PFAS-ChemikalienEin bisschen Ewigkeit

Lesezeit: 2 Min.

Die Müllberge der früheren Deponie Schafweide sind heute grasbewachsene Hügel. Das Sickerwasser ist belastet, wird aber mit Aktivkohle gereinigt.
Die Müllberge der früheren Deponie Schafweide sind heute grasbewachsene Hügel. Das Sickerwasser ist belastet, wird aber mit Aktivkohle gereinigt. (Foto: Christian Endt)

Verschiedene Behörden überprüfen seit Jahren den Boden sowie Grund-, Trink- und Oberflächenwasser im Landkreis. Dabei wurden nur verschwindend geringe Mengen der Ewigkeitschemikalien entdeckt.

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

Die Ewigkeit ist eine lange Zeit. Deswegen waren die Sorgen groß, als 2023 mehrere Recherchen zeigten, dass die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS in vielen Regionen Deutschlands in der Umwelt nachweisbar sind. Die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen werden in zahlreichen Produkten verwendet, etwa für schmutz- und wasserabweisende Beschichtungen. Gelangen sie in natürliche Kreisläufe, reichern sie sich an, werden nur extrem langsam abgebaut und können – je nach Verbindung – gesundheitsschädlich wirken.

Doch wie sieht die Sache im Landkreis Ebersberg aus? Sind PFAS hier in die Umwelt geraten? Wenn ja, wo und in welchen Mengen? Der Kreisrat Manfred Schmidt (AfD) hat dazu eine Anfrage beim Landratsamt gestellt, die Antworten liegen der Süddeutschen Zeitung vor.

Laut Landratsamt sei man „verpflichtet, bodenschutz- und wasserrechtliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr durchzuführen“. Verschiedene staatliche Stellen seien damit befasst, PFAS-Eintragungen zu überprüfen. Welche Behörde zuständig ist, hängt davon ab, ob Trink-, Grund- oder Oberflächenwasser untersucht wird oder der Boden selbst.

Das Trinkwasser im Landkreis Ebersberg war bei allen bisherigen Untersuchungen auf PFAS unauffällig

Für den Bereich Trinkwasser ist das Gesundheitsamt zuständig. Wie dieses mitteilt, liegen „von mehr als der Hälfte der Wasserversorgungsanlagen im Landkreis Ebersberg Untersuchungsergebnisse zu PFAS“ vor. Diese Ergebnisse seien „bislang allesamt unauffällig“, wie es in der Mitteilung des Landratsamtes heißt.

Aktuell gebe es jedoch „noch keine Untersuchungspflicht nach der Trinkwasserverordnung“ und auch keine Verdachtsfälle. Deswegen seien „bisher keine weiteren Untersuchungen im Landkreis von Seiten der Behörde veranlasst worden“. Allerdings sei 2023 eine neue Trinkwasserverordnung eingeführt worden. Vom 12. Januar 2026 an müssen „20 PFAS-Substanzen von den Wasserversorgern untersucht und durch das Gesundheitsamt überwacht“ werden. Die PFAS-Überwachung wird also engmaschiger.

Zwei Grundwassermessstellen weisen eine leichte Belastung mit PFAS-Chemikalien auf

Das Grundwasser wiederum wird vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim überwacht. Bis 2025 wurde von der Wasserwirtschaftsverwaltung das bayernweite Grundwasser-Messnetz nach der Wasserrahmenrichtlinie flächendeckend auf PFAS untersucht. Im Frühjahr 2023 wurden dabei im Landkreis Ebersberg Proben aus drei Grundwasserstellen überprüft: die Vorfeldmessstelle Finsing P5, die Quelle Frauenbründl sowie der Brunnen 2 Aiterndorf.

In Finsing und Aiterndorf wurden tatsächlich PFAS-Chemikalien im Grundwasser festgestellt. Allerdings waren sie nur in sehr geringen Mengen messbar: In Finsing wurden 0,3 Nanogramm pro Liter entdeckt, in Aiterndorf waren die Werte noch niedriger, für verschiedene Stoffe lagen sie zwischen 0,001 und 0,003 Nanogramm pro Liter. In Frauenbründl lagen alle Werte unterhalb der Bestimmungsgrenze. Aufgrund der niedrigen Zahlen ist vom Landratsamt „weiter nichts veranlasst“.

Neben diesen beiden Messstellen sei außerdem an der Mülldeponie Schafweide eine PFAS-Belastung bekannt. „Sofern hier Deponiesickerwasser anfällt, ist dieses mit PFAS belastet“, so das Landratsamt. Allerdings würde dieses Sickerwasser einer „Reinigung mit Aktivkohle unterzogen“, wobei die PFAS von absorbiert würden.

Oberflächengewässer und Böden sind bei allen bisherigen Messungen nicht belastet gewesen

Lassen sich im Erdinneren also an einigen Stellen leichte Belastungen feststellen, ist dies an der Oberfläche bis jetzt nicht der Fall. In den Jahren 2018, 2019 und 2022 gab es Untersuchungen von Oberflächengewässern an der Forstinniger Sempt, an der Ebrach und an der Attel. „Erfreulicherweise“, so das Landratsamt, „war aufgrund der Messergebnisse in keinem der Fälle Weiteres veranlasst.“

So auch bei den Böden im Landkreis. Das Bayerische Umweltministerium erstelle regelmäßig einen Bericht für den Bayerischen Landtag zum Thema PFAS und führe eine Fallliste für bekannte und vermutete PFAS-Belastungen. Der Fachbereich Bodenschutzrecht des Landratsamtes Ebersberg würde jährlich aufgefordert, diese Fallliste zu aktualisieren. In Ebersberg war das Ergebnis stets: „Fehlanzeige“. Die letzte Untersuchung fand im Jahr 2024 statt.

Die in Ebersberg gefundenen Mengen an PFAS mögen verschwindend gering, doch das Thema selbst wird so schnell nicht verschwinden. Ewigkeitschemikalien sind ihrem Namen treu: Einmal in der Umwelt, bleiben sie ein ständiger Begleiter – für Wissenschaft, Behörden und alle Bürgerinnen und Bürger.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Ebersberger Forst
:Sauerstoff für eine Million Menschen

Der Ebersberger Forst erfüllt als Ökosystem viele wichtige Funktionen: Er speichert CO₂, filtert Schadstoffe aus Luft und Wasser und liefert Holz sowie Raum für Erholung. Zahlen und Fakten über die grüne Lunge des Landkreises.

SZ PlusVon Merlin Wassermann

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: