SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 202Krankenhaus im Zigarettennebel

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Am Patientenbett hat man früher dann auch wieder nicht geraucht, aber ansonsten eigentlich fast überall in Krankenhäusern.
Am Patientenbett hat man früher dann auch wieder nicht geraucht, aber ansonsten eigentlich fast überall in Krankenhäusern. (Foto: Caroline Seidel)

Es gab Zeiten, da galt Rauchen in der Klinik als völlig normal. Ein Kollege erzählt Pola Gülberg von einem Arzt, der sich mit seinem Glimmstängel sogar im Inventar der Kreisklinik verewigt hat.

Protokoll von Johanna Feckl, Ebersberg

Vor vielen Jahren hat in der Klinik ein bestimmter Arzt gearbeitet, er war Zigarrenraucher. Bevor er die Intensivstation betrat, legte er seine Zigarre auf dem Handlauf ab und ließ sie dort liegen, bis er fertig mit seiner Arbeit war und sie beim Verlassen der Station wieder aufsammelte. Bald waren auf den Handläufen Markierungen zu erkennen, denn die waren aus Holz und gelegentlich dauerte es auf Station wohl doch etwas länger als geplant – Zeit, in der die Zigarre unbeaufsichtigt auf dem hölzernen Geländer vor sich dahin glimmte. Ja, es gab Zeiten, da war das Rauchen in der Klinik erlaubt – und das wurde dementsprechend auch gelebt. Kaum zu glauben, oder?

Die Anekdote hat letztens ein Kollege erzählt, der schon weit mehr als 20 Jahre in der Klinik arbeitet. Der Nachtdienst war recht ruhig, da tauschen wir im Team gerne mal solch alte Geschichten miteinander aus. Ganz genau weiß ich nicht, wann nun die Zigarren-Legende stattgefunden hat, aber ich vermute, es müsste in den 1990er-Jahren gewesen sein. Denn ich habe Anfang der 2000er als Praktikantin in der Klinik angefangen zu arbeiten und kenne den Arzt nicht mehr – aber dass das Rauchen erlaubt war, war auch in meiner Anfangszeit noch der Fall.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 162
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Ein Patient von Pola Gülberg ist unruhig, schwitzt, möchte ständig aufstehen und wirkt aggressiv. Da hat die Pflegerin eine Idee: Kann es sein, dass der Mann Raucher ist und Entzugssymptome hat?

Protokoll: Johanna Feckl

Verboten war das Rauchen nur in Zimmern mit konzentriertem Sauerstoff, also zum Beispiel, wenn ein Patient beatmet wurde oder im OP. Da wäre die Gefahr einer Explosion viel zu hoch gewesen. Hygienische und gesundheitliche Aspekte haben allerdings ganz offenbar weniger eine Rolle gespielt.

Trotzdem hat man natürlich nicht überall geraucht: Mit dem Glimmstängel in der Hand ist kein Arzt zur Visite beim Patienten erschienen, und auch keine von uns Pflegekräften hatte eine Zigarette zwischen den Lippen, während wir am Bett die Monitore und Spritzenpumpen überprüften. Doch sowohl in den Aufenthaltsräumen der Patienten und Pflegekräfte, in Gemeinschaftsräumen und den Arztzimmern sowie auf den Balkonen war Rauchen völlig normal.

Mit dem populärer werdenden Nichtraucherschutz wurde dem Nikotin schließlich auch in der Klinik der Garaus gemacht. Erst wurde Rauchen nur im Patientenbereich verboten, in weiteren Schritten dann in Arztzimmern und Gemeinschaftsräumen wie unserer Teeküche.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.
Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Da sind einige aus dem Personal erfinderisch geworden. Als unsere Intensivstation noch so klein war, dass manchmal nur zwei Pflegekräfte pro Schicht gearbeitet haben, sind sie aus dem geöffneten Fenster aufs Vordach geklettert, um dort zu rauchen. Richtig hinausgehen ging nicht, schließlich konnten sie die Patienten nicht unbeaufsichtigt oder in der Obhut von nur einem einzigen Kollegen überlassen. Als die Vordach-Raucherei jedoch die Runde machte, wurde auch das verboten – zu Recht natürlich.

Die letzten Räume, in denen geraucht wurde, waren Lagerräume. Ich erinnere mich noch, als ich als Pflegeschülerin von dort frische Nachtkästchen herausholte. Wobei „frisch“ einen gewissen Interpretationsspielraum zulässt: Jedes Mal, wenn ich eines geholt habe für einen neuen Patienten, zog das Kästchen eine Nikotinwolke hinter sich her. Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei.

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 40-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind online unter sz.de/aufstation zu finden.

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