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Neue Pläne in Poing:Es wächst und wächst

In den Krautgärten am Sportgelände herrscht jetzt schon lebhafter Betrieb. Nun ist ein ähnliches Projekt am Bergfeldsee geplant.

(Foto: Christian Endt)

Weil die Krautgärten bei den Leuten gut ankommen, soll in Poing ein neues Gemeinschaftsprojekt entstehen

Von Esther Lärmer, Poing

Das Projekt steht noch ganz am Anfang, und bis jetzt ist nur ein umgepflügter Acker zu sehen. Aber mit etwas Fantasie kann man vielleicht schon erahnen, was eifrige Gärtnerhände hier zustande bringen können.

Schon vor fünf Jahren wurden in Poing die sogenannten Krautgärten am Sportgelände angelegt. Diese kommen bei der Bevölkerung gut an, deshalb hofft Werner Dankesreiter, der zweite Vorsitzende des Vereins für Gartenbau und Landespflege Poing-Angelbrechting, dass er viele Menschen für sein neustes ökologisches Projekt begeistern kann: einen Gemeinschaftsgarten in der Nähe des Bergfeldsees.

Inspiriert wurde Dankesreiter, der selber seine Freizeit gerne im Garten verbringt, beim Fahrradfahren durch die Krautgärten. "Das war auch der Anstoß für dieses Projekt", erklärt er. Der Realisierung der Idee kam er einen Schritt näher, als ein Landwirt anbot, einen Teil seines Grunds zu verpachten, da er kein Interesse hatte, diesen konventionell zu bewirtschaften. Jetzt müssen sich nur noch Hobbygärtner finden, die dem Garten mit ihrer Vielfalt ihre ganz persönliche Note verleihen.

In den bisherigen Krautgärten bauen Pächter mit unterschiedlicher Herkunft auf ihren Parzellen Obst und Gemüse an. Das Projekt trägt also nicht nur zur Bildung von Gemeinschaft durch die Gartenarbeit bei, sondern fördert darüber hinaus den kulturellen Austausch.

Auch Nachhaltigkeit ist den Betreibern des Projekts wichtig in einer Zeit, in der viele Menschen billig im Supermarkt Nahrungsmittel aus aller Welt kaufen - ungeachtet der Jahreszeiten. Das Projekt, so Dankesreiter, soll den Menschen die Liebe zur Natur nahe bringen. Ihnen vor Augen führen, wie es sein kann, sich aus eigener Kraft selbst zu versorgen. "Wir wollen das Augenmerk auf den regionalen Anbau legen", so Dankesreiter. Vor allem kommende Generationen sollen wissen, dass das Essen nicht aus dem Discounter kommt. Stattdessen, so das Ziel, sollen sie die Möglichkeit bekommen, dabei zu zuzusehen, wie aus ihren vor einigen Wochen gepflanzten Samen Früchte werden. "Ich finde, es ist eine Freizeitbeschäftigung für Menschen aller Altersgruppen", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Gartenbauvereins.

Die Besitzer können ihre Gärtchen individuell in Parzellen von je etwa 30 Quadratmetern oder gemeinsam auf größeren Flächen gestalten. Angebaut werden darf alles von Blumen bis hin zu Obst. Bedingung: Auf Spritzmittel muss verzichtet werden. Man wolle die Natur nicht durch Chemie verändern, heißt es. Nicht nur das Anpflanzen soll ökologisch ablaufen, auch auf eine umweltfreundliche Anfahrt haben die Besitzer zu achten.

Der Garten gibt ihnen dann die Möglichkeit zu träumen, zu entspannen und neue Kontakte zu knüpfen. Bei einem gemütlichen Plausch kann man sich über die neusten Gartentipps austauschen. Informationen dazu bietet zum einen der Verein für Gartenbau und Landespflege, zum anderen auch die Vereinigung Anstiftung - ein Zusammenschluss von Gemeinschaftsgärten, der begeisterte Gärtner mit Wissen rund um das Thema Anbau versorgt.

Doch auch das Engagement im Verein ist wie so vieles aktuell durch die Pandemie beeinflusst. So fällt sowohl die Anfangs- wie die Schlussversammlung des Vereins aus - und auch das Beisammensitzen am Stammtisch. Das Arbeiten im Garten hingegen ist von der Coronalage nicht betroffen. So können sich die Poinger, wenn er angelegt ist, frei in ihrem Gemeinschaftsgarten ausleben. Noch ist das Areal am Bergfeldsee nur ein Acker. Aber vielleicht schon bald ein kleines Inselchen der Ruhe in dieser unruhigen Zeit.

Die Gebühr für die Teilnahme am Gemeinschaftsgarten wird etwa 60 Euro pro Saison betragen. Naturdünger und Hackschnitzel für das Bestreuen der Zwischenwege werden bereitgestellt. Die Wasserversorgung wird voraussichtlich über einen eigenen Pumpbrunnen sichergestellt. Ob das Projekt bereits in diesem Jahr realisiert werden kann, hängt vom Interesse ab. Anmeldungen bis spätestens 30. April per Mail an krautgarten-poing@t-online.de oder Telefon (08121) 98 96 50.

© SZ vom 12.04.2021
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