SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 63:Mit Post-Covid am Beatmungsgerät

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SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 63: Obwohl längst Corona-negativ hat Pola Gülberg einen Mann mit überstandener Infektion versorgt, der an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden musste.

Obwohl längst Corona-negativ hat Pola Gülberg einen Mann mit überstandener Infektion versorgt, der an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden musste.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vor einigen Wochen hat Pola Gülberg ihren ersten Patienten mit überstandener Corona-Infektion versorgt. Sein Verlauf damals war mild, jetzt kam er mit starker Luftnot auf die Intensivstation.

Protokoll: Johanna Feckl, Ebersberg

Ende Mai kam ein Patient mit Luftnot zu uns. Wenige Tage zuvor habe er noch vermutet, sich eine Erkältung eingefangen zu haben, so erzählte er es mir. Als Betroffener von chronischen Nebenhöhlenentzündungen wäre das nichts ungewöhnliches für ihn gewesen. Doch seine Luftnot sei schlimmer und schlimmer geworden, bis er sich schließlich nicht mehr anders zu helfen wusste und sich fürs Krankenhaus entschied. Das war richtig so, denn es war keine einfache Nebenhöhlengeschichte. Es war ein ernster Post-Covid-Zustand - und für mich der erste Patient mit einem längerfristigen Schaden nach einer Corona-Infektion.

Der Mann war Anfang 50 und damit deutlich jünger als unser durchschnittliches Klientel. Seine Corona-Erkrankung lag zehn Wochen zurück, Mitte März war das. Sei halb so wild gewesen. Danach habe er zwar schon einen Leistungseinbruch festgestellt. Aber im Großen und Ganzen sei das alles in Ordnung gewesen. Bis kurz vor seiner Aufnahme im Krankenhaus sei er sogar wieder arbeiten gewesen.

Jetzt war sein Zustand schlecht. Bei Luftnot konzentrieren sich die Betroffenen so sehr auf die Atmung, dass sie schon bald nicht mehr essen. Nicht mehr trinken. Und nicht mehr schlafen. Bei meinem Patienten lag der letzte Schlaf zwei Tage zurück - 48 Stunden lang war er wach zu Hause und hat durchgehalten. Luftnot führt häufig dazu, dass die Leidtragenden solche Angst vor dem Ersticken im Schlaf entwickeln, dass sie einfach wach bleiben. Ein solch drastischer Schlafmangel saugt zusätzlich Energie. Irgendwann ist der Körper am Ende.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 63: Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Und so dauerte es keine vier Tage, ehe mein Patient in Bauchlage angeschlossen an einer Beatmungsmaschine lag - eine Position, in der man typischerweise Corona-Positive auf der Intensivstation sieht. Er jedoch war seit Wochen negativ. Zwei Wochen mussten wir ihn so versorgen. Dann erst hatte er sich ausreichend erholt, sodass wir ihn von der Beatmungsmaschine wieder entwöhnen konnten. Nach einer weiteren Woche bei uns begann er seine Reha.

Mein Eindruck ist, dass sehr viele Menschen eines nicht auf dem Schirm haben: Ja, Omikron-Infizierte landen nicht mehr so häufig auf Intensivstationen wie es bei anderen Virusvarianten der Fall war. Aber nach wie vor greift das Virus den Körper an und schwächt alle Organe. Wenn Betroffene einige Zeit nach überstandener Infektion Kontakt mit Keimen, Bakterien oder einem anderen Virus haben, dann kann das weitaus größeren Schaden anrichten als ohne vorherige Corona-Infektion. Wie bei meinem Patienten, der zwei Monate später bei uns an der Beatmungsmaschine landete.

Der Mann war mein erster Post-Covid-Patient. Mein einziger ist er mittlerweile schon lange nicht mehr.

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.

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