Plagiats-Affäre:"Es braucht keinen Doktortitel für ein politisches Amt"

Lesezeit: 2 min

Plagiats-Affäre: Der Grafinger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber (rechts) mit Ministerpräsident Markus Söder bei einem Pflanz-Termin Ende April im Landkreis Ebersberg.

Der Grafinger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber (rechts) mit Ministerpräsident Markus Söder bei einem Pflanz-Termin Ende April im Landkreis Ebersberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der neue CSU-Generalsekretär Martin Huber steht unter Plagiatsverdacht. Wäre sein Landtags- und Namenskollege Thomas Huber ein geeigneter Nachfolger?

Interview von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Parteichef Markus Söder hat am Freitag Martin Huber als neuen CSU-Generalsekretär präsentiert. Zwei Tage später muss sich der Landtagsabgeordnete gegen Plagiatsvorwürfe wehren. Martin Huber will jetzt seine Doktorarbeit unabhängig prüfen lassen. Was, wenn kurz nach dem Rücktritt von Stephan Mayer der nächste General seinen Hut nehmen muss? Nachfrage bei dem zweiten CSU-Huber im bayerischen Landtag: Der 49-jährige Thomas Huber aus Grafing.

SZ: Herr Huber, was ist da los in Ihrer Partei?

Thomas Huber: Die Situation war aufgrund des bedauernswerten Vorfalles mit Stephan Mayer schwierig. Aus meiner Sicht hat der Parteivorsitzende schnell und richtig reagiert. Mit Martin Huber hat er eine gute personelle Wahl getroffen. Er ist ein fleißiger und kompetenter Kollege.

Und Namenskollege. Wie gut kennen Sie sich persönlich?

Wir wurden 2013 beide in den Landtag gewählt, kannten uns aber vorher schon aus der Zeit bei der Jungen Union.

Was haben Sie zusammen bei der JU erlebt?

Er war Vorsitzender in seinem Landkreis in Altötting, ich in Ebersberg. Wir haben zusammen Jugendpolitik gemacht, das war eine schöne Zeit.

Was war so schön daran?

Wir haben inhaltlich im Bezirksvorstand Oberbayern zusammen gearbeitet und gemeinsame Anträge initiiert. Er war eher international und umweltpolitisch angesiedelt, ich eher kommunal- und sozialpolitisch. Uns verbindet eine lange freundschaftliche Beziehung.

Wie überrascht sind Sie von den Vorwürfen gegen ihn?

Ich kann das nicht bewerten, weil ich seine Dissertation nicht kenne. Seine Bitte, die Arbeit unabhängig prüfen zu lassen, war eine richtige Entscheidung. Das Verfahren muss man jetzt abwarten.

Falls die Prüfer zum Ergebnis kommen, dass es sich tatsächlich um ein Plagiat handelt, ist Martin Huber dann als CSU-Generalsekretär noch tragbar?

Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Es gibt Beispiele bei Politikern anderer Parteien, denen der Doktortitel aberkannt wurde und heute ein hohes Amt inne haben. Etwa Franziska Giffey von der SPD (Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Anm. d. Red.). Es braucht keinen Doktortitel für ein politisches Amt.

Haben sich diese Zeiten geändert?

So meine ich das nicht. Aus meiner Sicht hat man noch nie einen Doktortitel gebraucht, um ein guter Politiker zu sein.

Was braucht man stattdessen, um ein guter Politiker zu sein?

Interesse für die Menschen und Leidenschaft für die Probleme die sie bewegen, eine Ausbildung, Durchsetzungsfähigkeit und ein dickes Fell.

Sie haben ja auch keinen Doktortitel, zumindest nirgendwo angegeben.

Ich habe keinen Doktor gemacht und habe auch nicht die Absicht, dass ich promoviere. Dafür sehe ich auch keine Notwendigkeit.

Plagiatsvorwürfe würde das schonmal ausschließen. Falls es den einen Huber erwischt, käme der andere Huber als sein Nachfolger in Frage?

Entscheidend dafür ist sicher nicht der Nachname.

Sondern?

Persönliche Bereitschaft und die Fähigkeit, zu wissen was man kann aber auch, was man nicht kann.

Hätten Sie CSU-Generalsekretär im Kreuz?

Ich kenne das Anforderungsprofil eines Generalsekretärs. Ob ich dieses Profil erfülle, muss man dem überlassen, der einen Generalsekretär beruft und das ist der Parteivorsitzende.

Zur SZ-Startseite

MeinungMartin Huber unter Plagiatsverdacht
:Spätestens jetzt hat die CSU ein fettes Problem

Eigentlich wollte sich die CSU runderneuern. Doch gerade zwei Tage nach der Ernennung des neuen Generals steht nun abermals Kritik ins Haus. Für den Landtagswahlkampf ist das brandgefährlich.

Lesen Sie mehr zum Thema