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Neue Autobahn bei Hohenlinden:Große Erwartungen

Noch fließt der Verkehr auf dem neuen Teilstück nicht, dafür wird - obwohl es verboten ist - gern geradelt.

(Foto: Renate Schmidt)

Am 30. September wird das letzte Teilstück der A 94 eröffnet. Vor allem die Menschen in den Gemeinden entlang der B 12 hoffen auf eine deutliche Verkehrsentlastung

Diesen Anlass will sich Peter Speckmaier nicht entgehen lassen: Der frühere Hohenlindener Kreis- und Gemeinderat hat extra einen Bus organisiert, um mit 60 Gleichgesinnten zur Eröffnung der A 94 fahren zu können. Unter dem Motto "A 94 - jetzt" hat sich Speckmaier jahrelang für den Bau der Straße eingesetzt. Am kommenden Montag ist es nun so weit: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wird das Bändchen durchschneiden, dann wird der Verkehr auf der dann durchgehenden Autobahn fließen können. Gerade in Hohenlinden und Forstinning erhofft man sich dadurch eine deutliche Entlastung.

"Seit meiner Jugend hat der Verkehr in der Gemeinde ständig zugenommen", erinnert sich Hohenlindens Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH). Besser ist es zwar schon geworden, seit im Jahr 2000 die Entlastungsstraße - die heutige B 12 - am Ortsrand gebaut wurde, doch die Gemeindeteile im Außenbereich an der Bundesstraße leiden immer noch unter dem Durchgangsverkehr. "Ab 4.30 Uhr geht es mit dem Schwerverkehr los, bis 23 oder 24 Uhr", sagt Maurer. Künftig, so hofft er, wird der Schwerverkehr den Weg über die Autobahn nehmen, deren letztes, 33 Kilometer langes Teilstück zwischen Pastetten und Heldenstein nun fertiggestellt ist.

Die Verkehrsteilnehmer müssen zwar durch den Schwenk der Autobahn nach Norden mehr Kilometer fahren, doch auf den Kolonnenverkehr auf der B 12 - meist bei Tempo 70 und Überholverbot - werden wohl, so jedenfalls die Hoffnung des Hohenlindener Bürgermeisters, die meisten gern verzichten. Gerade der Durchgangsverkehr von und Richtung Osten werde sicher zum großen Teil auf der Autobahn bleiben. "Wir sind jedenfalls voller Erwartungen", sagt der Bürgermeister, den Hohenlindenern sei in der Vergangenheit viel Geduld abverlangt worden.

Auch Arnold Schmidt (CSU), der Altbürgermeister von Forstinning, hat sich seit Langem eine durchgängige A 94 gewünscht. "Ich bin froh, dass die Autobahn nach so langer Zeit nun doch endlich fertig ist ", sagt er. Er rechne mit einer spürbaren Entlastung der Gemeindeteile in der Nähe der B12. Auch für Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs werde sich die Autobahneröffnung hoffentlich positiv auswirken. Momentan blieben die MVV-Busse häufig im Stau stecken, "das wird dann hoffentlich auch besser", so der Altbürgermeister. Ähnlich sieht dies auch sein Amtsnachfolger im Rathaus Rupert Ostermair (CSU). Neben einer Entlastung auf der B 12 und hoffentlich weniger Autofahrern, die bei Stau Schleichwege durch die Gemeinde suchen, rechnet der Bürgermeister auch mit weniger schweren Unfällen auf der bisher stark befahrenen B 12.

Für manche bedeutet die Eröffnung des neuen Autobahn-Teilstücks freilich auch mehr Arbeit: etwa für die Polizeibeamtinnen und -beamten der Autobahnpolizei Hohenbrunn, deren Zuständigkeitsbereich nun um 18,7 Autobahnkilometer wächst, wie eine Sprecherin erläutert. Man werde auf jeden Fall mit einer zusätzlichen Streife unterwegs sein müssen, dazu sei zum 1. September das Personal um fünf zusätzliche Beamte aufgestockt worden. "Wir müssen halt jetzt sehen, wie sich der Verkehr durch das neue Teilstück entwickelt", so die Expertin von der Autobahnpolizei. Einen neuen Stützpunkt wird es aber nicht geben, weite Anfahrtswege sind den Mitarbeitern, die südlich von Grasbrunn an der A 99 ihre Dienststelle haben, also sicher.

Auch das Technische Hilfswerk in Markt Schwaben ist künftig für 30 der neuen Autobahnkilometer mit zuständig, erläutert Ortsbeauftragter Günter Felsmann. Bei schweren Unglücken auf der Autobahn werden also künftig auch die Helfer aus Markt Schwaben auf dem neuen Teilstück im Einsatz sein. "Prinzipiell ist das also für uns schon mehr Arbeit", sagt Felsmann - wie viel mehr, das lasse sich aber vor der Eröffnung des neuen Teilstücks schwer abschätzen. Zusätzliche Ausrüstung jedenfalls habe das THW bisher noch nicht bekommen.

Die Feuerwehren im Landkreis sind hingegen durch das neue Teilstück nur am Rand tangiert, wie Kreisbrandrat Andreas Heiß erklärt. Zwar könnte es durchaus vorkommen, dass die Feuerwehr gebeten werde, bei Unfällen weiter im Osten mit Spezialfahrzeugen wie Rüstwagen oder Verkehrssicherheitsanhängern auszuhelfen, doch von einer neuen Einsatzplanung sei man nicht betroffen. Vielleicht, so Heiß' leise Hoffnung, nehme die Arbeit sogar etwas ab: Schließlich habe es auf der stark belasteten B 12 immer wieder Unfälle gegeben, hier könne sich die Lage etwas entspannen - auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr.

In Hohenlinden jedenfalls will man beim Straßenfest am 3. Oktober auch die Autobahneröffnung ein bisschen mitfeiern, wie Maurer sagt. Von 11 bis 17 Uhr ist in der Ortsmitte viel Musik geboten, dazu gibt es viele kulinarische Genüsse und ein großes Kinderprogramm. Und Peter Speckmaier wird von 15 Uhr an im Gasthaus "Zur Post" mit seinen Mitstreitern den für sie so wichtigen Erfolg begehen.