Fachtagungen gibt es einige im Pflegebereich. Die Klinik stellt uns frei, damit wir daran teilnehmen können. So veranstaltet beispielsweise die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin - kurz: Divi - regelmäßig Kongresse und Symposien, die wir besuchen. Dort gibt es Vorträge, Workshops und einen Ausstellungsbereich für neue Produkte in unterschiedlichen Fachgebieten.
Vor einiger Zeit besuchte ich eine Tagung der Vereinigung der Pflegenden in Bayern ( VdBP) zum Thema Aus- und Weiterbildungen. In den Vorträgen und Diskussionen ist vor allem ein Problem sehr deutlich geworden: Es gibt eine bundeseinheitliche Ausbildung zur Pflegefachkraft - aber keine vergleichbaren Regeln bei den Weiterbildungen. Der Föderalismus wird hier zum Problem.
So absolviere ich zum Beispiel in Bayern eine Weiterbildung zur Hygienefachkraft. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ich nach einem Umzug ins Nachbarbundesland Baden-Württemberg auch dort als Hygienefachkraft arbeiten kann.
Es gibt aber nicht nur Grundsätzliches im System der Pflegeberufe, das uneinheitlich geregelt ist. Sondern auch einiges, das in den Augen vieler in der Pflege nicht sinnvoll geregelt ist. So zum Beispiel die Einordnung der Ausbildung in den Deutschen Qualifikationsrahmen ( DQR) des Bundesbildungsministeriums - dort werden Qualifikationen innerhalb eines Bildungssystems bestimmten Niveaus zugeordnet, um sie vergleichbar zu machen.

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft ist mit Niveau vier ausgewiesen. In unserem Beruf ist eine Mittlere Reife Voraussetzung, die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, außerdem gibt es keine Altersbeschränkung unseres Klientels, somit tragen wir sehr viel Verantwortung und benötigen dementsprechend ein äußerst breites Fachwissen - anders als zum Beispiel bei der Ausbildung zur Kinderpflegerin, die jedoch auf dem gleichen Niveau angesiedelt ist.
Wenn die Berufsqualifikation der Pflegefachkraft höher eingestuft wäre, ist die logische Konsequenz auch eine tarifliche Änderung: ein höheres Gehalt. Und von diesem Ziel sprechen doch Politiker immer wieder. Ich frage mich: Warum wird dann aber nichts am DQR-Niveau verändert - und das trotz der vielen in meiner Branche, die genau das schon seit Jahren fordern?
Obwohl ich schon so lange in der Pflege arbeite und mich fortlaufend über meinen Beruf informiere, ist mir durch diese Fachtagung eines klar geworden wie nie zuvor: Die Pflege muss endlich anfangen, sich um sich selbst zu kümmern - denn niemand anderes wird für sie ihre Kämpfe austragen. Es liegt an uns Pflegekräften, uns mehr und besser zu organisieren, damit wir unsere Ziele erreichen können.
Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.
