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Im Schilde geführt:Neue SZ-Serie über die Ortswappen im Landkreis Ebersberg

Ein Eber aus Stein an einem Hochgrab der Ebersberger Sankt-Sebastian-Kirche.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Den bayerischen Löwen kennt man auf der ganzen Welt. Weniger bekannt sind die Hoheitszeichen von Gemeinden und Städten. Was bedeuten sie? Wo kommen sie her? Wie sind sie entstanden? Die SZ-Ebersberg hat sich auf Spurensuche begeben.

Luitpold Prinz von Bayern fühlt sich um sein Familienwappen betrogen. Zum wiederholten Male schon hat der Prinz aus dem Hause Wittelsbach Klage erhoben, weil das mindestens seit 1835 als heraldisches Zeichen zu seiner Familie gehörende Wappen mit steigenden Löwen und weiß-blauen Rauten von Unbefugten verwendet wurde. Diesmal ging es um Polohemden, an der Brust bedruckt mit dem ehemaligen Königswappen. Zu kaufen waren sie in staatlichen bayerischen Museumsshops. Das Landgericht München I gab dem Nachfahren des letzten bayerischen Königs nun Recht. Namensanmaßung, das geht nicht, befand die Richterin - und das Namensrecht schließt die Verwendung fremder Wappen mit ein.

Was aber ist überhaupt ein Wappen? In einer Sommerserie wird die SZ Ebersberg in den kommenden Wochen die Geschichte der Gemeindewappen im Landkreis Ebersberg nachzeichnen. Doch zunächst stellen sich einige grundlegende Fragen: Wer kann sich ein Wappen geben? Muss eine Familie mit Adeligen in der Vorfahrenreihe aufwarten können, um sich mit einem Emblem schmücken zu dürfen? Können sich Gemeinden und Städte einfach ein Wappen aussuchen, oder sind sie an bestimmte Vorgaben gebunden? Und warum gibt es überhaupt Wappen?

Claudia Mannsbart ist bei der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns zuständig für Heimatforschung. Zuvor betreute sie 20 Jahre lang die Wappen- und Siegelsammlung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und half so manch einem Heimat- oder Familienforscher bei der Suche nach den Ursprüngen eines bestehenden Hoheitszeichens. Manchmal, erzählt sie, entzünde sich die Neugier an einer Darstellung auf einem alten Gemälde. "Wenn's gut lief, konnte ich so etwas sofort zuordnen." Wenn nicht, habe eine langwierige Suche in den Beständen des Archivs begonnen, in dem sämtliche bayerischen Wappen mit Bild und Beschreibung aufgelistet sind - eine Beschreibung, die man allerdings erst einmal verstehen muss.

Blasonierung heißt die ganz eigene Fachsprache in der Heraldik, der Wappenkunde. Poetische Freiheit hat hier nichts zu suchen: Jedes Farbquadrat auf einem Wappen ist durchnummeriert. Beschrieben wird es von links nach rechts, von oben nach unten - weshalb auch das bayerische Wappen weiß-blau und auf gar keinen Fall blau-weiß ist: Die erste Raute oben links ist weiß, beziehungsweise silbern. "Man unterscheidet in der Heraldik Metalle und Farben", erläutert Mannsbart, "Weiß und Gelb steht für Silber und Gold". Weil aber die Materialien Gold und Silber teuer sind, habe man sich in der Darstellung häufig mit der Farbe begnügen müssen. Ist ein Wappen also oben weiß und unten blau, wird es in der Blasonierung als "geteilt von Silber und Blau" bezeichnet. Eine senkrechte Trennung der Felder wird als "gespalten" beschrieben, so wie etwa das Stadtwappen von Nürnberg. Das Wappen des Landkreises Regensburg ist "unter Schildhaupt mit den bayerischen Rauten gespalten von Rot und Silber". Drei grüne Hügel nebeneinander nennen sich grundsätzlich "Dreiberg" - auf einem solchen schreitet etwa der "goldbewehrte Eber" des Landkreises Ebersberg.

Zur Unterscheidung von Kamerad und Feind wanderten die Wappen auf Schilde und Rüstungen

