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"Offenes Anzing":Überwältigende Unterstützung

Etwa 80 Mitglieder der Initiative "Offenes Anzing" wollen den ankommenden Asylbewerbern ihr Hilfe anbieten. Die Zeit gegenseitiger Schuldzuweisungen soll nun vorbei sein.

Sie sind da und sie sind viele: Etwa 80 Anzinger haben inzwischen ihre Hilfe für die Flüchtlinge angeboten, die im kommenden Frühjahr in die Gemeinde kommen sollen. Nachdem einige Bürger sich fremdenunfreundlich gezeigt und Protestbriefe gegen die Unterbringung von 20 bis 30 Asylbewerbern an Landrat Robert Niedergesäß (CSU) geschrieben hatten, bestehen jetzt die ersten festen Strukturen für die Integration dieser Menschen. Zum Treffen der eigens gegründeten Initiative "Offenes Anzing" im Rathaus kamen kürzlich 60 Personen.

"Das sind enorm viele - für eine so kleine Gemeinde wie unsere", sagt Elisabeth Stanglmeier, ehemalige Grundschullehrerin in Anzing und Mitglied des Koordinationsteams, das jetzt gegründet worden ist. Und dabei gibt es laut ihrem Teamkollegen und Kreistagsmitglied Florian Alte (CSU) noch rund zwanzig weitere Anzinger, die seit den ersten Debatten um die Unterbringung der Flüchtlinge bei Johannes Finauer, Mitarbeiter des Rathauses, oder Reinhard Oellerer von den Grünen ihre Hilfsbereitschaft signalisiert haben. "Ich bin überwältigt, wie viel Hilfsbereitschaft in Anzing besteht", sagte Marion Wolinski, Mitarbeiterin des Landratsamtes im Bereich Soziales und Gesundheit, die beim Treffen der Initiative Fragen zur Unterbringung von Asylbewerbern beantwortete.

Die Integration verlange "eine gut organisierte Helferstruktur", sagte Wolinski. Derer haben sich nun neben Elisabeth Stanglmeier, Florian Alte und Reinhard Oellerer drei weitere Anzinger angenommen: Hella Wickenhäuser, Sabine Schwarz und Heiner Genzken. Das sechsköpfige Team soll die einzelnen Hilfsmaßnahmen koordinieren. Und sie werden zu tun haben. Denn schon jetzt kann die Initiative ihren ersten Erfolg vorweisen: Für alle Aufgabenbereiche gibt es bereits verantwortliche Personen: die "Kümmerer", wie die Initiative sie nennt. Sie sollen in den einzelnen Feldern Kinderbetreuung und Bildung, Sprachkurse, Behörden und Rechtsbeistand, Sachspenden, Freizeitbeschäftigung, Gesundheit und Kirche agieren. Auch generelle Ansprechpartner wird es geben, die in mehr oder weniger dringenden Fällen mit Kontakten oder selbst weiterhelfen können.

Auch zahlreiche Anwohner des ehemaligen Forstamts, das als Wohnhaus für Asylbewerber dienen soll, waren in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen und bekundeten, mitarbeiten zu wollen. Als bekannt geworden war, dass das alte Forsthaus in eine Unterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert werden soll, hatte es Klagen einiger Anzinger gegeben. In E-Mails an Lokalpolitiker und den Landrat hatten sie beanstandet, die Unterbringung von 20 bis 30 Asylbewerbern sei nicht "sozial verträglich", und zwar weder in ihrem Wohngebiet noch an anderer Stelle in der Gemeinde. Als Reaktion darauf hatte Reinhard Oellerer, der auch für die Grünen im Gemeinderat sitzt, die Gründung des Unterstützerkreises Offenes Anzing angestoßen - um sich von der Abwehrhaltung gegenüber ankommender Flüchtlinge abzugrenzen, und zwar durch tätige Fürsorge.

Dass es sich dabei um eine langfristige Aufgabe handele, sei allen Beteiligten bewusst, sagt Florian Alte dazu. Deshalb sei es umso wichtiger, dass so viele Bürger die Initiative mittragen. Diese ist zudem eine parteiübergreifende Gemeinschaft, an der sich laut Alte alle Fraktionen des Gemeinderats beteiligen.

"Wir wollen jetzt in die Zukunft schauen, damit sich unsere Gäste nach ihren dramatischen Erlebnissen in Anzing wohlfühlen", so Reinhard Oellerer. Die Zeit gegenseitiger Schuldzuweisungen sei nun vorbei - dies betonten mehrere Anwesenden bei dem Treffen. Auf die Vergangenheit beziehen könnten sich einige Anzinger dennoch wieder: Elisabeth Stanglmeier und Rosie Hollerith haben schon einmal, als Asylbewerber aus Ex-Jugoslawien in Anzing untergebracht waren, Hilfe in deren Alltag geleistet. Große Konflikte hat es damals nicht gegeben.