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Erneuerbare Energien in Poing:"Grub ist prädestiniert für das Projekt"

Soll sich Poing für das Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff bewerben? Der Bürgermeister hat eine eindeutige Meinung.

Interview von Johanna Feckl, Poing

Zorneding wollte nicht, jetzt ist Poing am Zug: In der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend fällt die Entscheidung darüber, ob sich die Gemeinde als Standort für das Deutsche Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff (WTAZ) bewerben wird. Sollte sich die Mehrheit der Gemeinderäte für die Bewerbung aussprechen, könnte im Ortsteil Grub das zwölf Hektar große Projekt entstehen - sofern sich die Gemeinde gegen andere Bewerber, wie etwa die Gemeinde Eching im Landkreis Landshut, durchsetzt. Im Gespräch mit der SZ erklärt Bürgermeister Thomas Stark (parteilos), wie Poing ins Standort-Rennen gelangte und weshalb er der Gemeinde gute Chancen ausrechnet.

SZ: Herr Stark, in einer Pressemitteilung vergangene Woche hat sich die Rathausverwaltung für die Bewerbung ausgesprochen - und damit auch Sie. Sind Sie also froh, dass die Abstimmung in Zorneding negativ ausgefallen ist?

Thomas Stark: Nein, den Beschluss in Zorneding möchte ich nicht bewerten. Die beiden Gemeinden standen zu keinem Zeitpunkt in Konkurrenz miteinander. Poing ist erst ins Rennen eingestiegen, nachdem Zorneding ganz klar raus war.

Die Absage von Zorneding für eine Bewerbung ist Ende Oktober gefallen.

Nachdem die negative Entscheidung feststand, sind die Firma Hynergy aus Grasbrunn, die sich federführend um die Umsetzung des Projekts kümmert, sowie unser Landrat an uns herangetreten und haben gefragt, ob ein Standort in Poing für uns vorstellbar wäre. Dazu muss man wissen, dass der Landkreis Ebersberg zusammen mit den Kreisen München und Landshut eine Wasserstoffregion bildet, und dementsprechend gerne hätte man eben das Zentrum auch in einem dieser Landkreise.

Lageplan WTAZ in Poing

Das Grundstück in Grub gehört dem Freistaat Bayern. Es liegt unmittelbar an der S-Bahn und nahe an der Autobahn.

(Foto: Gemeinde Poing)

Sie sprechen vom Wettbewerb "HyLand - Wasserstoffregionen in Deutschland", den der Verbund aus den Landkreisen im Dezember 2019 gewonnen hat. Sie bilden seitdem eine Modellregion für Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

Genau.

Davon einmal abgesehen: Wieso sprechen Sie sich für einen Standort in Poing aus?

Es handelt sich um ein zukunftsweisendes internationales Leuchtturmprojekt. Ich bin überzeugt davon, dass damit die Energiewende im Verkehrsbereich erheblich vorangetrieben wird. Deshalb glaube ich, dass es positive Impulse für den Wirtschaftsstandort Poing, aber auch für die gesamte Region geben würde. Ein solches Projekt in einer innovativen und dynamischen Gemeinde wie Poing, das würde mir persönlich sehr gut gefallen.

Und warum genau der Ortsteil Grub?

Das Grundstück in Grub hat zum einen den Vorteil, dass es unmittelbar an der S-Bahn liegt und nur einen guten Kilometer von der Autobahn entfernt. Das heißt, man muss nicht erst durch ein Wohngebiet hindurch fahren, um dorthin zu gelangen - wobei wir aber ohnehin mit einem geringen Verkehrsaufkommen rechnen. Zum anderen würde das Wasserstoff-Zentrum sehr gut in das Portfolio von Grub passen, denn mit dem Sitz der Bayerischen Staatsgüter und den Einrichtungen der Landesanstalt für Landwirtschaft ist dort ja bereits ein sehr renommiertes Forschungsinstitut in Sachen Landwirtschaft angesiedelt.

