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Personelle Verstärkung:Mehr Kontrolle - auf eigene Rechnung

Ausgleichsflächen - hier nahe Zorneding - sollen Eingriffe in die Natur durch Baumaßnahmen kompensieren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine Studie hat gezeigt, dass es um die Ausgleichsflächen im Landkreis schlecht steht. Durch eine neue Stelle in der Naturschutzbehörde soll besseres Monitoring möglich werden

Es sollten eigentlich besonders wertvolle Fleckchen Natur im Landkreis sein, Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Tatsächlich hat eine Studie im vergangenen Jahr gezeigt, dass 50 Prozent der Ausgleichsflächen im Landkreis in sehr schlechtem Zustand sind - oder nicht einmal als solche erkennbar. Das soll sich jetzt ändern: Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt will verstärkt ein Auge darauf haben, dass die Ausgleichsflächen in den Zustand versetzt werden, in dem sie sein sollten. Möglich wird dies nur durch personelle Verstärkung, die der Landkreis selbst finanziert.

Mit Ausgleichsflächen müssen Eingriffe in die Natur kompensiert werden, die beispielsweise durch den Bau von Straßen, Wohn- oder Gewerbegebieten entstehen. Für die Pflege sind die Verursacher der Eingriffe zuständig - also beispielsweise die Gemeinden, wenn sie eigene Bauprojekte realisieren. Doch der Zustand der Flächen lässt seit langem zu wünschen übrig: Bereits 2014 hatte die Naturschutzbehörde selbst Alarm geschlagen und darauf hingewiesen, dass es ihren Mitarbeitern aus Zeitgründen gar nicht möglich sei, bei allen Ausgleichsflächen im Landkreis regelmäßig nach dem Rechten zu sehen. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) nahm die Kritik zum Anlass, sich für ein Pilotprojekt zum Monitoring von Ausgleichsflächen unter Federführung des Umweltministeriums einzusetzen. Die Ergebnisse wurden Ende 2017 bekannt gegeben - sie alarmierten auch Fachleute außerhalb des Landkreises: Nur 20 Prozent der kontrollierten Ausgleichsflächen waren tatsächlich in einem sehr guten Zustand, 29 Prozent wiesen geringe Mängel auf, 24 Prozent größere Mängel, auf 26 Prozent der Flächen war laut Gutachtern "bislang keine Umsetzung der Maßnahmen erkennbar". Christian Magerl, damals noch für die Grünen im Landtag, forderte Konsequenzen in ganz Bayern. Es sei schließlich davon auszugehen, dass auch in anderen Landkreisen die Situation ähnlich sei: "Ebersberg ist überall", unterstrich er in einem Pressegespräch und forderte eine Personalaufstockung in den Naturschutzbehörden.

Doch die gibt es seitens des Freistaats nicht, so viel ist inzwischen klar. Dafür will das Landesamt für Umwelt nun einen "Handlungsleitfaden" entwickeln, "der die zentralen Bestandteile des Qualitätsmanagements von Kompensationsmaßnahmen für die praktische Anwendung erläutert", wie ein Sprecher mitteilt. Derzeit ist der Leitfaden noch in der Abstimmung. Durch das Pilotprojekt Ebersberg sei aber auch "eine Sensibilisierung von Planungsbüros, Kommunen und der Naturschutzverwaltung" erfolgt, so der Sprecher. Zur Fort- und Weiterbildung habe die Akademie für Naturschutz in diesem Jahr eine Fachtagung mit dem Thema "Qualitätsmanagement und Umsetzungsbeispiele bei Kompensationsmaßnahmen" durchgeführt. Auch 2019 sei eine solche Fachtagung geplant.

Johann Taschner, Chef der Unteren Naturschutzbehörde im Ebersberger Landratsamt, hätte sich da durchaus noch mehr erhofft: "Das ist eher mau, was da rausgekommen ist", sagt er. Allerdings habe die Studie dennoch in Ebersberg eine wichtige Verbesserung bewirkt. Denn auch wenn der Freistaat nicht bereit gewesen sei, personelle Konsequenzen zu ziehen, habe dies immerhin der Landkreis getan. Er sei dankbar, so Taschner, über diese Unterstützung des Landrats und der Kreisräte. "Im Vergleich zu anderen Landratsämtern sind wir besser dran", so die Einschätzung Taschners. Oft würden die Naturschutzbehörden "ein bisschen alleingelassen".

Die Stelle einer dritten Fachreferentin für Naturschutz ist bereits besetzt, nun werde die fachliche Arbeit auf drei statt auf zwei Schultern verteilt. Für das Monitoring der mehr als 1400 Ausgleichsflächen, die rund 600 Hektar umfassen, bleibe daher mehr Zeit. Auch die Beratung der Gemeinden wolle man intensivieren, so Taschner. "Wir werden den Finger in die Wunde legen müssen." Bei einer Bürgermeister-Dienstbesprechung voraussichtlich im Februar soll das auch noch einmal kommuniziert werden.

Denn laut Taschner ist es besonders wichtig, dass die Gemeinden für das Thema sensibilisiert werden. Diese seien schließlich auch die "Haupt-Eingriffsverursacher". Oft fühle sich dort aber keiner zuständig, das Thema werde "stiefmütterlich behandelt", so Taschner. Hier wolle man nun stärker als in der Vergangenheit tätig werden.