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Ökostrom:Mehr Energie für die Wende

Alles öko, oder was?

Die Frage, was Ökostrom ist, scheint auf den ersten Blick schnell beantwortet: alles, was bei seiner Erzeugung weder Treibhausgase verursacht noch aus einem Atomkraftwerk stammt. Nutzt das Elektrizitätswerk also zur Stromerzeugung Energie aus regenerativen Quellen, ist das, was später aus der Steckdose kommt, Ökostrom. Diese Definition verwendet auch das Umweltbundesamt und listet genau auf, welche Energieformen eine Anlage nutzen darf, damit sie echten Ökostrom erzeugt. Das sind zum einen die Kräfte der Elemente, also Wasser- und Windkraft, Photovoltaik und Geothermie. Auch die Energie aus Biomasse zählt dazu, also beispielsweise Bio-, Deponie- und Klärgas, "flüssige Biomasse" wie etwa Biodiesel ebenfalls, allerdings nur, wenn bei dessen Herstellung gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden.

Es gibt aber ein weiteres Kriterium, nämlich die Förderung der Energiewende. Daher empfiehlt das Umweltbundesamt, dass Ökostrom zumindest anteilig aus Kraftwerken kommen soll, die nicht älter als vier, bei Wasserkraft und Geothermie nicht älter als sechs Jahre sind. Dies erhöht den Anreiz für Investoren, was der Energiewende zugute kommt. Doch gerade große Stromanbieter setzen bei ihrem Ökostrom lieber auf alte Anlagen. Oft sind sie nicht einmal im Besitz dieser Kraftwerke, sondern kaufen lediglich Kontingente, also gewisse Strommengen, die etwa aus großen Wasserkraftwerken in Skandinavien stammen. Da diese Anlagen bereits seit Jahrzehnten laufen und längst abgeschrieben sind, gibt es die Kontingente relativ günstig, und der angeblich grüne Strom kann dann mit Aufschlag an umweltbewusste Verbraucher weiterverkauft werden. wkb

Ende nächsten Jahres laufen die Stromlieferverträge aus. Die Kommunen und der Kreis sind sich einig, dass sie Ökostrom beziehen wollen. Nur was das genau ist, darüber gehen die Ansichten auseinander.

Die Energiewende zu unterstützen ist das erklärte Ziel des Landkreises und seiner Gemeinden. Darum haben die Kommunen auch schon vor einigen Jahren beschlossen, für ihre eigenen Liegenschaften Ökostrom zu verwenden. Doch bei der Frage, welcher Strom denn nun wirklich die Umwelt schont, ist man sich nicht immer einig. Konkret geht es dabei um die Frage, ob die Kommunen als Bezieher von Ökostrom den Ausbau regenerativer Kraftwerke stärker fördern können und sollen.

In der kommenden Woche findet darum auf Initiative des Klimaschutzmanagers des Landkreises, Hans Gröbmayr, ein Treffen von Gemeinde- und Landkreisvertretern mit verschiedenen Firmen statt, die für die Kommunen den Ökostrom beschaffen wollen. In der Vergangenheit hatte der Bayerische Gemeindetag die sogenannte "Bündelausschreibung für die kommunale Ökostrombeschaffung" organisiert, zuletzt im Jahr 2013.

Die damals ausgehandelten Lieferverträge laufen nun Ende des kommenden Jahres aus, so dass für den Zeitraum 2017 bis 2019 erneut ausgeschrieben werden muss. Auch diesmal hat der Gemeindetag wieder eine solche Bündelausschreibung von der Firma Kubus organisieren lassen. Diese ist eine GmbH, an der auch der Bayerische Gemeindetag beteiligt ist und die sich auf die Beratung von Kommunen, etwa bei Ausschreibungen, spezialisiert hat. Doch während mache Gemeinden wie Kirchseeon das Angebot von Kubus bereits angenommen haben, ist man anderswo skeptisch.

So hat etwa die Stadt Ebersberg zunächst auf dem kurzen Dienstweg eine Verlängerung des Kubus-Angebots vorgenommen, nach Kritik einiger Stadträte steht dies jedoch wieder auf der Kippe. "Wir haben zunächst Kubus beauftragt", bestätigt Hauptamtsleiter Erik Ipsen. "Jetzt gibt es eine zweite Meinung, da lassen wir den Vertrag erst einmal ruhen." Seitens der Stadt will man erst einmal abwarten, was bei dem Treffen am 1. Juli herauskommt, und dann eine Entscheidung treffen. Dies müsste dann vermutlich der Stadtrat oder der Umweltausschuss tun.

In Vaterstetten ist die Entscheidung bereits gefallen, der Gemeinderat hatte sich kürzlich bei nur einer Gegenstimme für einen neuen Anbieter ausgesprochen. Dafür intensiv geworben hatte der Vaterstettener Klimaschutzmanager Tobias Aschwer. Ihm geht das Angebot des Gemeindetages und seiner Beraterfirma Kubus nicht weit genug. Denn Kubus übernehme in seinem Ausschreibungstext zwar die Ökostrom-Definition des Umweltbundesamtes. Dessen Empfehlungen zum Umweltnutzen, also die Forderung, möglichst viel Strom aus neu gebauten Anlagen zu beziehen, fehle bei Kubus jedoch komplett, kritisiert Aschwer. Auf sein Anraten hin entschieden sich die Vaterstettener Gemeinderäte daher, ihre Ökostromausschreibung über das Ingenieurbüro Specht laufen zu lassen. Dieses folge im Gegensatz zu Kubus den Empfehlungen des Umweltbundesamtes, so der Klimaschutzmanager.

Für eine Ausschreibung ohne Kubus und den Gemeindetag hat sich auch die Kreis-SPD ausgesprochen. Wie Aschwer fordern auch die Genossen eine stärkere Förderung neuer regenerativer Kraftwerke. SPD-Fraktionssprecher Albert Hingerl bescheinigte dem Angebot des Gemeindetages, dieses sei eine Beratung "ohne großen Sachverstand".

Die meisten Gemeinden des Landkreises und auch dieser selbst haben bisher noch keine Entscheidung getroffen, ob sie die Firma Kubus oder einen Konkurrenten mit der Ausschreibung betrauen wollen. Dass man es sich damit in den Rathäusern und im Landratsamt nicht leicht macht, zeigt sich daran, dass die Frist für die Teilnahme an der von Kubus angebotenen Ausschreibung schon mehrmals verschoben wurde. Zunächst hätten sich die Gemeinden bis Ende Mai entscheiden sollen, ob sie teilnehmen, dann wurde der Termin auf Ende Juni und mittlerweile bis Ende Juli verschoben.