SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 103:Gut für alle

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 103: Fachspezifische Intensivstationen haben in der Regel kleinere Bettenkapazitäten als interdisziplinäre.

Fachspezifische Intensivstationen haben in der Regel kleinere Bettenkapazitäten als interdisziplinäre.

(Foto: Felix Kästle/picture alliance/dpa)

Die Ebersberger Intensivstation ist interdisziplinär aufgebaut - in anderen Kliniken gibt es fachspezifische Intensivstationen. Pola Gülberg erklärt die Unterschiede - und warum eine solche Aufteilung im Sinne der Patienten ist.

Protokoll: Johanna Feckl, Ebersberg

Neulich war einer unserer Ärzte recht verwundert: "Die Intensivstation hier ist ja riesig! Die an meiner alten Klinik in München hat vier oder fünf Betten - hier gibt's ja dreimal so viele!", sagte er. Ja, so gesehen sind wir mit etwa 14 Betten wirklich ganz schön groß. Aber: In größeren Städten gibt es meistens fachspezifische Intensivstationen, während es in ländlichen Regionen interdisziplinäre Intensivstationen gibt - und für eine solche liegen wir mit unserer Kapazität im guten Durchschnitt.

Fachspezifisch bedeutet, dass die verschiedenen medizinischen Fachbereiche ihre Patienten auf ihren eigenen Intensivstationen versorgen. So gibt es die Kardio-Intensiv für alles rund ums Herz, Neuro-Intensiv für neurologische Patienten oder eine Intensiv für Fälle mit sehr starken Verbrennungen. Die einzelnen Stationen sind verhältnismäßig klein, vier oder fünf Betten sind üblich. Dafür gibt es an jeder Klinik mehrere davon.

Wir auf der interdisziplinären Intensivstation kümmern uns grundsätzlich um alle Krankheitsbilder, egal welchem medizinischen Fachbereich sie angehören. Eine Ausnahme bei uns in Ebersberger sind nur Patienten mit starken Verbrennungen - solche werden immer in Spezialkliniken versorgt. Generell gilt: Werden die Krankheitsbilder unserer Patienten zu spezifisch und knifflig, dann kommen sie in eine Spezialklinik. Findet sich im näheren Umkreis kein entsprechendes freies Bett, bleibt der Patient in bestimmten Fällen zunächst mit engmaschiger Überwachung bei uns.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 103: Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das ist keine ideale Lösung, doch unter den gegebenen Umständen das kleinere Übel - der Patient muss schließlich irgendwo versorgt werden. Sollte sich der Zustand des Patienten während dieser Zeit verändern oder gar verschlechtern, ist bereits abgeklärt, welche Klink mit entsprechender Fachintensiv dann zwangsbelegt wird. Aber solche Fälle kommen selten vor - meistens findet sich innerhalb einiger Stunden ohnehin ein freies Bett, wohin der Patient verlegt werden kann.

Die Aufteilung der Intensivstationen in fachspezifisch und interdisziplinär bedeutet nicht, dass Patienten auf interdisziplinären weniger gut aufgehoben sind. Denn nur durch diese Struktur ist sichergestellt, dass jeder Mensch innerhalb der umliegenden 30 oder 40 Kilometer eine Intensivstation erreicht. Im Falle von akuten Notfällen ist das lebensrettend.

Für mich macht die Interdisziplinarität meine Arbeit erst so richtig spannend. Ich muss mich in verschiedenen Fachrichtungen auskennen - Medizin ist so vielfältig, und genau das ist es, was mich fasziniert.

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.

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