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Pliening:Gruseln bis die Maske fällt

Im Landshamer Horror-Haus kann sich fürchten, wer das gerne möchte

Von René Becker

Die alte Dame öffnet die Pforten ihres Gruselhotels. Die "Villa des Grauens". Einchecken dürfen Zombies und sonstige Kreaturen. Wenn sie den Friedhof überquert haben. Ein schlechter Scherz? Nun, Horror und Humor vertragen sich, im Horror-Haus in Landsham weiß man ein Lied davon zu singen. Und weil die Halloween-Saison begonnen hat, sind die Tore zum Grauen jetzt wieder für Publikum geöffnet. Allerdings sollte man starke Nerven mitbringen. "Wir spielen mit den Ängsten der Leute", sagt Randy Mikels, Geschäftsführer des Horror-Hauses.

Er führt auch den Horrorshop, 1991 in Landsham eröffnet und nach eigenen Angaben europaweit das größte Ladengeschäft, das ganzjährig Halloween-Artikel anbietet. Auf 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche, verteilt auf zwei Stockwerken, verkaufen Mikels und seine Mitarbeiter über 10 000 verschiedene Artikel: Make-up, Kostüme oder Spielzeug passend für Halloween, Fasching und Mottopartys. Es lassen sich aber auch Artikel zu Harry Potter und Bibi Blocksberg finden. "Hexen kommen bei den Kindern immer gut an."

Freunde der Mittelalter- oder Gothic-Szene werden bei Mikels ebenfalls fündig. Die Kunden kommen von überall her, auch aus dem Ausland. Der Shop bietet individuelle Beratung und Kurse zu Make-up und Dekoration, auch von Geschäftsführer Mikels persönlich geleitet. Das Geschäft arbeitet auch mit Fernsehen und Theatern zusammen. Schließlich haben Mikels und seine Leute viele Requisiten und wissen, was ein gutes Bühnenbild ausmacht.

15 Räume finden sich in der sogenannten Villa des Grauens. Blutverschmierte Waffen hängen an den Wänden, animierten Leichen und Monster. Hässliche Puppen ergänzen das gruselige Ambiente. Im Horror-Haus setzt man bei den Requisiten auf Sparsamkeit und Nachhaltigkeit. So hängen in der Ahnengalerie, einem der Gruselzimmer, echte Familienbilder, die von Flohmärkten aus der Region um Ebersberg stammen. Es kann also schon mal vorkommen, dass einer der Besucher eines Tages ins Gesicht eines seiner Vorfahren blickt, wenn er zum gruseligen Vergnügen ins Hotel der alten Dame kommt. Manche Requisiten, wie etwa die Puppen, sind Retourware. Das falsche Blut an den Wänden ist eine ganz eigene Mischung, zusammengemixt aus so einigem, was sich in einem Haushalt findet. "Darüber hinaus arbeiten wir viel mit Textilien, Geruch und Licht. Viel Nebel ist auch dabei."

Das Hygienekonzept sieht für das Horror Haus vor, dass zwei Gruppen von je vier bis sechs Personen die Show besuchen dürfen. Dabei darf immer nur eine Gruppe in einem Raum sein. Mindestabstand und Maskenpflicht müssen eingehalten werden. Die Gruppen melden sich an und hinterlassen ihre Daten. Mindestalter ist 14 Jahre. Der eine oder andere hat die Horror-Show schon mal abbrechen müssen, "zwar selten, aber es kommt immer mal wieder vor", so Mikels. Die Zimmer sind mehrmals besuchbar, Mikels und seine Schauspieler richten die Räume immer wieder unterschiedlich ein und verstecken sich immer an neuen Orten, um die Horror Show abwechslungsreich zu gestalten. Schließlich gibt es auch Stammkunden, die sich nicht langweilen wollen und sollen.

Das Horror-Haus in Landsham gibt es nun schon das dritte Jahr, und sein Betreiber hat manch Kurioses dabei erlebt. Denn nicht jedermann ist von dem Konzept überzeugt und sieht den Spaß, den ein Besuch bringen soll. "Einmal kam ein junger Mann in unseren Laden mit einem Eimer Weihwasser und hat uns damit bespritzt. Bei uns im Briefkasten lag auch schon einmal eine Bibel", erzählt Mikels. "Leider verstehen nicht alle den Sinn und Zweck des Horrorshops oder nehmen ihn zu ernst." Das Gefühl von Gefahr stelle für Menschen einen Kontrast zum oft eintönigen Alltag dar. Genießbar sei das Angstgefühl aber nur dann, wenn die Sicherheit da ist, die furchteinflößende Situation unbeschadet zu überstehen. Horrorfilme, Geisterbahnen und sehr wahrscheinlich auch das Angebot aus Pliening entsprechen genau diesem Verlangen.

Aktuell schlägt sich der Betrieb gut. "Durch Corona feiern Leute wieder mehr private Partys. Das ist nicht zum Nachteil für uns", erzählt Mikels. Denn die Familien und die Stammkunden sind geblieben. Halloween sieht Mikels dieses Jahr nicht in Gefahr. Da nimmt der Horror-Experte eine Sense in die Hand und hält sie vor sich. Dadurch wird der Mindestabstand eingehalten, und die Tüten mit den Süßigkeiten kann man an der Klinge aufhängen. "Süßes oder Saures ist auch unter Corona möglich. Außerdem ist man meistens sowieso schon so hässlich und bedrohlich verkleidet, dass man sich gar nicht erst umarmen will", scherzt er.

© SZ vom 23.10.2020
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