P-Seminar Eine Palme für den König

Kirchseeoner Gymnasiasten beschreiben den Abgeordneten Anton von Hofstetten aus Moosach als kritischen Geist

Von Jonas Wengert, Kirchseeon

Der Wahlzettel von Anton von Hofstetten.

(Foto: Veranstalter/oh)

Eine der Metallskulpturen aus dem P-Seminar.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Die Zeit vor 200 Jahren, dafür brennt ein junges Herz heutzutage ja nicht unbedingt", sagte Peter Maicher. Umso beeindruckter zeigte sich der ehemalige Direktor des Bayerischen Landtags deshalb von der Präsentation von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Kirchseeon. Im einem P-Seminar hatten sie es sich zur Aufgabe gemacht, Leben und Wirken des früheren Politikers Anton von Hofstetten aufzuarbeiten, sich geschichtswissenschaftlich und künstlerisch damit auseinanderzusetzen. Schließlich ist Kirchseeon das nächstgelegene Gymnasium zu Schloss Falkenberg, von Hofstettens Heimat. Der Moosacher Adelige war von 1819 an Teil der ersten Ständeversammlung, Vorgänger-Parlament des Landtags. Für die Kirchseeoner ist das Projekt so auch Teil eines großen Ganzen: Zusammen mit anderen Schulen, die ebenfalls Abgeordnete des ersten Landtags porträtiert haben, wird das P-Seminar seine Ergebnisse im Kultusministerium präsentieren.

Die Kirchseeoner Jugendlichen arbeiteten zunächst die geschichtlichen Ereignisse auf und versuchten sich an einer politischen Einordnung, ehe sie von Hofstettens Leben in einen künstlerischen Rahmen gossen. Es habe nur schwer zugängliche Aufzeichnungen über den früheren Politiker gegeben, berichteten die Schüler, daher seien sie besonders Maicher, selbst leidenschaftlicher Geschichtsforscher, zu Dank für seine Unterstützung verpflichtet. Der 74-Jährige lebte lange Jahre in der Gemeinde Moosach und hat eine Biografie über Anton von Hofstetten verfasst. Anhand derer sei es möglich gewesen, den Lebensweg des Abgeordneten gut nachzuzeichnen, berichteten die Jugendlichen.

Anton von Hofstetten sei ein kritischer Geist gewesen, der auch nicht vor Protest gegen die Politik des damaligen Königs Maximilian I. Joseph zurückscheute, lautete das Fazit der Gymnasiasten. So habe der Moosacher sich gegen die hohe Militärausgaben und für eine bessere Bezahlung von Lehrkräften ausgesprochen. Der Kampf für Gerechtigkeit, besonders für einfache Leute, sei ein entscheidender Punkt seiner politischen Agenda gewesen. "Ich bin hochgradig beeindruckt, wie profund sich die Schüler in die Politik von vor 200 Jahren eingearbeitet haben", lobte Maicher, das habe er in dieser Form nicht erwartet. Um ihre Erkenntnisse richtig einzuordnen, führten die Schüler auch Interviews mit heutigen Politikern wie den beiden Ebersberger Landtagsabgeordneten Thomas Huber (CSU) und Doris Rauscher (SPD).

Mit Fahnen und Eisenstelen haben die Kirchseeoner Schülerinnen und Schüler das Leben des adeligen Politikers kreativ umgesetzt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei der künstlerischen Umsetzung des Themas half den Jugendlichen der Grafinger Bildhauer Franz Wörle. Zum einen gestaltete jeder von ihnen jeweils eine große Baumwollfahne mit Symbolen zu den politischen Zielen und Ansichten "ihres" Abgeordneten. "Die Krone in der Mitte meiner Fahne steht für die damalige Monarchie", sagte Schülerin Emma Riehl. Links und rechts davon sieht man zwei vertikale Reihen gemalter Stühle, wobei die eine Seite sich der Krone zu-, die andere sich von ihr abwendet. "Damit wollte ich von Hofstettens gespaltene Haltung gegenüber dem König ausdrücken", führte die 19-Jährige aus. Viele der Piktogramme auf den Fahnen zeigen Palmen - doch was haben die exotischen Gewächse mit der bayerischen Politik im frühen 19. Jahrhundert zu tun? "Das Familienwappen von Hofstettens zeigte eine Palme, und auch sein Wahlspruch bezieht sich darauf", erklärte Alina Bichler. Dieser habe gelautet: "Justus ut palma florebit - Der Gerechte wird blühen wie eine Palme." Obendrein brachte der Moosacher Abgeordnete seinen König offenbar mehrmals genau auf eben jene: Zwar wurde er 1824 wiedergewählt, aufgrund seiner kritischen Haltung jedoch kein zweites Mal für das bayerische Parlament zugelassen. Das Foto oben zeigt den Wahlzettel Anton von Hofstettens aus dem Jahr 1825 .

Doch nicht nur sein Leben, auch die Person Anton von Hofstetten selbst wollten die Schüler darstellen, was sich aber angesichts mangelnden Bildmaterials als schwierig herausstellte. Man habe sich daher entschieden, Stelen mit der Silhouette einer männlichen Person in der damals typischen Kleidung zu fertigen. Hier galt es, zunächst die Vorzeichnung auf das Metall zu übertragen, dann die Umrisse auszuschneiden und die Kanten glatt zu feilen. Fünf Stelen entstanden auf diese Art, aufgestellt wurden sie an verschiedenen passenden Orten: Jeweils eine findet sich auf Schloss Falkenberg und am Kirchseeoner Gymnasiums, je zwei wurden an die Abgeordneten Huber und Rauscher übergeben.

Mit der fünften Stele machten sich die Schüler auf den Weg nach München. Während Wörle die schwere Silhouette per Auto transportierte, liefen die Jugendlichen von Falkenberg aus an ihrer Schule vorbei bis zum bayerischen Landtag. Am Parlament angekommen, hätte es dann aber beinahe noch Ärger mit der Landtagspolizei gegeben: "Mit den Fahnen über den Schultern sahen wir wohl aus wie eine unangekündigte Demonstration", erzählte Lehrerin Julia Reisinger und lachte. Man sei jedenfalls von den uniformierten Beamten freundlich aber bestimmt aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen. "Wir haben uns im Vorhinein selbstverständlich nichts Schlimmes dabei gedacht", so Reisinger, "aber die Anekdote passt gut zur Unerschrockenheit von Anton von Hofstetten."