Grub wäre dann sozusagen der Forschungsortsteil von Poing.

In diesem Zuge ist es mir besonders wichtig zu betonen, dass sich die Bayerischen Staatsgüter vorstellen können, die 3,5 Hektar Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die für das Wasserstoff-Zentrum benötigt werden, auch für ihre eigenen Forschungen im Bereich von Agro-Photovoltaikanlagen zu verwenden: Zu welchem Zweck können PV-Anlagen in der Landwirtschaft eingesetzt werden? Das wäre eine super Zusammenarbeit, und man könnte dort sozusagen gleich doppelt forschen.

Thomas Stark (parteilos) ist seit Mai 2020 Bürgermeister der Gemeinde Poing. Zuvor war er mehrere Jahre Geschäftsleiter der Wachstumsgemeinde und damit rechte Hand des früheren Bürgermeisters Albert Hingerl (SPD).

(Foto: Christian Endt)

In Zorneding wurde unter anderem kritisiert, dass die Öffentlichkeit zu spät in die Pläne involviert wurde. Mit der Pressemitteilung vergangene Woche sowie dem Bereitstellen ausführlicher Informationen auf der Gemeinde-Webseite und dem Einrichten einer eigenen E-Mail-Adresse für Fragen scheint Poing da einen anderen Kurs fahren zu wollen...

Wir haben im Rathaus erst vergangenen Donnerstag die Info vom Freistaat Bayern, dem Grundstückseigentümer, bekommen, dass er einer Bewerbung nicht entgegensteht. Ohne dieses Go konnten wir unmöglich an die Öffentlichkeit gehen. Eigentlich hätten wir auch im Vorfeld der Gemeinderatssitzung, in der die Entscheidung über die Bewerbung fallen wird, eine Informationsveranstaltung für unsere Bürgerinnen und Bürger abgehalten. Aber das geht nun einmal wegen Corona nicht. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, Infos auf der Webseite bereitzustellen und die E-Mail-Adresse einzurichten. Auf der Website gibt es zum Beispiel auch ein Video, in dem ein vergleichbares Zentrum in China zu sehen ist - damit man sich da mal einen Eindruck verschaffen kann.

Wie sieht es mit Nachteilen für Poing aus, sollte das Zentrum nach Grub kommen: Sehen Sie solche?

Ad hoc sehe ich keine negativen Folgen. Ich habe das Luftbild von dem Standort in Grub vor mir, der ist eigentlich prädestiniert für das Projekt. Und man darf nicht vergessen, dass es bei dem Bewerbungsverfahren maximal drei Gewinner geben wird, für die dann eine ausführliche Machbarkeitsstudie durchgeführt wird. Auf die Ergebnisse, die dort gewonnen werden, kommt es letztlich dann auch an.

Der erste Schritt, um dahin zu gelangen, ist die positive Abstimmung im Gemeinderat am Donnerstag. Falls das passieren wird, wie geht es dann weiter?

Bis spätestens Anfang Januar müssen die Bewerbungsunterlagen beim Bayerischen Wirtschaftsministerium eingereicht sein. Die Bewerbung an sich besteht aus einem Anschreiben und einer Standortbeschreibung mit konkreten Fakten, also zum Beispiel Fläche, Infrastruktur wie Strom- und Breitbandversorgung, Verkehrserschließung - solche Sachen müssen da dargelegt werden. Ab dem Frühjahr 2021 soll dann die Machbarkeitsstudie für maximal drei Gewinner-Standorte durchgeführt werden und im Herbst die Entscheidung fallen. Aber jetzt schauen wir erst einmal, was am Donnerstagabend passieren wird - ich lasse mich überraschen!

Weitere Infos zum Projekt gibt es unter poing.de. Die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag beginnt um 18.30 Uhr in der Dreifachsporthalle.

© SZ vom 10.12.2020
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