Neuer Nachbarschaftszwist:Poinger fürchten um ihre Polizei

Weil die Inspektion mittelfristig zu klein und außerdem renovierungsbedürftig ist, gibt es Gerüchte über eine mögliche Verlagerung nach Vaterstetten

Von Barbara Mooser

In Poing geht die Sorge um, dass die Gemeinde mittelfristig ihre Polizeiinspektion an die Nachbargemeinde Vaterstetten verlieren könnte. Hintergrund ist die Tatsache, dass das Gebäude in Poing renovierungsbedürftig und auf Dauer auch zu eng ist - ein Neubau wird wohl in den nächsten fünf bis zehn Jahren unvermeidlich sein. Und der könnte ebenso gut in Vaterstetten wie in Poing stehen, das hat der frühere Vaterstettener Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) bereits vor einiger Zeit angedeutet. Die Poinger wollen aber um ihre Polizei kämpfen: "Wenn das Innenministerium für die Polizeiinspektion in Poing einen Neubau errichten möchte, dann werden wir ein Grundstück zur Verfügung stellen - auch kurzfristig", kontert Bürgermeister Albert Hingerl (SPD).

Sein Vaterstettener Amtskollege Georg Reitsberger (FW) lässt zwar ausrichten, ihm sei nichts von Bemühungen der Gemeinde um die Polizeiinspektion bekannt, doch Reitsberger ist erst seit Oktober im Amt. Dass in der Gemeinde aber Unzufriedenheit über die mangelnde Polizeipräsenz herrscht, ist schon lange kein Geheimnis. Bis Ende 2012 gab es in Vaterstetten noch eine eigene Polizeistation mit zehn Mitarbeitern, seit Januar 2013 stehen nur noch zwei Polizeibeamte in einer kleinen Polizeiwache als Ansprechpartner zur Verfügung - insgesamt 34 Stunden pro Woche. Als "alles andere als erfreulich", bezeichnete das der damals noch amtierende Bürgermeister Robert Niedergesäß. Eigentlich war geplant gewesen, die Polizei ganz aus Vaterstetten abzuziehen. Durch Mithilfe der früheren stellvertretenden Ministerpräsidentin Christa Stewens (CSU) gelang es, immerhin die Wache zu behalten. Die Poingerin will sich nun auch dafür einsetzen, die Polizeiinspektion in ihrer Heimatgemeinde zu erhalten. Derzeit sei ein Neubau aber noch gar nicht im Investitionsprogramm des Innenministeriums enthalten, deshalb werde das Thema nicht sofort akut, unterstreicht Stewens. Ludwig Berger, Poinger CSU-Gemeinderat und selbst jahrzehntelang Polizeibeamter in der Polizeiinspektion Poing, will aber die Gemeinde auffordern, schon jetzt die Initiative zu ergreifen. "Wir wollen, dass die Verwaltung beauftragt wird, geeignete Räume zu finden", sagt Berger. Einen entsprechenden Antrag will er an diesem Donnerstag im Gemeinderat stellen. Seiner Einschätzung zufolge wäre der Verlust der Polizeiinspektion für Poing ein "Sicherheitsverlust hoch drei". Es gebe auch keine sachlichen Gründe, die Polizeistation zu verlagern. Würde die Polizeiinspektion in Vaterstetten positioniert, würde sie an den Rand des großen Zuständigkeitsbereichs verlagert, während Poing relativ zentral sei.

Auch den Verantwortlichen in der Polizeiinspektion selbst sind die Gerüchte über das mögliche Interesse Vaterstettens an der Verlagerung bereits zu Ohren gekommen. Dienststellenleiter Helmut Hintereder zufolge ist so viel klar: In alle Ewigkeit wird die Polizei nicht mit den Räumen auskommen, die sie in Poing hat. Denn es seien nicht nur die Kollegen aus Vaterstetten dazu gekommen, es sei auch eine weitere personelle Aufstockung geplant. "Dann ist es tatsächlich so, dass es in unserem Gebäude beengt wird", so Hintereder. Zudem hat das 1971 bezogene Haus auch seine Defizite. Eine Weile sei bei starkem Regen das Wasser sogar in die Räume gelaufen, das Problem sei aber inzwischen behoben. Mittelfristig - Hintereder geht von einem zeitlichen Rahmen von "zehn Jahren plus/minus x" aus - sei ein Neubau nicht zu vermeiden. Zwar komme die Polizei mit der Gemeinde Poing als Vermieterin des Gebäudes sehr gut aus, dennoch sei denkbar, dass der Freistaat im Zuge der organisatorischen Änderung auch prüfe, irgendwann ein eigenes Gebäude für die Polizeiinspektion zu errichten.

Die Voraussetzungen dafür, dass das auf Poinger Gemeindegebiet passiert, will Bürgermeister Albert Hingerl auf jeden Fall schaffen. "Ich glaube, dass die Polizeiinspektion seit vielen Jahrzehnten sehr gut hier aufgehoben ist", sagt er. Die Gemeinde werde alles dafür tun, dass sich daran nichts ändere. Die Entscheidung über einen Standort werde aber natürlich im Innenministerium getroffen. Ein Sprecher dort unterstreicht, es gebe "keine Überlegungen", die Polizeiinspektion aus Poing zu verlegen. Allerdings hatte das Innenministerium vor Jahren auch immer der Gemeine Vaterstetten versichert, die Polizeistation bleibe dort auf jeden Fall erhalten.

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