Neuer Verein eckt an Streit um Namen "Ebersberger Land"

Verwechslungsgefahr? Windparkgegner verärgern durch ihre Umbenennung die Direktvermarkter

Von Karin Kampwerth

Ebersberg/Purfing Die Solidargemeinschaft Ebersberger Land kümmert sich um die Vermarktung von Brot, Eiern, Gemüse, Kartoffeln oder Honig aus der Region. Doch jetzt sehen die Mitglieder ihren Leitgedanken, die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen zu erhalten und zu verbessern, missbraucht. Grund für die Verärgerung ist die Purfinger Bürgerinitiative "Gegenwind", die sich vor kurzem als "Landschaftsschutz Ebersberger Land" ins Vereinsregister hat eintragen lassen.

Der Verdacht liegt nahe, dass eine gut laufende Marke für eigene Zwecke benutzt wird", sagt Josef Rüegg, der dem Vorstand der Solidargemeinschaft angehört und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes im Landkreis ist. "Dabei haben wir rein gar nichts miteinander zu tun." Aufmerksam auf die Namensähnlichkeit ist Rüegg durch die Einladung zu einer Veranstaltung der Bürgerinitiative vergangene Woche in Anzing geworden, die mit dem neuen Vereinsnamen gekennzeichnet war.

Aus Sorge um die Verwechslungsgefahr wandte sich Rüegg umgehend an den Dachverband der Marke Ebersberger Land: Unser Land in Unterschweinbach. Dessen Geschäftsführerin Julia Seiltz erklärte auf Nachfrage der SZ, dass der Name der Solidargemeinschaft Ebersberger Land nach gültigem EU-Recht nur in Verbindung mit dem Logo geschützt sei. "Wir werden deshalb nichts unternehmen", so Julia Seiltz. Neu ist ihr der Vorgang nicht. In anderen Landkreisen gebe es ähnliche Initiativen, deren Namen mit dem der Regionalvermarkter verwechselt werden könne. Für die Solidargemeinschaft sei das ärgerlich, weil man den Ausbau von regenerativen Energien für notwendig und wichtig erachtet.

Dem pflichtet Rüegg bei. "Wir schreiben uns nicht auf die Fahnen, dass wir Windräder verhindern wollen." Im Gegenteil sehe er Windräder als Alternative an, wenn der Ausstieg aus der Kernenergie gelingen solle. Die Purfinger Initiative folge dagegen dem Sankt-Florians-Prinzip. "Man ist zwar für Windenergie, aber nicht vor der eigenen Haustür." Umso bedauerlicher findet Rüegg, dass im Landkreis durch die Namensähnlichkeit eine Verbindung zwischen beiden Vereinen hergestellt werden könnte. "Ich bin schon mehrfach von Bürgern darauf angesprochen worden", so das Ebersberger-Land-Vorstandsmitglied.

Rüegg kritisiert den Vereinsnamen der Bürgerinitiative auch deshalb, weil die Auseinandersetzung um den möglichen Windpark am westlichen Rand des Ebersberger Forsts eine politische Diskussion sei. Die Solidargemeinschaft hingegen verstehe sich als überparteilich. "Uns geht es einzig um die gesunde Ernährung und die Regionalität", betont Rüegg. Er hätte es deshalb als fair empfunden, wenn die Initiatoren der Purfinger Bürgerinitiative "Gegenwind" und Vorsitzenden des Landschaftsschutzes Ebersberger Land zuvor auf die Solidargemeinschaft zugekommen wären. Der Kontakt sei aber gar nicht erst gesucht worden.

Die Vorsitzende des Vereins Landschaftsschutz Ebersberger Land, Catrin Dietl, zeigt sich betroffen. Es sei weder Anliegen noch Absicht gewesen, jemanden mit der Gründung des Vereins zu verärgern. Zugleich betont sie, dass der Verein nichts mit der Solidargemeinschaft zu tun habe, "weder namentlich noch inhaltlich". Ohnehin sei man nicht gegen Windräder, sondern nur gegen den geplanten Standort im Forst. Das Ziel des Vereins sei deshalb "der Erhalt unserer wunderschönen Kulturlandschaft im Ebersberger Land". (Innenansicht)