Petition 3700 Stimmen gegen Windräder und Umgehungsstraße im Ebersberger Forst

Die kühlste Stelle im Ebersberger Forst in diesen Tagen: Ein altes Buchenwaldstück unweit des Forsthauses Sankt Hubertus.

(Foto: Korbinian Eisenberger OH)

In wenigen Wochen soll die Petition im Ebersberger Kreistag eingereicht werden. Mit einem erklärten Ziel.

Von Korbinian Eisenberger

Im Streit um die geplante Umgehungsstraße durch den Ebersberger Forst gehen die Gegner des Projekts in die Offensive. In sechs Wochen wollen sie eine Onlinepetition gegen die umstrittene Umfahrung in den Kreistag einbringen.

Seit Anfang der Woche warnen die Initiatoren unter dem Motto "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst" zudem vor zusätzlichen Windrädern im Forst, bisher sind gut 3700 Unterschriften eingegangen. Den Initiatoren der Petition geht es um den Erhalt des Forsts in seiner jetzigen Form. Eine der Initiatoren ist Kerstin Mertens aus Kirchseeon. Ihre Befürchtung: "Wenn der Schutzstatus im Forst aufgehoben ist, werden überall im Landkreis Begehrlichkeiten geweckt."

Darf man im Ebersberger Forst Bäume für Beton und Asphalt fällen? Um diese Streitfrage geht es hier seit längerem. Das Besondere an dem 10 000 Hektar großen Wald: Seit 200 Jahren mussten hier keine Bäume mehr für Straßen oder sonstige Großprojekte weichen. Der Ebersberger Forst gilt als einer der letzten unzerschnittenen Wälder Bayerns. Gleichzeitig haben sich in der Region Dinge verändert: mehr Menschen, mehr Gewerbegebiete, mehr Verkehr, mehr Lärm.

In Forstinning kämpft eine Gegenbewegung für die Umgehungsstraße

In Forstinning am Nordrand des Forsts hat der Gemeinderat deswegen vor zwei Jahren einstimmig eine Umfahrung beschlossen - eine, die 1085 Meter durch den Forst gehen soll. Weil die Menschen in den Ortsteilen Schwaberwegen und Moos seit Jahren über Lärm, Gestank und Gefahren von Lastern und Autos klagen, soll eine 22 Meter breite Schneise in den Wald geschlagen werden. Sprecher der Befürworter ist Carl Teine, er ist selbst vom Lärm in Schwaberwegen betroffen. Er und seine Initiative "Pro Ortsumgehung St 2080" bezeichnen die Umgehung als "alternativlos". Derzeit bereitet das Staatliche Bauamt Rosenheim das Planfeststellungsverfahren vor. Die einen hoffen auf den Baubeginn, die anderen kämpfen dagegen.

Die Initiatoren der Petition sind ein Zusammenschluss von vier Vereinen aus dem Kreis Ebersberg: der Landesbund für Vogelschutz, die "Bürgerinitiative St 2080 aus Schwaberwegen und Moos", der "Landschaftsschutz Ebersberger Land" und die "Schutzgemeinschaftmeinschaft Ebersberger Forst" mit deren Vorsitzenden Mertens. "Wir hoffen, dass wir mit der Petition genügend Eindruck im Kreistag machen", sagt Mertens - um zu verhindern, dass die Kreistagsmitglieder den Schutzstatus des Waldes ändern. Das komplette Forstgebiet ist seit 30 Jahren als sogenanntes "Landschaftsschutzgebiet" (LSG) ausgewiesen. Um dort Bäume zu fällen und Windräder oder eine Umgehungsstraße zu bauen, müsste der Ebersberger Kreistag diesen Status zonenweise aufheben.

Landrat Robert Niedergesäß (CSU) hat beim Thema Windräder bereits Anfang April klar Stellung bezogen. Für ihn wiegen die Argumente der Windkraftbefürworter stärker, hatte er öffentlich erklärt. Dabei bleibt er am Dienstag auf Nachfrage. Für eine "sachliche und ordentliche Abwägung" warte er aber ein Gutachten ab, das überprüfen soll, was mehr schützenswert ist: Wald oder Windkraft. "Sollte das Gutachten zum Ergebnis kommen, dass die geplanten fünf Windräder im LSG Ebersberger Forst nicht möglich sind, dann ist für mich persönlich die Diskussion an dieser Stelle beendet."

Der Landrat befürwortet eine politische Diskussion über die Petition im Kreistag

Zur Umfahrung Schwaberwegen erklärt der Landrat, dass er den Beschluss des Forstinninger Gemeinderats für die Straße respektiere. Doch welchen Einfluss hat eine Petition von 3700 Unterzeichnern, davon 2500 aus dem Kreis Ebersberg? Niedergesäß dazu: "Ich befürworte eine politische Diskussion über die Petition in den Gremien des Kreistags."

Wie sehen es die Kreistagsmitglieder? Dass die Anwohner vom Verkehr befreit werden müssen? Oder verlagert so eine Umgehung das Problem eher? Ist die klimatische Funktion des Waldes wichtiger? Oder muss auch ein Wald wie der Ebersberger Forst Opfer bringen, damit die Windenergie im Landkreis vorankommt? Schwierige Abwägungen, an denen sich in Bayern seit Jahren die Geister scheiden. Und wo nicht nur Fakten eine Rolle spielen, sondern oft auch Emotionen.

Die Petition ist bis Ende September unter dem Link www.openpetition.de/!ebersbergerforst geöffnet.

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