Pilotprojekt in Vaterstetten Jetzt wird geklingelt

Im München, hier die Clemensstraße in Schwabing, gibt es die Fahrradstraßen schon seit einigen Jahren.

(Foto: Robert Haas)

Gemeinde wird Anwohner zu geplanten Fahrradstraßen befragen

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Straßen der Großgemeinde sollen fahrradfreundlicher werden. Auf Antrag der SPD hat nun der Straßen- und Verkehrsausschuss die Einrichtung einer sogenannten Fahrradstraße beschlossen. Diese soll vom Bahnhof Baldham über die Finken- und die Beethovenstraße zur Johann-Sebastian-Bach-Straße verlaufen. Allerdings erst, nachdem die Anwohner dazu befragt worden sind.

Grundsätzlich würde sich durch die Umwidmung der beiden Straßen nicht viel ändern. Denn sie sollen nicht ausschließlich dem Fahrradverkehr vorbehalten, sondern mit dem das Zusatzschild "Kraftverkehr frei" versehen werden. Allerdings müssten Autos und Motorräder dem Fahrradverkehr Vorrang einräumen. Wenn auch nicht immer, wie Manfred Weber vom Bauamt erläuterte: An den Kreuzungen gelte nach wie vor die Rechts-vor-Links-Regel.

Warum die Einführung der Fahrradstraße dennoch sinnvoll sei, erläuterte SPD-Gemeinderätin Maria Wirnitzer: So könne der Radverkehr auf bestimmte Strecken - neben der nun vorgestellten hat die Agenda 21 Verkehr noch weitere in ihrem Fahrradkonzept vorgeschlagen - gebündelt werden. Dies diene sowohl der Verkehrssicherheit als auch der Attraktivität des Radelns in der Gemeinde. Die nun vorgeschlagene Route habe man als erste Fahrradstraße ausgewählt, weil sie als Verbindung zwischen viel frequentierten Orten wie Rathaus, Friedhof, VHS, Schule und Reitsbergerhof im Norden sowie Marktplatz und Bahnhof Baldham im Süden diene. Auch sei die Umwidmung weitgehend mit dem Aufhängen der Schilder erledigt - mit einer Ausnahme.

Denn an der Verbindung zwischen Finken- und Beethovenstraße gibt es derzeit einen Zaun mit einem schmalen Durchgang offiziell nur für Fußgänger. Zwar halten sich die allermeisten Radler ohnehin nicht an das "Absteigen"-Schild an der Stelle, dennoch beantragte die SPD, den Durchgang umzubauen, so dass man auch offiziell ohne Absteigen durchfahren kann. Statt des Zauns sollen zwei Poller die Autofahrer an der bequemen Abkürzung hindern. In einer vergangenen Sitzung zum Thema gab es indes einige Zweifel, ob dies so möglich sei - inzwischen scheinen diese aber ausgeräumt. Zumindest kamen weder von den Gemeinderäten noch aus der Verwaltung entsprechende Einwände.

Dafür gab es viel Zuspruch aus den anderen Fraktionen. "Die Straße wird jetzt schon von vielen Radlern genutzt", sagte Stefan Ruoff (Grüne), da könne man sie auch offiziell zur Fahrradstraße machen. Für Manfred Schmidt (FBU/AfD) ist die Gemeinde damit "auf der Höhe der Zeit", derzeit wollten schließlich "alle den Radfahrern etwas Gutes tun". Herbert Uhl (FW) nannte die vorgeschlagene Strecke "eine gute Möglichkeit, es auszuprobieren".

Etwas Diskussionsbedarf gab es indes über die Vorgehensweise. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, dass der Ausschuss zwar die Einrichtung der Fahrradstraße "befürwortet", umgesetzt werden soll dies aber erst, nachdem die Anwohner dazu befragt wurden. Was Sepp Mittermeier (SPD) nicht gefiel, er forderte, gleich die Umsetzung zu beschließen, und dann die Betroffenen zu befragen. "Wenn sich dabei besonderes Umstände ergeben", könne man es ja noch einmal im Ausschuss behandeln. Ansonsten würde sich die Angelegenheit "auf den Sanktnimmerleinstag" verzögern. "Andersherum ist es aber verwaltungstechnisch logisch", meinte dagegen Bauamtsleiterin Brigitte Littke.

Zweiter Bürgermeister Martin Wagner (CSU), der die Sitzung leitete, schlug vor, jetzt schon verbindlich zu festzulegen, dass in der kommenden Sitzung des Verkehrsausschusses - das wäre am 3. Dezember - über die Fahrradstraßen abgestimmt werden soll. Ohne Gegenstimmen wurde daraufhin die Anwohnerbefragung beschlossen.