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Nur die Pferde brauchen keine Maske:Weiter fest im Sattel

Wie sich die Pferdeställe und Reiterhöfe in der Region mit den Covid-19-Maßnahmen arrangieren

In Krisenzeiten sehnt man sich oft nach Ablenkung, nach Vertrautem, nach dem Ausüben von Hobbys, denen man auch sonst gerne nachgeht. Umso schwieriger war es für so manche Pferdebesitzer im Landkreis in den vergangenen Wochen, die zeitweise ihre Tiere nicht besuchen konnten. Von kleinen Dramen erzählt etwa Raphaela Fritz, Leiterin des Reiterhofs für Islandpferde am Törring bei Hohenlinden. Für zwei Wochen schloss der Hof im März komplett die Tore, um eine Virus-Infektion bei Mitarbeitern und Besuchern auszuschließen. "Aus Solidarität und in der Hoffnung, dass wir alle gut und schnell diese Krise überwinden, stellt der Törring die Reitschule, alle Lehrgänge und sonstiges bis auf Weiteres ein", ist immer noch auf der Homepage zu lesen.

Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist auch in Krisenzeiten für die Tinker-Pferde des Schrankenschneiderhofs in Steinhöring angesagt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Das war für einige Einsteller sehr schwer", so Fritz. Einsteller, das sind Pferdebesitzer, die ihre Tiere in einem Pferdehof oder Reitstall einmieten. Aber auch die Reitschüler, die seit dem 13. März auf eine Wiederaufnahme der Schulen gewartet hatten, seien besorgt gewesen. "Viele haben geschrieben, dass sie sich freuen, wenn es wieder losgeht, und dass sie die Pferde vermissen", erzählt Raphaela Fritz. Die Pferde selber hätten nicht so viel von der Krise mitbekommen: Weil der Reiterhof am Törring Offenstallhaltung anbietet, könnten sich die Tiere, die sich in drei Herden aufhalten, immer bewegen. "Wenn Pferde mal zwei, drei Wochen nicht geritten werden, ist das nicht so schlimm", erklärt Fritz. Nachdem das Landwirtschaftsministerium nun nach und nach die Vorschriften gelockert hat, konnten zu einem bestimmten Zeitfenster erst drei, später fünf Besitzer gleichzeitig kommen, natürlich mit Abstand und Mundschutz. Mittlerweile teilen sich die Reiter ihre Besuche selbst ein, müssen aber ihre Anwesenheit weiterhin dokumentieren. Das funktioniere ganz gut, so die Leiterin des Hofes.

Islandponyhof bei Hohenlinden

Fröhlich wiehern können nun auch wieder die Islandpferde am Toerring: Zwar müssen die Pferdebesitzer weiterhin bestimmte Hygienevorschriften einhalten, dürfen aber ihre Tiere wieder sehen.D emnächst sind auch Ausritte geplant.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit vergangenem Montag hat auch die Reitschule am Törring wieder geöffnet, und maximal fünf Schüler gleichzeitig dürfen im Freien Unterricht bekommen. Normalerweise holen die Schüler selbst die Pferde, satteln diese. "Momentan machen das ein Mitarbeiter und ich", so Raphaela Fritz. "Wir bringen die Pferde auf den Reitplatz und dürfen auch keine Hilfe beim Aufsteigen anbieten." Nach dem Unterricht steigen die Schüler ab und gehen wieder. Bald sind auch wieder Ausritte geplant.

Reitgut Niederseeon - Klaus Mayr

Weil die Einkünfte aus Reitstunden während der Ausgangsbeschränkung wegfielen, musste Klaus Mayr vom Reitclub Steinsee eine schwierige Entscheidung treffen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Als "richtig bitter" bezeichnet Klaus Mayr die Folgen der Krise für den Reitclub Steinsee: Weil kein Reitunterricht mehr stattfinden konnte, fielen die Einnahmen weg - und zwei Pferde mussten verkauft werden. Erst seit vergangenem Montag läuft auch hier der Schulbetrieb wieder an, nur vier Leute dürfen gleichzeitig in der Halle sein. "Dabei muss alles desinfiziert werden", so Mayr. Die Reiter müssen sich auch hier in eine Liste eintragen, damit nachvollzogen werden kann, wer da war. Auch der Sicherheitsabstand würde bisher gut eingehalten, erzählt Mayr. Am Reitclub Steinsee gibt es 60 Einsteller; diese hätten jeden Tag zwei Stunden Zeit gehabt, ihre Tiere zu versorgen. Außerdem kommen die Pferde dort jeden Tag raus auf die Koppel, wo sie sich bewegen können.

"Ganz normal weitermachen können wir noch nicht", sagt Toni Zeller vom Ebersberger Schrankenschneiderhof. Weil zu Beginn der Ausgangsbeschränkung nur aus triftigem Grund das Haus verlassen werden durfte, sei es anfangs schwierig gewesen, Besuchszeiten für die Pferdebesitzer zu finden. Wenn ein Tier krank war oder Medikamente bekommen musste, sei ein Besuch natürlich möglich gewesen. "Manche haben sich auch zusammengetan, um unnötige Besuche zu vermeiden", erzählt Zeller. Mittlerweile teilen sich die Besitzer selbst ihre Besuche ein und sind dazu angehalten, darauf zu achten, nicht alle gleichzeitig aufzukreuzen. 90 Minuten haben sie Zeit, sich um das Tier zu kümmern, auch einen kleinen Ausritt zu machen. Anfangs noch allein, derzeit höchstens zu zweit, aber noch nicht in der Gruppe, sagt Zeller: "Ausnahme sind Familien oder Menschen aus demselben Haushalt, die dürfen zusammen ausreiten." War vor den letzten Lockerungen eine Person pro Pferd erlaubt, dürfen mittlerweile auch wieder Kinder mitkommen auf den Schrankenschneiderhof. Auch hier gilt die Dokumentationspflicht, Besucher müssen Ankunft und Abfahrt aufschreiben. Auch der Unterricht läuft wieder an, nur Gruppenunterricht ist noch nicht erlaubt. Es sei viel zu koordinieren, sagt Zeller, immerhin sind zwei Drittel der 60 Pferde von Einstellern: "Aber es hat bisher ganz gut geklappt."

© SZ vom 02.06.2020
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