Pflege im Landkreis Ebersberg:Hand in Hand für die Hospizinsel

Hubert Radan - Marienheim Glonn

Hubert Radan leitet das Caritas-Marienheim in Glonn, an das die Hospizinsel angedockt wird.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Landkreis Ebersberg sichert dem Marienheim in Glonn vertraglich 65 000 Euro pro Jahr zu

Von Johanna Feckl, Ebersberg/Glonn

Beinahe drei Jahre, nachdem das erste Mal im Sozialausschuss des Ebersberger Kreistags das Konzept einer Hospizinsel diskutiert wurde, ist das Projekt nun auch mit dem bislang noch fehlenden letzten Schritt offiziell besiegelt: In der jüngsten Sitzung des Ausschusses unterzeichneten Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und der zuständige Caritas-Kreisgeschäftsführer Matthias Hilzensauer die Vereinbarung, der zufolge der Landkreis die Hospizinsel bei einem Defizit jährlich mit bis zu 65 000 Euro unterstützt. Zuvor stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig für diese Investition.

Eine Hospizinsel kommt einer Wohngemeinschaft für schwer kranke Menschen gleich, die dort von Pflegefachkräften mit einer palliativen Weiterbildung betreut werden - hinzu kommt noch die Unterstützung von Ehrenamtlichen aus Hospizvereinen. Das Angebot richtet sich an Betroffene, die zu Hause nicht mehr palliativ behandelt werden können, jedoch keinen Anspruch auf einen Platz in einem stationären Hospiz haben oder wegen Kapazitätsmangel in naher Zukunft keinen Platz erhalten werden. Auch in der Hospizinsel sind rund um die Uhr Pflegekräfte für die Schwerkranken da, der Betreuungsschlüssel liegt aber zwischen dem in einem Hospiz und dem in einem Pflegeheim.

Im Kreis Ebersberg hatte ursprünglich die CSU/FDP-Fraktion in der vergangenen Amtsperiode ein stationäres Hospiz gefordert. Obwohl auch die übrigen Kreistagsfraktionen diesen Wunsch unterstützten, war und ist er auf absehbare Zeit nicht umsetzbar: In der Region entstehen bereits mehrere Hospize, so wird voraussichtlich im Februar kommenden Jahres das Sophienhospiz Freising-Erding eröffnen. "Laut Verteilungsschlüssel sind wir sogar überversorgt", sagte Jochen Specht, Leiter des Teams Demografie im Landratsamt, in einer der vergangenen Sitzungen. Sowohl von Seiten der Verwaltung als auch von politischer Seite wurde es als beste Alternative zu einem stationären Hospiz angesehen, eine Hospizinsel zu schaffen.

Eine solche wird nun Anfang 2022 eröffnen - ein halbes Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Angedockt ist sie an das Caritas-Marienheim in Glonn, dessen Leiter Hubert Radan auch den Betrieb der Hospizinsel mit sechs Zimmern für Gäste und einem Zimmer für Angehörige verantworten wird. "Wir haben inzwischen das Personal", sagte er in der jüngsten Sitzung. "Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass wir das mit dem Geld hinbekommen."

Neben den 65 000 Euro vom Landkreis, den Leistungen aus den Pflege- und Krankenkassen der Bewohnerinnen und Bewohner müssen diese einen Eigenanteil von 75 Euro pro Tag erbringen. Sollte sich jemand als bedürftig erweisen, übernimmt diesen Betrag die Sozialhilfe. In jedem Fall muss die Hospizinsel trotzdem jährlich noch 45 000 Euro an Spenden erhalten, damit die Finanzierung steht. "Das ist ein sportlicher Betrag", wie Radan selbst beurteilte. Er rechnet mit einer durchschnittlichen Belegung von 85 Prozent, "noch besser wären natürlich 90 Prozent, weil wir dann ganz ohne Defizit abschließen würden".

Martin Lechner (CSU) betonte die Wichtigkeit weiterer Ideen, um jährlich die sozusagen fehlenden 45 000 Euro auch tatsächlich zu erhalten und damit die Finanzierung der Hospizinsel sicher zu stellen. Er schlug das Konzept einer Hospizversicherung vor, bei der Interessierte einen Betrag X einzahlen und ihnen dadurch ein Platz in der Hospizinsel zugesichert wird, sollte einmal ein Bedarf daran entstehen. Hubert Radan äußerte Zweifel an der ethisch vertretbaren Umsetzbarkeit des Vorschlags. "Aber kreative Ideen sind hier auf alle Fälle gefragt!"

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