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Pliening:Platz für Traglufthalle

Neubiberg, Traglufthalle, Asylbewerberunterkunft bei Nacht,

Eine solche Traglufthalle, wie sie bereits in Neubiberg steht, könnte auf einem Acker in Pliening aufgestellt werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Das Areal ist 3000 Quadratmeter groß. Vom Landratsamt wird nun geprüft, ob die Fläche zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden kann

Die Gemeinde Pliening stellt ein Grundstück von 3000 Hektar für die zeitweise Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung. Hier können entweder Containerwohnungen oder aber eine Traglufthalle aufgestellt werden. Der Grund wird derzeit als Ackerfläche genutzt und liegt neben den beiden Sportplätzen nördlich des Kirchwegs. Er gehört der Gemeinde und ist an einen Landwirt verpachtet. Das Pachtverhältnis für einen Teil des verpachteten Grundstücks, das insgesamt 22 000 Quadratmeter groß ist, lasse sich jederzeit lösen, erklärte Plienings Bürgermeister Roland Frick (CSU) in der Bürgerversammlung am Donnerstagabend. Er habe bereits mit dem Pächter gesprochen und der habe Verständnis für die Situation gezeigt.

Die Situation, die Pliening jetzt zum Handeln zwinge, hatte er zuvor den etwa 130 anwesenden Bürgern im Bürgersaal der Gemeinde erläutert. 951 Flüchtlinge seien derzeit im Landkreis untergebracht. Im vergangenen Jahr, als Pliening sieben Asylbewerber aufnahm und in einer Wohnung im Rathaus unterbrachte, waren es noch knapp 400. Nach neuesten Prognosen rechne das Landratsamt in Ebersberg nun mit 1757 Personen, die bis zum Jahresende dem Landkreis noch zugeteilt würden, zitierte Frick Landrat Robert Niedergesäß (CSU) aus einer Bürgermeisterbesprechung vom 22. September. "Aber die Zahlen verändern sich wöchentlich", sagte Frick. Niemand dürfe glauben, dass es damit getan sei. "Ich bin mir sicher, das geht auch nach dem 31. Dezember so weiter." Landrat Niedergesäß habe in der Besprechung alle Bürgermeister eindringlich gebeten, nach Grundstücken oder anderen Unterbringungsmöglichkeiten in ihren Gemeinden zu suchen, da spätestens Mitte November alle Kapazitäten des Landkreises ausgeschöpft seien, er aber nicht, wie es in anderen Landkreisen schon geschehen sei, gemeindeeigene Liegenschaften wie Turnhallen beschlagnahmen wolle.

Wenn auf diesem Wege keine weiteren Flächen mehr zusammen kämen, bleibe ihm als ultima ratio aber nichts anderes übrig, als nach dem Königssteiner Schlüssel, über den Flüchtlinge entsprechend der Gemeindegrößen verteilt werden, zu verfahren. Und dann kämen zuerst jene Gemeinden dran, die bisher keine oder nur wenig Asylbewerber hätten - was für Pliening mit seinen sieben Flüchtlingen zutreffe. Und dann könne doch die Schulturnhalle belegt werden, warnte Frick. Eine Sorge übrigens, die etliche Eltern bereits zu Schulbeginn vor zwei Wochen veranlasst habe, bei Schulleiter Peter Bachmeier nachzufragen.

"Das will aber keiner, und das will auch ich nicht", sagte Frick. So habe er sich nach der Bürgermeisterdienstbesprechung und einer Nachfrage der SZ nach möglichen freien Grundstücken im Ortsgebiet mit dem Gemeinderat kurzgeschlossen, und man habe sich für die genannte Fläche nördlich des Bürgerhauses entschieden. Nun sei es am Landratsamt zu prüfen, ob eine Nutzung der Fläche möglich sei. An der Westseite könne eine Zufahrt zur restlichen Ackerfläche offen gehalten werden.

Im beschleunigten Verfahren wird die Bebaubarkeit des Grundstückes geprüft

Im Landratsamt sei die Nachricht aus Pliening, die am Donnerstagnachmittag per Mail und am Freitag schriftlich angekommen sei, mit Freude aufgenommen worden, erklärte Pressesprecherin Evelyn Schwaiger. Nun werde im beschleunigten Verfahren geprüft, ob die Errichtung einer Unterkunft baurechtlich genehmigungsfähig ist und dann entschieden, in welcher Form der Grund genutzt werden könne. Vor allem müsse geklärt werden, ob er einigermaßen kostengünstig erschlossen werden könne, um eine Traglufthalle oder Container zu versorgen. In der kommenden Woche wisse man da schon mehr. 3000 Quadratmeter, wie sie Pliening nun zur Verfügung stellen will, sind notwendig um eine Traglufthalle aufzustellen, wie sie in den vergangenen Monaten bereits im Nachbarlandkreis München errichtet worden sind. Bis zu 300 Menschen können in diesen Hallen, wie sie etwa in Neubiberg und Taufkirchen stehen, untergebracht werden.

Dass es in Pliening in absehbarer Zeit mehr Flüchtlinge geben könnte, steht abgesehen von der Nutzung der gemeindeeigenen Fläche fest. Es seien derzeit Gespräche mit Privatleuten im Gang, die kurz vor dem Abschluss stünden, berichtete Frick und warb darum, dass sich doch weitere Personen bereit erklären mögen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Von den sieben Asylbewerbern, die noch bis zum kommenden März im Rathaus wohnen können, ist einer inzwischen anerkannt. Für ihn sucht die Gemeinde nun nach einer Anschlussunterbringung. Das Schicksal der anderen sechs, die auf Einladung der Gemeinde vollzählig zur Bürgerversammlung erschienen waren, ist noch ungewiss. Sobald weitere Flüchtlinge in Pliening untergebracht werden, braucht auch der Helferkreis weitere Unterstützung.

© SZ vom 05.10.2015
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