Nominierung für den Kreistag:Überraschende Verjüngung

Philipp Eikerling aus Zorneding kandidiert auf einem Spitzenplatz für die Grünen

Carolin Fries

Die Überraschung des Abend ist 30 Jahre alt, Produktmanager und lebt seit eineinhalb Jahren in Zorneding: Philipp Eikerling. Der Nobody der Landkreispolitik bewarb sich am Freitagabend bei der Nominierungsversammlung der Grünen um einen Platz ganz vorne. "Weil ich vom Herzen dem Kommunalen zugewidmet bin" und "weil ich den Menschen eine Stimme geben will, die sich in der Rushhour des Lebens befinden". In der steckt er ganz offensichtlich mitten drin, im Januar erwartet seine Frau ihr drittes Kind. Mit nur einer Gegenstimme bestätigte ihn die Versammlung auf dem aussichtsreichen vierten Listenplatz. Die Grünen-Fraktion ist aktuell mit neun Sitzen im Kreistag vertreten.

Eikerling aber, der zuletzt in München gelebt hat und dort Sprecher des Ortsverbandes Au-Haidhausen war sowie Mitglied im Landesarbeitskreis Wirtschaft und Finanzen, blieb nicht das einzig junge Gesicht. Kreisvorstands- und Fraktionssprecherin Waltraud Gruber hatte zuvor für eine Mischung aus Jung und Alt als "Idealbesetzung" geworben und das offenbar mit Erfolg. Auf Platz acht landetet Vincent Kalnin aus Zorneding, 26 Jahre alt. Er setzte sich deutlich gegen Uwe Peters aus Grafing durch. Dessen Sohn Martin, 26 Jahre alt, der die vergangenen sechs Jahre im Kreistag saß, kandidierte nicht mehr. "Im Mai schließe ich mein VWL-Studium ab, im Juni beginne ich einen Job. Es zieht mich gerade mehr nach München", sagte er.

Alle anderen Grünen-Kreisräte aber wollen weitermachen. Allen voran natürlich Waltraud Gruber aus Aßling, die es als einzige schaffte, die Redezeit von zwei Minuten bei ihrer Bewerbung einzuhalten. "Ich bin auch nach dreißig Jahren noch begeistert", sagte sie und kündigte eine "Energiewende von unten" an. Sie nannte die Grünen im Kreistag eine "Premium Opposition", die sich durch "Herz, Verstand und Biss" auszeichne.

58 Anträge und Anfragen habe man in den vergangenen sechs Jahren gestellt und damit "viel erreicht". "Wir sind das grüne Gewissen", sagte sie. Dem neuen Landrat Robert Niedergesäß bescheinigte sie "höfliche Umgangsformen", doch auch er "begeistert sich für große Straßenbauprojekte und Gewerbegebiete", kritisierte sie.

"Um so smarter jemand daherkommt, um so vorsichtiger werde ich", sagte Christine Gerneth aus Glonn, die auf dem dritten Platz kandidiert. Reinhard Oellerer aus Anzing, der im Frühjahr als Landratskandidat antrat, steht auf dem zweiten Listenplatz. Er ist der einzige in der Spitzenriege aus dem Norden des Landkreises.

Die Grünen bleiben also nach wie vor im Süden stark. Dort, in Emmering, wohnt unter anderem auch Bundesschatzmeister Benedikt Mayer. Auf die Frage, ob ihm der Job denn überhaupt Zeit für ein Ehrenamt lasse, antwortete er: "Der Bundesvorstand will ein Mitglied in einem kommunalen Gremium haben. Ich werde dafür freigestellt."

Die Kandidaten: 1. Waltraud Gruber, 2. Reinhard Oellerer, 3. Christine Gerneth, 4. Philipp Eikerling, 5. Angelika Obermayr,6. Benedikt Mayer, 7. Ilke Ackstaller, 8. Vincent Kalnin, 9. Melanie Kirchlechner, 10. Uwe Peters, 11. Margarita Pricha, 12. Franz Greithanner, 13. Maria Boge-Diecker, 14. Christoph Balzer, 15. Christiane Goldschmitt-Behmer, 16.Philipp Goldner, 17. Ilona Mennerich, 18. Dominik Fuchs, 19. Elisabeth Drosta, 20. Christopher Schulze.

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