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Offene Ateliers:Inspirierende Begegnungen

Neun Künstler beteiligen sich diesmal an der "Atelierdiagonale" quer durch den Landkreis. So mancher von ihnen geht in der jüngsten Zeit neue Wege

Raum miteinander teilen. Dieser Gedanke, der seit jeher der "Atelierdiagonale" zugrunde liegt, wird in diesem Jahr mehr denn je greifbar: In der Werkstatt von Hubert Maier entsteht derzeit ein Haus im Haus, und an dessen Wänden finden alle beteiligten Künstler ein Plätzchen für ihre Werke. So wird dieser Raum in Moosach sozusagen zum kondensierenden Zentrum der Veranstaltung.

Bereits seit 2002 schließen sich jeden Sommer für ein Wochenende Künstler auf der geografischen Diagonale von Herrmannsdorf und Pullenhofen über Moosach bis hin nach Zorneding und Ingelsberg zusammen, um gemeinsam mehr Publikum in ihre offenen Ateliers zu locken und für Kunst zu gewinnen. Offenbar mit Erfolg, denn zu dem festen Kern stoßen immer wieder gerne Gastaussteller hinzu. Diesmal sind neun Künstlerinnen und Künstler an der Atelierdiagonale beteiligt: Ingrid Köhler, Heinrich Knopf, Johannes Gottwald, Cornelia Melián, Hubert Maier, Maja Ott, Birgit Jung, Peter Kees und Andreas Schroll. Die Besucher dürfen sich also wie immer auf vielfältige und inspirierende Begegnungen mit Werken und ihren Schöpfern freuen.

Vertreten sind nicht nur Malerei, Grafisches und Bildhauerei, sondern auch Videokunst, Installation und Musik. Sogar ein soziales Projekt kann man kennenlernen: Im Ingelsberger Atelier von Heinrich Knopf werden kunstvolle Webteppiche aus Ägypten ausgestellt, deren Erlös den Weberinnen in dem Dorf südwestlich von Kairo zugute kommt. Die Tappisserien mit unterschiedlichen Motiven und Formaten beeindrucken durch feine Farben, einen unmittelbaren Ausdruck und ausgewogene Kompositionen.

Ein Haus für die "Atelierdiagonale"!Heuer mit dabei: Peter Kees,Heinrich Knopf, Hubert Maier, Birgit Jung,Axel Tangerding vom Meta Theater und Maja Ott (oben von links).

(Foto: Christian Endt)

Das Holzhaus, in dem alle Künstler vertreten sein werden, ist sozusagen ein Gesamtkunstwerk von Hubert Maier: Er baut es, zusammen mit seinem ältesten Sohn, komplett selbst - Wände, Fenster, Türen, Treppe, Möbel, alles. Am Ende wird es als Fertighaus die weite Reise nach Schweden antreten und dort auf einem Felsplateau über dem Meer aufgebaut. Maier schwärmt: "Es macht beängstigend viel Spaß, ich kann mir schon fast nicht mehr vorstellen, mit Stein zu arbeiten." Seine Scheune sieht denn auch aus wie eine Schreinerwerkstatt: überall Holz in sämtlichen Formen, Späne, Werkzeug und Maschinen. Nicht in Schweden, sondern in Irland war Maja Ott kürzlich, und hat ihre ohnehin ornamentalen Hinterglasmalerei um keltische Einflüsse bereichert. "Ich habe mir sehr viel angesehen und gleich mit meinen Motiven kombiniert", erzählt die Moosacherin, vieles, wie zum Beispiel eine außergewöhnliche Wandfarbe, sei aber auch ganz unbewusst eingeflossen. Fest steht: Die verschlungenen keltischen Formen passen hervorragend zu Otts verspielter Malerei, seien sie abstrakt oder gegenständlich wie der Baum, dessen Wurzeln und Äste einen mythischen Kreis bilden.

