bedeckt München 20°

Parken in Markt Schwaben:Begrenzung auf zwei Stunden

Es geht um die etwa 70 Parkplätze im Schloßgraben direkt vor dem Rathaus. Wer die Parkzeit künftig überzieht, zahlt bis zu 30 Euro. Treffen dürfte dies vor allem die vielen Pendler.

(Foto: Christian Endt)

Im Ortszentrum müssen sich die Autofahrer auf strengere Regeln einstellen. Auf den beliebten Stellplätzen unterhalb des Rathauses braucht es künftig eine Parkscheibe - wer überzieht, für den wird es teuer

Ein freier Parkplatz im Schloßgraben vor dem Markt Schwabener Rathaus ist so etwas wie der Jackpot für all jene, die ihr Auto im Ort abstellen wollen: Zentral, kostenlos, ohne Parkzeitbegrenzung. Ein Luxusgut im Parkwesen, mit dem es demnächst wohl vorbei sein dürfte. Der Grund: Die Gemeindeverwaltung will dort eine Zeitbegrenzung von maximal zwei Stunden einführen. Wer im Schloßgraben parken will, muss also eine Parkscheibe ins Fenster legen und mit Kontrollen rechnen. Es soll dort genau so gehandhabt werden, wie überall im Markt Schwabener Ortszentrum. Vom Jackpot kann im Schloßgraben schon bald keine Rede mehr sein.

Den entsprechenden Beschluss dazu hat der Markt Schwabener Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am Dienstagabend getroffen, und zwar ohne Gegenstimme. Die Gemeindeverwaltung will mit der Zeitbegrenzung gegen Dauerparker vorgehen, die es bereits am Morgen so gut wie unmöglich machen, im Schloßgraben vor dem Rathaus einen der insgesamt etwa 70 Parkplätze zu ergattern. Der Beschluss muss vom Gemeinderat nicht bestätigt werden - er tritt in Kraft, sobald die Verwaltung die neuen Parkschilder bestellt und aufgehängt hat.

Im Schwabener Schloßgraben gilt nun: Wer sich nicht an die Regeln hält, der zahlt den gängigen Tarif - was gerade für Pendler eine teure Angelegenheit ist. Egal ob die Parkscheibe weitergedreht wurde, die Parkzeit überzogen ist oder gar keine Parkscheibe im Fenster liegt - wer erwischt wird, zahlt bei bis zu 30 Minuten überzogener Parkzeit zehn Euro, teilt die Verwaltung am Mittwoch auf Nachfrage mit. Bei bis zu einer Stunde fallen 15 Euro an, bei bis zu zwei Stunden 20 Euro, bei bis zu drei Stunden 25 Euro, darüber hinaus 30 Euro.

Falsch- und Dauerparker sind in Markt Schwaben seit Jahren Thema, immer wieder treffen Verwaltung und Gemeinderat Vorkehrungen. So wurden zwischen 2016 und 2017 die Parkkontrollen im Ortskern von drei auf sechs Stunden am Tag verdoppelt, statt 60 Stunden im Monat ist der Parkwächter nun 120 unterwegs. Ein weiterer Schritt kam, als die Gemeinde eine Firma im Ort, deren Mitarbeiter öffentlichen Parkraum nutzten, dazu verpflichtete, die betriebseigenes Parkhäuser zu erweitern. Die letzte größere Maßnahme datiert aus dem Juni 2018, als der Gemeinderat per Beschluss einen von Parksündern blockierten Grünstreifen mit Felsbrocken versperren ließ. Nun also das nächste Kapitel.

Die Hauptbetroffenen von der neuen Regelung dürften Pendler sein, die aus den Ausläufern im Ort und aus umliegenden Gemeinden kommen. Also auch Pendler aus den Nachbarlandkreisen Erding und Rosenheim, die es oft nicht weit bis in den Ebersberger Grenzort Markt Schwaben haben. "Sie kommen mit dem Auto, parken in Bahnhofsnähe und steigen dann in die S-Bahn", was, so Hohmann, "durchaus nachvollziehbar ist".

Seine Gemeinde hat beim Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr Vorteile gegenüber den umliegenden Orten. Steigt man etwa bereits im drei Kilometer entfernten Ottenhofen in die S-Bahn der Linie 2 nach München, liegt man in der höheren Tarifstufe - also bei 8.70 Euro pro Einzelfahrt statt 5,80 Euro, wie in Markt Schwaben oder Poing. Poing wiederum hat den Nachteil, dass man dort zwar trotz drei Minuten kürzerer Fahrt genauso viel wie in Markt Schwaben zahlt, gerade morgens und nachmittags aber oft keinen Sitzplatz bekommt - weil eben spätestens in Markt Schwaben sehr viele eingestiegen sind. Ein dritter Grund, um von dort zu pendeln: der direkte Anschluss zur Regionalbahn Richtung Mühldorf. Deswegen strömen Pendler von Schwillach bis Finsing, von Forstern bis Ottenhofen nach Markt Schwaben.

Ein zweites Phänomen, das für die ganze Region gilt: Die Landkreise um München wachsen und mit ihnen steigen die Ansprüche an die Mobilität, mit denen nicht nur die Gemeinde Markt Schwaben zu kämpfen hat. Dies wurde während der Sitzung des Verkehrsausschusses im Rathaus deutlich. Es kam zwar eine kurze Debatte auf, dass viele Pendler aus der Umgebung keine große Wahl hätten. Eine Lösung für das generelle Problem hatte aber niemand der zehn Ausschussmitglieder parat, auch nicht Bürgermeister Hohmann. "Wir können sagen: hier nicht, haben aber nicht die Möglichkeit zu erklären: ja wo denn dann?" Hohmann wagte noch eine Prognose: "Wenn die Gemeinde ein zehnstöckiges Parkhaus baue, dann reichen die Kapazitäten trotzdem nicht aus.

Ob er recht hat, dürfte schwer zu klären sein. Klar ist, dass zumindest die Mitarbeiter des Rathauses Stellplätze zur Verfügung haben - am alten Feuerwehrhaus. Am Schloßgraben sind noch die Ausnahmen nachzureichen: Nicht betroffen sind die drei Carsharing-Parkplätze (davon eine Elektroauto-Ladestelle), die beiden zusätzlichen Stellplätze mit Elektroladesäulen und die Behindertenparkplätze.