeln. „Irgendwann muss der Raum mit Leben gefüllt werden“, kommentiert er. Allein die Kosten der Ausstattung der gespendeten Container belaufen sich immerhin auf etwa 12 000 Euro, wie im Jugendkonzept der Gemeinde einzusehen ist. Mit der Entwicklung einer anderen Idee für die Nutzung möchte der Bürgermeister bis nach den Sommerferien warten. Daran, dass dort jemand einzieht, scheint er keine Zweifel zu haben: „Wir haben in Poing genug Vereine, da findet sich sicherlich etwas.“

Was den zweiten Anlauf des Jugendraum-Projekts angeht, wirkt der Bürgermeister jedenfalls optimistisch. Dank tatkräftiger Starthilfe von Jugendarbeitern und der neu sanierten Räume, dürfte das Projekt einiges zu bieten haben. Vor allem im Winter, betont Stark, wenn es für Verabredungen im Freien zu kalt ist. In seiner Kindheit habe es damals an Rückzugsorten für Jugendliche gemangelt, erzählt Stark. Nur in einer Teestube habe er sich mit seinen Freunden verabreden können. Das sei zwar auch okay gewesen, doch ein eigener Ort extra für sich und seine Freunde? „Wir wären froh gewesen.“

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