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Debatte in Pliening:Lösung in Sicht

Der Kiesabbau soll nördlich des Abfanggrabens fortgesetzt werden. Bisher war die Erschließung ungeklärt.

(Foto: Christian Endt)

Das Plieninger Kiesabbaugebiet nördlich des Abfanggrabens könnte mittels einer eigenen Brücke erschlossen werden

Von Alexandra Leuthner, Pliening

Es war noch der vorhergehende Gemeinderat, der sich im Februar mit einem Antrag des Kiesunternehmens Ebenhöh auseinandersetzen musste. Die Firma möchte ihr Abbaugebiet in den kommenden Jahren auf eine knapp 17 Hektar große Fläche nördlich des Abfanggrabens ausdehnen. Nicht gegen den Abbau an sich, der im dort definierten Vorranggebiet genehmigungsfähig ist, sondern gegen die Transportwege hatten sowohl Bauausschuss und Gemeinderat als auch eine Gruppe von Landshamer Bürgern etwas einzuwenden. Der Ortsteil Landsham-Moos ist ja seit Jahren von der direkten Nachbarschaft zu den Abbauflächen betroffen. 107 Landshamer haben daraufhin eine Stellungnahme unterschrieben, mit der sich das Landratsamt als Genehmigungsbehörde jetzt in einer nichtöffentlichen Anhörung befasst hat, zu der auch die Gemeinde als Träger öffentlicher Belange geladen war. Kurz zuvor hat die Firma Ebenhöh eine Alternativlösung ins Spiel gebracht: Den Bau einer eigenen Brücke über den Abfanggraben, der den Weg nach Norden deutlich verkürzen könnte.

Nach dem ersten Antrag des Kiesunternehmers sollten Lkw das zur Wiederverfüllung des neu entstehenden Baggersees notwendige Material vom Kieswerk im Süden durch das bereits renaturierte Abbaugebiet nach Norden bringen. Und zwar über einen bestehenden Weg im östlichen Bereich des Gesamtgeländes, das auf etwa 20 Hektar von rekultivierten und inzwischen idyllisch eingewachsenen Seen durchzogen ist und zum Spazierengehen einlädt. Beim Abfanggraben angekommen, sollten die Lastkraftwagen dann in den parallel verlaufenden und viel benutzten Spazierweg Richtung Westen einbiegen, dort mittels einer bestehenden Brücke den Graben überqueren und nördlich davon wieder zurück nach Osten fahren. Dort wird das künftige Abbaugebiet nur durch den Graben getrennt praktisch an den derzeit noch bearbeiteten Baggersee anschließen.

Durch das Befahren dieser Wege "mit schwerem Bau- oder Transportgerät werden sie in kürzester Zeit unbegehbar für Fußgänger und Radfahrer", schreiben die Landshamer Bürger in ihrer Stellungnahme. Weiter heißt es darin: "Die Auswirkungen dieses Schwerlastverkehrs sind bereits am derzeitigen Kiesabbau mit seinen Betriebs- und Verfüllungsaktivitäten durch Lkw und Baumaschinen erkennbar." Das Gelände rund um die rekultivierten Baggerseen wird stark von Spaziergängern, Joggern und auch Radfahrern genutzt - jenes Gelände, das letztlich ja die Anwohner mit den Unannehmlichkeiten aus dem Kiesabbau versöhnen sollte. "Nicht einmal eine eingeschränkte Freizeitnutzung in Form eines Spaziergangs sei noch möglich", schreiben die Landshamer, sollte die Trassenführung nicht geändert werden, da sie das Gebiet der Landschaftsseen auf drei Seiten umschließe. Stattdessen fordern sie eine Süd-Nord-Erschließung "in direkter Linie vom Kieswerk nach Norden zum Abfanggraben (...), getrennt von den einzigen existierenden Wegen, die von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden können". Die sei mehr als einen Kilometer kürzer und wäre durch geringeren Schadstoffausstoß der Fahrzeuge auch umwelt- und klimafreundlicher.

Nun wird es diese bereits auch im Gemeinderat angedachte Lösung im Westen allerdings nicht geben, wie Firmenchef Jürgen Ebenhöh auf Nachfrage erklärt. Zum einen müsste dafür viel Wald gerodet werden, zum anderen gehört die Fläche nicht Ebenhöh, sondern der Plieninger Landwirtsfamilie Kern, wie der Großteil des bisher bearbeiteten Geländes auch. Und die hat kein Interesse an der Verpachtung. "Da zahlen wir für ein Jahr so viel Pacht, da können wir das Grundstück kaufen", sagt Ebenhöh. Die einzige Alternative, die er sieht, ist, den Graben mit einer eigenen Brücke zu überspannen, die direkt an den befestigten Kiesweg durchs Werksgelände anschließen soll. Auch den Weg parallel zum Graben, welcher der Firma Eon gehört, und eine Mineralölleitung im Besitz der OMV, würde damit überbaut. Die Zustimmung der beiden Firmen sei bereits da, so Ebenhöh. Billig wird auch das für seine Firma nicht, 1,2 Millionen, schätzt Ebenhöh, "aber wir haben keine andere Möglichkeit".

Für die Landshamer wäre diese Lösung zumindest ein Teilerfolg: "Das Schöne wäre, wir haben nicht die ganz große Schleife", sagte der Sprecher der Bürger, der ehemalige SPD-Gemeinderat Roland Ernst. Für Ebenhöh selbst hätte sie den Vorteil, dass er nicht durch den Nachbarlandkreis München fahren müsste, zu dem die bestehende Brücke gehört. Die neu vorgeschlagene Lösung wird jetzt vom Wasserwirtschaftsamt und der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt geprüft. Ganz glücklich ist man dort nach den Worten von Friederike Pastor, juristische Abteilungsleiterin, zwar nicht, wenn die Lkw weiter durch das renaturierte Gelände fahren. "Man muss die naturschutzrechtlichen Vorgaben einhalten und das Artenschutzgebot." Das sei aber kein Ausschlussgrund, "es ist halt Vorranggebiet Kiesabbau".

© SZ vom 14.07.2020

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