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Poing:Charakter soll erhalten bleiben

Das Areal östlich der Neufarner Straße und südlich der Poststraße gilt als eines der schönsten Viertel Poings. Hier umgeben Gärten die kleinen Häuser.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Poinger Gemeinderat berät über den Bebauungsplan für ein idyllisches Wohnviertel im alten Ortszentrum. Nicht alle Wünsche der Anwohner werden dabei erfüllt

Der Unterhaltungswert von Gemeinderatssitzung gilt als gering, in der Regel entscheiden sich die meisten Bürgerinnen und Bürger im Zweifelsfall lieber für einen gemütlichen Fernsehabend. Anders ist es, wenn sie persönlich betroffen sind - daher hatte Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) gut daran getan, die Sitzung am Donnerstagabend in die Mehrzweckhalle der Grundschule an der Karl-Sittler-Straße zu verlegen: An die 50 Anwohner, die von einer geplanten Bebauungsplanänderung im alten Ortszentrum betroffen sind, hörten sich an, wie es in dem Areal östlich der Neufarner Straße, südlich der Poststraße, westlich der Birkenallee und nördlich der Frühlingstraße weitergehen soll. Nicht alle waren zufrieden, als sie den Saal verließen.

Denn klar wurde: Der Gemeinderat bleibt bei seiner Haltung, dass eine Verdichtung zwar ermöglicht werden, der Charakter des Wohngebiets weitgehend erhalten bleiben soll. Schließlich handelt es sich um eines der schönsten Viertel in der Gemeinde. Die Bäume, nach denen hier die Straßen benannt sind, prägen hier tatsächlich noch das Bild. Viele schöne, großzügige und meist sehr liebevoll gepflegte Gärten umgeben vergleichsweise kleine Häuschen. Weil mehrere Grundstückseigentümer in der Vergangenheit den Wunsch geäußert haben, größer bauen zu dürfen, hat sich der Gemeinderat bereits im September 2012 für die Aufstellung eines Bebauungsplans entschlossen, um die Entwicklungen in die richtige Richtung zu lenken. Auch eine Veränderungssperre wurde für das Gebiet verhängt.

Doch von Anfang an gab es Proteste: Viele Betroffene argumentierten, dass sie durch die Pläne sogar schlechter gestellt würden, dass Baurecht entzogen oder reduziert werde und dass es zu strenge Vorgaben zur Bauweise gebe. Auch in den Stellungnahmen bei der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans äußerten viele Anwohner diese Sorge. Planer Ferdinand Feirer-Kornprobst betonte aber, bei keinem Grundstück gebe es eine Reduzierung des Baurechts, dafür hätten etliche Anwohner durch den neuen Bebauungsplan das Recht, wesentlich größer zu bauen. Manche könnten sogar auf ihren Grundstücken mehr als doppelt so viel Wohnraum schaffen wie bisher. Insgesamt könnte im allgemeinen Wohngebiet die Zahl der Wohneinheiten um 45 Prozent gesteigert werden.

Nicht alle Straßenzüge können freilich gleich behandelt werden, auch das machte der Planer deutlich. Denn einige Straßen sind so schmal, dass es die Feuerwehr schon jetzt im Notfall nicht schaffen würde einzufahren. Hier noch deutlich mehr Wohnraum zu schaffen, wäre daher problematisch. Der Bebauungsplan sieht vor, dass einige Kreuzungen aufgeweitet werden, dazu müssten Grundstückseigentümer ein paar Quadratmeter abtreten. Zwar wären hierfür als letztes Mittel auch Enteignungen möglich, so Feirer-Kornprobst, das erklärte Ziel der Gemeinde sei aber eine einvernehmliche Einigung. Davor werden aber wohl noch etliche Gespräche nötig sein: Als Geschäftsleiter Thomas Stark erklärte, in der Vergangenheit seien in solchen Fällen 50 Euro pro Quadratmeter gezahlt worden, erntete er höhnisches Gelächter aus dem Publikum. Das wiederum wollte der Bürgermeister nicht unkommentiert stehen lassen. Ihm erschließe sich der Grund für das Gelächter nicht, sagte er, immerhin gehe es um die Erschließung des eigenen Wohngebiets.

Mehreren Wünschen der Anwohner will die Gemeinde bei den Parkplätzen nachkommen: Die Lage der Parkflächen und Gestaltungsvorschriften für Garagen stehen nun nicht mehr im Bebauungsplan. Die beschlossenen Änderungen werden nun in das Werk ausgearbeitet. Geplant ist dann, dass der Gemeinderat im November oder Dezember einen Schritt weitergeht und den Billigungs- und Auslegungsbeschluss fasst.