SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 73:Das geht heute nicht!

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 73: Dieses Jahr hat der Tag der Deutschen Einheit für viele drei freie Tage hintereinander bedeutet - nicht so für das Personal in Kliniken.

Dieses Jahr hat der Tag der Deutschen Einheit für viele drei freie Tage hintereinander bedeutet - nicht so für das Personal in Kliniken.

(Foto: FotoBuehl/imago/Panthermedia)

So manch ein Patient von Pola Gülberg denkt, dass in einem Krankenhaus weder Wochenenden noch Feiertage gelten. Tatsächlich jedoch herrscht an solchen Tagen eine Notfallbesetzung. Doch was genau bedeutet das?

Protokoll: Johanna Feckl, Ebersberg

Der 3. Oktober ist heuer auf einen Montag gefallen, für viele hat das ein verlängertes Wochenende bedeutet. Für die meisten aus der Ebersberger Kreisklinik jedoch nicht, auch für mich nicht - und freilich genauso wenig für das Personal aus zahlreichen weiteren Branchen: Wir waren arbeiten. An solchen langen Wochenenden, aber auch an gewöhnlichen Sonntagen oder Feiertagen, erlebe ich eines immer wieder: Patienten mit einer Erwartungshaltung, als ob es für alle Mitarbeiter eines Krankenhauses weder Feiertage noch Wochenenden gäbe.

Um eines deutlich zu machen: Die große Mehrheit der Patienten verhält sich verständnisvoll. Ihnen ist auch ohne Erklärung klar, dass die Personaldecke an solchen Tagen anders aussieht als an einem normalen Mittwochvormittag. Nämlich deutlich dünner: Es herrscht eine Notfallbesetzung.

Die Anfangsdiagnostik, zu der etwa die Blutabnahme in der Notaufnahme zählt oder dass die Patienten, sobald sie bei uns auf der Intensivstation sind, an unsere Überwachungsmonitore angeschlossen werden, läuft nach wie vor. Hingegen alle Funktions- und Diagnostikbereiche, wie zum Beispiel die Radiologie oder Endoskopie, befinden sich werktags ungefähr von 16 Uhr an und an Wochenenden und Feiertagen in Rufbereitschaft. Diese wird verständigt, wenn bei einem Patienten ein dringender Eingriff notwendig ist. Bei allem anderen nicht.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 73: Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein dringender Eingriff ist dann nötig, wenn das Risiko besteht, dass sich der Zustand des Patienten akut verschlechtert oder sogar der Tod eintreten könnte, wenn diese oder jene Untersuchung nicht augenblicklich durchgeführt wird - es handelt sich um einen Notfall. Aber so manch ein Patient wähnt sich als einen solchen, obwohl er keiner ist. Oder denkt, dass die Klinik 24/7 für Routineuntersuchungen zur Verfügung steht.

Hin und wieder hat ein Patient schon zu mir gesagt: "Ihr macht hier ja eh nichts, da kann ich auch wieder heim gehen." Aber das stimmt nicht. Denn wir überwachen schließlich sämtliche Vitalfunktionen. Würde es eine Entwicklung geben, die den Patienten zu einem Notfall macht, greifen wir selbstverständlich sofort aktiv ein.

In meinen vielen Jahren als Pflegerin habe ich gelernt, dass es die meisten, die so etwas sagen, einfach nicht besser wissen. Über die Abläufe in einer Klinik, die Priorisierungen, die wir in der Versorgung treffen müssen - darüber wissen die wenigsten Bescheid. Deshalb nehme ich mir Zeit und erkläre in solchen Fällen, warum etwas wann gemacht wird - und weshalb im jetzigen Moment nicht. Die meisten entwickeln dann ein Verständnis. Aber manch einer bleibt renitent. Solche stehen wohl sich selbst am nächsten und wollen deshalb gar nicht verstehen.

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.

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