Grundsätzlich seien Wappen Erkennungszeichen, verwendet von Gemeinden oder Städten gelten sie als Hoheitszeichen, erklärt Claudia Mannsbart. Als Dienstsiegel verwendet - ohne den Schild als Rahmen, der zu einem Wappen unbedingt dazu gehört -, schmücken sie Briefköpfe oder Dokumente und kennzeichnen sie damit als offiziell. Unbefugte Verwendung ist untersagt - "im Zweifelsfall gilt das als Urkundenfälschung", so die Expertin. Ihre Bedeutung als Erkennungszeichen auf dem Schlachtfeld haben die Wappen ja zum Glück längst verloren. Als Unterscheidungsmerkmal zwischen Kommunen oder der zu ihnen gehörenden hoheitlichen Einrichtungen - Feuerwehren tragen das Hoheitszeichen ebenso wie etwa Bauhoffahrzeuge - behalten sie Gewicht. Unabdingbar waren sie geworden, als die Kreuzritter des zwölften Jahrhunderts geschlossene Helme zu tragen begannen und niemand mehr wusste, ob sich hinter dem Visier Freund oder Feind verbarg. Auch im Ritterturnier waren die Gesichter der Kämpfer nicht mehr zu erkennen, also wanderten die Wappen der Lehnsherren auf Schilde, Rüstungen und Pferdedecken.

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Nach den Würdenträgern - Adligen, Geistlichen - seien es die Städte gewesen, die sich eigene Wappen gegeben haben, erzählt Mannsbart; etwa 100 Jahre nach den Kreuzzügen tauchten die ersten Stadtsiegel, und dann schließlich die ersten Stadtwappen auf - seit 1304 etwa gilt der Mönch im Dreiecksschild als Stadtwappen Münchens.

Wappenserie Landkreis Ebersberg, Claudia Mannsbart

Heimatforscherin Claudia Mannsbart.

(Foto: Alexandra Leuthner/oh)

Die Geschichte der Gemeindewappen ist noch nicht ganz so alt. Mit den Verwaltungsreformen des Königreichs Bayern im 19. Jahrhundert wurden ja überhaupt erst die Grundlagen für die kommunale Selbstbestimmung politischer Gebietskörperschaften gelegt. "Die Masse der Gemeinden hat sich aber erst im 20. Jahrhundert ein eigenes Wappen gegeben." Eine letzte Welle von Anträgen - die zunächst noch vom Innenministerium genehmigt werden mussten - habe die Gebietsreform in den 60er- und 70er-Jahren mit sich gebracht.

Was dazu geführt hat, dass nun auch Zeugnisse der Moderne auf den Wappen landeten. Die Stadt Garching im Landkreis München mit ihrem Atomei ist Claudia Mannsbarts Lieblingsbeispiel. 1967 einigte sich der damalige Gemeinderat auf das zweiteilige Bild, das in seiner unteren Hälfte dem Forschungsreaktor der TU München ein Denkmal setzt. "Damals war man richtig stolz darauf, so etwas am Ort zu haben", sagt die Beamtin - mit einem feinen Lächeln.

Hakenkreuze sind verboten, Mohren erlaubt

Grundsätzlich dürfe alles auf ein Wappen, was sich stilisiert erkennbar darstellen lasse, wobei die heraldischen Vorschriften klare Regeln vorgeben. Es dürfen keine zwei Farben nebeneinander angeordnet, sondern sie müssen immer durch Silber oder Gold getrennt sein. Überhaupt sind neben Blau nur klare Farben, also Rot, Grün, Schwarz und manchmal Bordeauxrot zugelassen. Dass Hakenkreuze und andere Symbole des Nationalsozialismus nichts auf einem bayerischen Wappen verloren haben, versteht sich von selbst. Gegen vermeintlich diskriminierende Darstellung wie den "Mohren" im Stadtwappen von Coburg dagegen, hat die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, die seit der Verwaltungsvereinfachung der Regierung Stoiber für die Genehmigung neuer Wappen oder Änderungen bestehender Hoheitszeichen zuständig ist, nichts einzuwenden.

Änderungen oder Anträge auf ganz neue Hoheitszeichen kommen inzwischen kaum mehr vor, erzählt Mannsbart. "Es gibt wohl so gut wie keine bayerische Gemeinde mehr, die kein eigenes Wappen hat." Und wenn nicht gerade ein Heimatforscher herausfinde, dass irgendeine Einzelheit im Hoheitszeichen totaler geschichtlicher Humbug ist, dann werde nichts mehr geändert.

Der Mohr im Coburger Wappen übrigens hat geschichtlich rein gar nichts mit Menschen schwarzer Hautfarbe zu tun. Vielmehr geht er auf den Patron von Kirche und Stadt, den Heiligen Mauritius zurück - der ursprünglich römische Beiname bedeutet dunkelhäutig, Mohr im Mittelalter, ist also lautmalerisch gemeint. Ein "redendes" oder "sprechendes" Wappen nennen das die Heraldiker in der ihnen eigenen Sprache. Beim Anblick des Berliner Bären, der Lindauer Linde oder des Ebersberger Borstenviehs auf dem ursprünglich auf das Prunkwappen der 1045 ausgestorbenen Grafen von Ebersberg zurückgehenden Hoheitszeichen der Stadt und des Landkreises, erklärt sich dieser Ausdruck von selbst.

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