Neue Zahlen über Zuzug Weniger Anzinger

Geringes Wachstum gefährdet Pläne für neues Kinderhaus

Von Johanna Feckl, Anzing

Der Landkreis Ebersberg wächst. Das sagt zumindest das Bayerische Landesamt für Statistik. Demnach sollen im Jahr 2037 hier 160 000 Menschen leben, also 19 000 Personen und damit 13 Prozent mehr als aktuell. Auch nach Anzing kommen immer mehr Menschen, die Kommune wächst - aber dann doch nicht ganz so stark, wie bislang angenommen. Das könnte Einfluss auf die Pläne für das Kinderhaus nordwestlich der Grundschule haben, das im Betreuungsjahr 2021/2022 eröffnen soll. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats waren die neuen Zahlen Thema, im Raum stand die Frage, ob statt der geplanten Kinderbetreuung mit zwei Gruppen pro Betreuungsjahr auch nur eine ausreichend sein könnte.

"Wenn wir zweizügig bauen, dann könnte es sein, dass wir eine Kita eröffnen - und die ist dann leer", sagte Anzings Bürgermeister Franz Finauer (UBA). "Zumindest eine Gruppe, so viele können ja gar nicht herziehen!" Nach der jetzigen Prognose sei ein einzügiger Bau ausreichend.

Über den Zeitraum der vergangenen drei Jahre hinweg ist Anzing die Landkreisgemeinde, die am zweitstärksten gewachsen ist: Von 4247 Einwohnern im Jahr 2016 hin zu 4443 im Jahr 2018. Das ist ein Plus von 4,62 Prozent. Das belegen Daten und Diagramme, die Hanna Kohlert, Sozialplanerin im Landratsamt, auf Nachfrage der SZ bereitgestellt hat. Demnach ist im selben Zeitraum nur Poing noch stärker gewachsen, und zwar um 5,45 Prozent von 15 629 Einwohner auf 16 480.

Aber die Statistiken zeigen auch: Im vergangenen Jahr sind weitaus weniger Menschen nach Anzing gezogen, als gedacht. Kohlert spricht hier von "Wanderungen". Damit gemeint sind alle Zuzüge und Geburten, abzüglich derjenigen Menschen, die gestorben, weggezogen oder Anzing von ihrem Haupt- zu ihrem Nebenwohnsitz erklärt haben. 2018 besagt die Wanderung ein Plus von 41: Es leben also 41 Menschen mehr in Anzing als 2017, als die Kommune um 149 Menschen gewachsen ist. "Schwankungen sind in unseren Prognosen immer mit berücksichtigt", erklärt Kohlert. "Aber nicht in diesem Ausmaß." Eine Erklärung, weshalb im vergangenen Jahr so wenig Menschen nach Anzing gezogen sind, hat niemand.

"Ich traue mich gar nicht, hier jetzt abzustimmen", wandte CSU-Gemeinderat Florian Alte in der Sitzung ein. Ihm sei nicht klar, weshalb sich die aktuelle Hochrechnung so sehr von der alten aus dem April 2018 unterscheide. Laut dieser wäre ein zweizügiger Bau erforderlich gewesen. Dem stimmte Reinhard Oellerer von den Grünen zu. Er fühle sich "hin und her gerissen". Rupert Strasser von der CSU wandte ein, dass so gebaut werden sollte, "dass wir auf alles gewappnet sind".

Der Gemeinderat einigte sich schließlich darauf, den Beschluss auf die kommende Sitzung am 9. April zu verschieben. Dort soll Hanna Kohlert vom Landratsamt das genaue Zustandekommen der neuen Prognose erklären - erst dann wird abgestimmt.