Im Grunde wusste Susanne Schmid bereits sehr genau, dass mit ihr etwas nicht stimmte, als sie vor etwa drei Jahren zum Arzt ging. „Meine Stimme wurde immer leiser, die Schrift krakeliger, mein Gang gebeugter. Ein Bein habe ich nachgezogen.“ Trotzdem war die Diagnose dann ein Schock: Parkinson.
Vor mehr als 40 Jahren hat die gelernte Landschaftsgärtnerin mit ihrem Mann Werner Schmid eine Bio-Gärtnerei in Hermannsdorf bei Glonn gegründet. Bis zu ihrer Diagnose kümmerte sich Susanne Schmid dort ums Büro, den Hofladen und die Auslieferung der Abo-Kiste. Doch die Krankheit beschleunigte schließlich die Übergabe an Tochter Leoni Schmid. „Vor allem meine Augen haben große Probleme gemacht“, sagt die Mutter.
Zumal inzwischen klar ist, dass Susanne Schmid von einer seltenen, atypischen Form der neurodegenerativen Krankheit betroffen ist, der progressiven supranukleären Blickparese (PSP). „Sie hat zur Folge, dass man sehr oft hinfällt – und zwar rückwärts“, erklärt die 68-Jährige. Bisher seien diese Stürze bei ihr zwar immer glimpflich ausgegangen, noch habe sie sich dabei nicht schwer verletzt. „Aber das Ganze macht einem natürlich ziemlich große Angst.“
Um dieser mental etwas entgegenzusetzen und den körperlichen Verfall zu bremsen, schwört Susanne Schmid vor allem auf Bewegung. Gymnastik, Krafttraining und täglich Spazierengehen. „Eine Stunde schaffe ich noch“, sagt sie nicht ohne Stolz. Und dass sie am allerliebsten in Begleitung unterwegs sei. Deswegen hat Schmid eine Idee aus Köln übernommen: „Parkimotion“. Das sei ein vollkommen unverbindliches Angebot für Menschen mit Parkinson und deren Angehörige, gemeinsam rund um das schöne Hermannsdorf in gemütlichem Tempo wandern zu gehen, erklärt die Initiatorin.
Viele Betroffene verstecken sich, sei es aus Scham, oder weil sie keine Hoffnung mehr haben.Susanne Schmid
Das Ziel sei eine dynamische, positive Gemeinschaft – etwas, woran es vielen Patientinnen und Patienten mangele. „Meiner Erfahrung nach verstecken sich viele Betroffene, sei es aus Scham, oder weil sie keine Hoffnung mehr haben.“ Das Motto von Susanne Schmid hingegen lautet: „Nicht aufgeben!“ Trotz Parkinson möchte sie ein möglichst erfülltes Leben führen, voller Freude, Austausch, Sport und Kultur. Schon immer sei sie gerne ins Kino oder Theater gegangen, erzählt sie: „Und auch das lasse ich mir nicht nehmen.“
Insofern war die 68-Jährige gleich begeistert, als sie kürzlich von einem neuen Stück zum Thema „Parkinson“ erfuhr. „Da habe ich sofort die Macher kontaktiert und gefragt, ob wir das auch bei uns hier zeigen können.“ Geplant ist nun, dass die Vorstellung am Samstag, 5. Dezember, um 19 Uhr im Meta Theater in Moosach stattfindet – allerdings muss das Projekt bis dahin noch finanziert werden. Doch auch davon lässt sich Susanne Schmid nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil. Über die Parkimotion-Plattform hat sie ein Crowdfunding für den Theaterabend gestartet. Rund 3300 Euro seien vonnöten, sagt sie, etwa die Hälfte davon bereits gespendet worden. „Deswegen bin ich guter Dinge, dass das schon noch klappen wird!“
Für Susanne Schmid ist dieses Theaterprojekt „ein Versuch, trotz der Schwere des Themas einen vergnüglichen Abend mit ‚Leidensgenossen‘ und anderen Interessierten zu verbringen“. Zumal das Stück eine ungemein wichtige Botschaft transportiere: Es gehe um den Mut, das Beste aus einem Leben mit Parkinson zu machen.
Auf der Bühne steht dabei jemand, der selbst betroffen ist: Wolfgang Krebs, Schauspieler, Regisseur und Intendant des Schlosstheaters Thurnau sowie Botschafter der Parkinson Stiftung. Um der Krankheit zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit zu verhelfen, realisierte er 2024 in Zusammenarbeit mit der Autorin und Regisseurin Petra Wintersteller aus München das lebensbejahende Theaterstück „Kleine Schritte“.
Fachliche Begleitung lieferte Jürgen Winkler, Leiter der Molekular-Neurologischen Abteilung und der Bewegungsambulanz des Uniklinikums Erlangen. Auch er sagt: „Die Krankheitsverarbeitung, das heißt, wie die Krankheit angenommen und im Alltag damit umgegangen wird, ist ein wichtiger Pfeiler für eine individuell gute Prognose.“

„Kleine Schritte“ ist ein Zwei-Personen-Stück: Wolfgang Krebs spielt den an Parkinson erkrankten Alfons, Claudia Kurrle die traurige, vereinsamte Ruth. Die beiden begegnen sich immer wieder an einer Bushaltestelle, wo sich zwischen Resignation und Hoffnung eine zarte Freundschaft entwickelt. „In kleinen Schritten erobern Alfons und Ruth gemeinsam ihr Leben zurück und entdecken, wie wertvoll dieses ist.“
So wollen die beiden Darsteller den Zuschauern nicht nur Wissenswertes über die Krankheit Parkinson mit auf den Weg geben, sondern auch dazu anregen, das eigene Leben zu reflektieren. „Das Stück soll Betroffenen und ihren Angehörigen Mut machen“, sagt der Theatermacher Wolfgang Krebs. Außerdem gehe es um „Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger“: Man wolle die Gesellschaft für Parkinson sensibilisieren – auch in der Hoffnung, dass künftig mehr in die Forschung investiert wird. Das Ziel seien eben „kleine Schritte in Richtung Akzeptanz und Empathie“.


