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Pliening:Aus für Umgehungspläne

Straßenbauamtsleiter macht Plieningern keine Hoffnung

Dass es mit der Plieninger Umgehungsstraße in näherer Zukunft nichts werden wird, war im Laufe des Jahres zu erahnen gewesen. Nun hat der stellvertretende Leiter des Staatlichen Straßenbauamts in Rosenheim, Christian Rehm, den Plieningern auch noch die letzte Hoffnung genommen. Auf Einladung von Bürgermeister Roland Frick (CSU) war Rehm in die Gemeinde gekommen und fasste in einem Satz zusammen, was er anschließend erläuterte: "Die Umgehungsstraße liegt auf Eis." Und nicht nur das: Weil gleich zwei Nachbargemeinden, nämlich Poing und Kirchheim, Probleme mit den Plieninger Plänen haben, ist die Chance auf eine Verwirklichung so wie es jetzt aussieht gleich null.

Im Moment ist das Projekt, wie Rehm berichtete, im Ausbauplan für Straßen in der Kategorie 1R eingeordnet. Das bedeutet, dass es frühestens zwischen 2020 und 2025 überhaupt weitere Planungen des Straßenbauamts geben kann. Vorher darf das Amts gar nichts in der Sache unternehmen, weil es sich um die Projekte in der Dringlichkeitsstufe 1 kümmern muss, also jenen, die bis 2020 umgesetzt sein sollen. Das heißt im Umkehrschluss aber nun auch nicht, dass die Plieninger Umgehungsstraße anschließend auf jeden Fall geplant und gebaut wird. Was am Widerstand der Nachbargemeinden liegt. Beide haben sich zuletzt gegen die Plieninger Pläne ausgesprochen. Kirchheim, weil die Umgehungsstraße an einer Stelle ans örtliche Straßennetz anschließen sollte, an der die Gemeinde im Nachbarlandkreis München ein Gewerbegebiet ausbauen will. Poing dagegen wehrt sich gegen eine von Pliening unbedingt gewünschte Zufahrt, die den Verkehr aus Poings neuen Wohngebieten direkt auf die Umgehung leiten soll. In der Nachbargemeinde befürchtet man dadurch aber den umgekehrten Effekt.

Der Widerstand aus gleich zwei Gemeinden könnte also einer Plieninger Umgehung - für die die Gemeinde immerhin bereits mehr als 250 000 Euro an Angebots- und Entwurfskosten ausgegeben hat - langfristig den Garaus machen. "Wir planen generell nur, wenn Gemeinden das auch haben wollen", sagte der stellvertretende Straßenbauamtsleiter. "Wir machen keine Zwangsbeglückung, es sind ja immer auch Eigentumsrechte von so einem Projekt betroffen." Im Plieninger Bürgersaal stieß Rehm damit auf wenig Verständnis. "Eine bodenlose Frechheit, wie da mit uns umgegangen wird", schimpfte Erna Roth aus Landsham. Seit 1978 bestehe die Umgehungsstraße in Kirchheim, rief sie erbost, warum so etwas also in Pliening nicht möglich sei. Gemeinderat Markus Uffinger (Alternative für Pliening) kritisierte die Nachbargemeinde Poing. "Poing baut und baut und baut, und unsere Bürger werden durch den zunehmenden Verkehr extrem belastet. Ich finde, dass ist ein Hammer, dass wir da keine Unterstützung kriegen." Eine Chance für das Plieninger Vorhaben immerhin, wenn auch eine zweifelhafte, wollte Rehm nicht ganz von der Hand weisen: Falls es, etwa durch den Bau einer dritten Landebahn für den Flughafen im Erdinger Moos zu einer weiteren messbaren Erhöhung des Verkehrsaufkommens im Münchner Osten kommen sollte, sei es nicht ausgeschlossen, dass das Projekt doch noch in der 1. Dringlichkeitsstufe landen könnte.

© SZ vom 12.10.2015
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