Wie in jedem Jahr ist auch heuer am 12. Mai der Internationale Tag der Pflegenden. Der International Council of Nurses (ICN) – das ist ein Zusammenschluss von 130 nationalen Pflegeverbänden – hat ihn in den 1960er-Jahren initiiert, um damit an die Pionierin der modernen Krankenpflege im Westen, Florence Nightingale, zu erinnern. Ihr ist es zu verdanken, dass die Pflege immer weiter professionalisiert und schließlich als Beruf anerkannt wurde, für den eine fachkundige Ausbildung erforderlich ist. Die Pflege hat sich dank Florence Nightingale zu einem festen Bestandteil der medizinischen Versorgung von Patienten entwickelt.
Das alles hat sich im 20. Jahrhundert abgespielt. Seitdem die Pflege-Ikone 1910 gestorben ist, haben sich viele weitere Aspekte in dem Bereich verändert. Wenn ich zum Beispiel zurückdenke, als ich vor 20 Jahren meine Ausbildung gemacht habe, war das Bild von Ärzten als die unantastbaren „Götter in Weiß“ noch sehr verbreitet. Bei der Morgenwäsche habe ich den Patienten angemerkt, dass sie nervös geworden sind beim Gedanken daran, dass jetzt gleich bei der Visite die Herren Doktoren vor ihnen stehen werden – bei manchen würde ich sogar sagen, dass sie Angst vor den Ärzten hatten. Und bevor die dann tatsächlich gekommen sind, haben die Patienten noch einmal den Sitz der Haare überprüft, damit man auch ja ordentlich ausschaut.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 59:Es geht nicht nur um die gebrochene Hüfte
Im Gegensatz zu anderen Ländern erfolgt die Pflege in Deutschland nach einem ganzheitlichen Konzept. Pola Gülberg sieht darin viele Vorteile für Patienten.
Ein solches Bild hatte Einfluss auf das von der Pflege. Wir waren die Krankenschwestern – das steckt schon im Namen: Schwester, das ist Familie, eine vertraute Person. Dass wir aber viel mehr getan haben, als mit dem nassen Waschlappen mal über trockene Körperstellen zu wischen und den Patienten zuhören, ist zu oft unter den Tisch gefallen.
Diese krasse Hierarchie in der Wahrnehmung erlebe ich heute nur noch selten. Immer mehr rückt in den Fokus der Aufmerksamkeit, dass es die Pflege ist, die an den Betten steht. Dass wir es sind, die am meisten Zeit mit den Patienten verbringen. Dass wir dadurch ziemlich viel beobachten. Und dass das für eine erfolgreiche Therapie ausschlaggebend sein kann.

Was allerdings auch heute gerne vergessen wird: Es kann nicht einfach jeder einen Pflegeberuf lernen – auch wir haben so etwas wie einen Numerus Clausus, nämlich mindestens die Mittlere Reife oder eine mindestens zweijährige Ausbildung nach dem Mittelschulabschluss.
Ich habe es nie bereut, dass ich in die Pflege gegangen bin – ich arbeite in meinem Traumjob. Zu Schulzeiten ist mir schon klar gewesen, dass ich später irgendwas mit den Händen arbeiten möchte. Pflegerin oder Schreinerin. Als ich dann für meine Ausbildung zur Rettungssanitäterin ein Pflegepraktikum gemacht habe, war die Entscheidung gefallen. Denn genau dieser enge Kontakt zu Patienten, die Möglichkeit, aus Gesprächen mit ihnen und Beobachtungen so viel Relevantes für die Therapie schließen zu können, in Kombination mit der praktischen Seite des Pflegeberufs: Das taugt mir einfach. Etwas anderes kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Mit Holz arbeite ich übrigens ebenfalls noch gern, aber eben als Hobby.
Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 40-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind online unter sz.de/aufstation zu finden.