Ebenfalls in Moosach arbeitet der Bühnenbildner Andreas Schroll, er wird unter anderem ein Aquarium beisteuern, mit Spezialfischen darin, einem geheimnisvollen Schatz und Müllobjekten aus Bronze. Als Gäste sind heuer Birgit Jung und Peter Kees dabei. Sie zeigt ein mehrere Meter großes Bildobjekt, es heißt "die grüne Tara", das ist ein weiblicher, friedvoller Buddha. Eine Figur zu entdecken, ist allerdings schwierig, denn Jung hat sie völlig abstrahiert, sie zeigt praktisch die Idee einer irdischen Gottheit: Die Malerin entwirft ein marmorierendes Spiel dezenter Farben, das wirkt wie eine fast dreidimensionale Ansicht auf eine karge, aber doch bewegte Landschaft. Kees wiederum zeigt eine grafische Serie, "Dirigierzeichnungen" nennt er diese Werke. Aufgewachsen in Bayreuth, war ihm die Musik sehr nahe, er lernte mehrere Instrumente, verbrachte jeden Sommer im Festspielhaus, als Statist, bei Proben, im Orchestergraben. "Musiker zu werden, war mein Traum", sagt Kees, "doch leider wurde nichts daraus". Teil seiner Aufarbeitung ist, dass er Opern dirigiert - mit Grafit in der Hand, der die Bewegungen auf Papier überträgt. Das Ergebnis sind so eruptive wie feine Zeichnungen, ansprechende Transformationen von Klang in Kunst.

Die Malerin Ingrid Köhler legt neuerdings sehrgerne Mosaike.

(Foto: Christian Endt)

Ein wenig das Metier gewechselt haben Ingrid Köhler und Johannes Gottwald. Die Zornedinger Malerin war zu Besuch in einer Werkstatt für Mosaik in Venedig, und widmet sich dieser Kunst nun mit großer Begeisterung. Kleine bunte Glassteine werden dort per Hand gefertigt, der Ort bietet laut Köhler einen unermesslichen Schatz an Farbtönen, anhand derer sie nun ihre Malerei in Mosaike übersetzt. "Aber das wird ganz anders, als gedacht", sagt sie. "Diese winzigen geometrischen Formen verleihen jedem Motiv eine völlig andere, magische Wirkung". Das Impressionistische von Köhlers Malerei wohnt diesem Material ja bereits inne. Und auch ihr Blick habe sich verändert, sagt die Künstlerin, sie nehme nun die "Schönheit der Ausschnitte" deutlicher wahr. Steine statt Pigmenten hier - nähen statt sägen dort: Auch Bildhauer Gottwald steckt gerade in einer neuen Phase. Er hat damit begonnen, seine fein gearbeiteten Holzreliefs am Rand mit bunten Kabeln zu versehen. Indem er sie durch dünne Löcher fädelt, entstehen Nähte, die den Werken erstens stabilen Halt und zweitens eine hübsche zweite Dimension verleihen. "Diese zarte Arbeit übt gerade irgendwie mehr Reiz auf mich aus als die Kettensäge", sagt Gottwald und lacht.

Am Samstag sollte man um 21 Uhr zudem noch ins Moosacher Meta Theater gehen, denn dort laden Cornelia Melián und Georg Karger zur Premiere ihres Nachtkonzerts "P.S. - I love you" ein. Sie präsentieren Lovesongs von Billie Holiday und Hildegard Knef und lassen diese Ladies mit den Altmeistern Claudio Monteverdi und Henry Purcell in einen Dialog treten. Das Ergebnis sei ein "swingender Sommernachtsschwips", so Melián. Sie selbst singt und spielt Melodika sowie Shrutibox, Karger steuert den Kontrabass bei.

Johannes Gottwald arbeitet mit Holz in allen möglichen Formen.

(Foto: Christian Endt)

"Atelierdiagonale": Die Türen stehen offen am Samstag, 29. Juni, von 15 bis 20 Uhr und am Sonntag, 30. Juni, von 11 bis 20 Uhr. Nur die Ausstellung der Webteppiche weicht davon ab, dort kann man jeweils von 11 bis 17 Uhr vorbeikommen. Die Adressen lauten: Herrmannsdorf 12 in Glonn, Grafinger Straße 14 in Moosach sowie Moosacher Weg 1 (am Hügel in der südlichen Halle) und Ingelsberg 35 in Zorneding.