Poing:Auf Nummer sicher

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Poing: Poings Bürgermeister Thomas Stark hat gerne einen Plan B in der Tasche - und der lautet aktuell: sparen.

Poings Bürgermeister Thomas Stark hat gerne einen Plan B in der Tasche - und der lautet aktuell: sparen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Trotz eines ausgeglichenen Haushalts und soliden Prognosen für die kommenden Jahre möchte Poings Bürgermeister Thomas Stark auf einen Plan B zurückgreifen können - die Gemeinde wird eine Sparkommission einrichten.

Von Johanna Feckl, Poing

Von Rekorden wie in den vergangenen Jahren kann heuer keine Rede sein. Stattdessen bezeichnete Poings Erster Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) den Haushalt für das Jahr 2023 sowie den Finanzplan für die kommenden Jahre als "solide" - und ist sehr zufrieden damit. Das sah aber nicht von Anfang an so aus, wie er in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, als Kämmerer Tobias Stokloßa die Pläne vorstellte, verriet. Denn in den ersten Entwürfen des Haushalts klaffte noch "eine riesen Lücke". Einige Vorhaben mussten deswegen auf die Warteliste verschoben werden, etwa die Sanierung der Römerstraße. Nun ist der Haushalt zwar ausgeglichen, zu sparen erklärt der Bürgermeister trotzdem zum großen Ziel.

Mit 75,5 Millionen Euro fällt das Volumen für den gesamten Haushalt 2023 deutlich geringer aus als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Der lag bei fast 89 Millionen Euro. Und der Trend nach unten wird vermutlich erst einmal bleiben. So rechnet Kämmerer Stokloßa für den Haushalt 2026 mit 71,6 Millionen Euro.

2022 ist die Kreisumlage für Poing außerordentlich hoch ausgefallen

Der Verwaltungshaushalt, der alle laufenden Einnahmen und Ausgaben enthält, folgt dem entgegengesetzten Trend, nämlich nach oben. Für 2023 lautet der Ansatz 60,3 Millionen Euro und liegt damit ebenfalls unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Dass der Verwaltungshaushalt einst höher ausfiel, liegt vor allem an einmaligen Vorkommnissen, wie die außerordentlich hohe Gewerbesteuernachzahlung 2020 und der daraus resultierenden sehr hohen Kreisumlage, die Poing 2022 zahlen musste. Obwohl diese besonderen Effekte wegfallen, nimmt Kämmerer Stokloßa dennoch ein Wachstum des Verwaltungshaushalts an, denn sowohl die Kosten für die Gemeinde, als auch ihre Einnahmen werden voraussichtlich ansteigen.

Auch der Vermögenshaushalt, der etwa Ausgaben für Hoch- und Tiefbau sowie Einnahmen aus Grundstücksverkäufen enthält, ist geschrumpft und wird dies wohl auch weiterhin tun. Für 2023 rechnet der Kämmerer mit 15,1 Millionen Euro - bis zum Jahr 2026 wird das Volumen auf 3,3 Millionen Euro gesunken sein, so die Prognose.

Poing ist die steuerkräftigste Kommune im Landkreis

Bei so vielen Abwärtstrends könnte man nun vermuten, dass es um die Finanzlage der Gemeinde nicht gerade gut bestellt ist. Dem ist aber nicht so, wie der Bürgermeister klar machte. Denn Poing ist 2022 die steuerkräftigste Kommune im Landkreis Ebersberg - und zwar "mit Abstand", wie Stark betonte. So rechnet das Statistische Bundesamt heuer mit einer Steuerkraft von 3172 Euro pro Einwohner - die Zahl gibt die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Gemeinde oder Stadt an. Wie in der Statistik weiter zu lesen ist, liegt die zweitstärkste Gemeinde, nämlich Oberpframmern, bei 2429 Euro pro Einwohner.

Und so bewertete Bürgermeister Stark auch die Finanzlage Poings als gut: Der Haushalt für das kommende Jahr könne ausgeglichen werden und die Gemeinde müsse keine neuen Kredite aufnehmen - und letzteres sollte angesichts der aktuell sehr hohen Zinssätze unbedingt vermieden werden, wie der Rathauschef betonte. Außerdem verfügt die Gemeinde laut Finanzplan selbst Ende 2026 noch über Rücklagen in Höhe von 13,9 Millionen Euro.

Dem Bürgermeister bereitet die weltpolitische Lage durchaus Sorgen

Trotz alledem: Für den Bürgermeister ist das kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. "Sonst bin ich immer frohen Mutes, aber aktuell will ich lieber vorsichtig sein." Er bezog sich auf die angespannte und unsichere weltpolitische Lage - Konflikte wie der Krieg in der Ukraine hätten globale Auswirkungen und die spüre man auch im Rathaus in Poing. "Wir sollten Vorkehrungen treffen, um für alles gewappnet zu sein", mahnte er.

Deshalb sprach sich Kämmerer Stokloßa für die Einrichtung einer Sparkommission aus, die einen Stufenplan für Maßnahmen erarbeiten soll. Wie sich diese Kommission genau zusammensetzen wird, sei derzeit noch unklar, so Bürgermeister Stark auf Nachfrage. Das soll voraussichtlich im ersten Quartal des kommenden Jahres in einer Sitzung des Gemeinderats entschieden werden.

Die Zahlen

Gesamtvolumen: 75,5 (- 21,9 zum Vorjahr)

Verwaltungshaushalt: 60,3 (- 11,5)

Vermögenshaushalt: 15,2 (- 10,5)

Wichtigste Einnahmen:

Einkommensteuer: 15,4 (- 0,2)

Gewerbesteuer: 16,0 (+ 5,0)

laufende Zuschüsse: 9,6 (+ 3,5)

Grundsteuer A und B: 2,7 (+ 0,07)

Größte Investitionen:

Hochbau Badeanstalten: 5,6

Hochbau P+R Ortszentrum: 1,0

Hochbau Anni-Pickert-GS: 1,9

Brandschutz: 0,8

Schuldenstand Ende 2023: 21,0

2022: 21,8

2021: 23,3

2020: 24,2

2019: 25,6

Alle Zahlen in Millionen Euro

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