SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 68:Aus drei mach eins

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Die Pflege-Ausbildung ist seit zwei Jahren eine generalistische: Auszubildende lernen nicht mehr ausschließlich in den Bereichen der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege. Pola Gülberg sieht darin Vor-, aber auch Nachteile.

Protokoll: Johanna Feckl, Ebersberg

Im September ist der dritte Jahrgang der neuen Pflege-Ausbildung gestartet. "Neu" deshalb, weil es nun eine generalistische Ausbildung ist: Auszubildende lernen nicht mehr die Berufe der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege oder der Kinderkrankenpflege. Sondern sie durchlaufen alle die gleiche Ausbildung und erlangen am Ende die Qualifikation einer Pflegefachkraft.

Nach wie vor dauert die Ausbildung drei Jahre. Der erste Abschnitt besteht aus einem sogenannten Orientierungseinsatz, den die Azubis bei ihrem jeweiligen Träger absolvieren, entweder in der Kinderkrankenpflege, im Krankenhaus oder in einer Altenpflegeeinrichtung. Insgesamt findet ungefähr die Hälfte der Ausbildung in praktischen Einsätzen statt - nicht nur beim eigenen Träger, sondern in allen Bereichen - und die andere Hälfte in der Schule.

Diese Struktur bietet den Vorteil, dass sich die jungen Menschen noch nicht von vornherein auf einen Pflegebereich festlegen müssen. Sie erlangen überall Einblick und können sich nach abgeschlossener Ausbildung für das Gebiet entscheiden, das ihnen am meisten liegt. Diese Flexibilität ist sicherlich eine tolle Sache. Ebenso glaube ich, dass es etwa für Pflegekräfte im Krankenhaus ein Vorteil ist, wenn sie mehr über die Pflege älterer Menschen wissen. Denn auch in der Klinik ist ein großer Teil der Patienten alt.

Es gibt aber auch eine andere Seite.

Noch hat niemand die generalistische Ausbildung abgeschlossen. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Die Absolventen werden in den einzelnen Bereichen nicht mehr das gleiche Niveau erlangen wie zuvor. Denn die Ausbildung ist breiter aufgestellt, die Lerninhalte umfassen eben nicht mehr nur Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege. Sondern alle Gebiete. Werde ich als Praxisanleiterin die Azubis bei ihrem Einsatz auf der Intensiv - sofern sie einen solchen überhaupt machen, denn vorgeschrieben ist er nicht mehr - mit meinen Fragen überfordern? Ich gehe davon aus, dass nach der Ausbildung Weiterbildungen notwendig sein werden, um das Spezifische der einzelnen Bereiche zu lernen - Weiterbildungen, die es aktuell noch nicht gibt.

Außerdem werden die unterschiedlichen Pflegebereiche unterschiedlich bezahlt: In der Altenpflege verdient man in der Regel weniger als im Krankenhaus. Wenn die Qualifikation einer Pflegefachkraft es nun ermöglicht, werden sich dann die meisten für die Krankenpflege entscheiden und dadurch den Fachkräftemangel in der Altenpflege noch verstärken?

In unseren Köpfen gibt es viele Fragezeichen, ob die generalistische Ausbildung unter dem Strich eine gute oder weniger gute Entwicklung ist. Eine Herausforderung ist sie allemal - und der Rest wird sich zeigen.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.

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