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Per interner E-Mail:Maulkorb für Mitarbeiter

Nach Spekulationen über den kranken Landrat mahnt die Behördenleitung Stillschweigen an.

Im Landratsamt ist man offenbar verärgert über zu mitteilsame Mitarbeiter. Nach anhaltenden Spekulationen über einen Rücktritt des erneut erkrankten Landrats Gottlieb Fauth (CSU) ermahnt die Amtsleitung nun dazu, vor Auskünften an Presse und Öffentlichkeit unbedingt die Erlaubnis der vorgesetzten Stelle einzuholen.

In einer internen E-Mail wurden die Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass solcherlei Auskünfte nur vom Landrat selbst oder von "ermächtigten Personen" sowie von der Pressestelle geleistet werden dürfen. Explizit wird dort auch darauf hingewiesen, dass Informationen über den Gesundheitszustand des Landrats als Interna, und nicht als für die Öffentlichkeit bestimmt, zu betrachten sind.

Der Landrat leidet seit etwa sieben Jahren an einer degenerativen Erkrankung des Nervensystems, von der auch das Kleinhirn betroffen ist. Diese schubförmig verlaufende Krankheit beeinträchtigt das Sprechen und die Koordinationsfähigkeit. Vor zwei Jahren konnte Fauth deshalb für mehrere Monate sein Amt nicht ausüben, schon damals wurden Spekulationen über einen Rücktritt laut.

Erneut angeheizt wurden diese Mutmaßungen, als der Landrat Ende Juli erneut erkrankte. In einer Presseerklärung hieß es damals, dass sich Fauth "in vorsorglicher ärztlicher Behandlung" befinde, die kommende Kreistagssitzung aber wie geplant leiten werde. Als der Landrat die Sitzungsleitung aber überraschend seinem Stellvertreter Walter Brilmayer (CSU) übertrug, wurde gemutmaßt, Fauth sei deutlich kranker als bisher angenommen, und dass ein baldiger Wechsel an der Spitze des Landratsamtes bevorstehe.

Die unter den Mitarbeitern offenbar kursierenden Spekulationen über einen Rücktritt des Landrats werden von offizieller Seite hartnäckig dementiert. Pressesprecherin Evelyn Schwaiger zeigte sich "verwundert" über derartige Aussagen. Dass es derartige Gerüchte gebe, kann aber auch Schwaiger nicht von der Hand weisen. Sie selbst sei auch schon von Mitarbeitern gefragt worden, wie lange Fauth noch im Amt bleibe. Offenbar, so Schwaiger, hätten einige Personen Schwierigkeiten, damit umzugehen, dass der Landrat eine chronische Krankheit habe. Dass sich diese derartig verschlimmert hätte, dass Fauth sein Amt nach den Sommerferien aufgebe, sei ihr aber nicht bekannt, erklärte Schwaiger.

Fauth werde nach seinem Urlaub "natürlich wiederkommen", so der Leiter der Zentralabteilung des Amtes, Andreas Stephan. Ihm sei nichts anderes bekannt, und er habe auch keinerlei Bedenken, dass Fauth zu krank sei, um sein Amt weiter ausüben zu können. "Wir gehen davon aus, dass der Landrat am 27. August wieder da ist", fasst Stephan die offizielle Stellungnahme des Amtes zusammen.

© SZ vom 10.08.2012

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