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Nachwuchspolitikerinnen aus Egmating:Die Juso-Schwestern

Magdalena (links) und Hannah Wagner sind in einem politischen Elternhaus aufgewachsen. Schon als Kinder trugen sie Papas Wahlkampfflyer aus. Selbst in die Politik gehen wollte sie dennoch eigentlich nicht, sagt Magdalena Wagner.

(Foto: Christian Endt)

Magdalena Wagner steht seit eineinhalb Jahren an der Spitze der SPD-Jugendorganisation in Oberbayern, auch ihre Schwester Hannah ist dort im Vorstand. Ehrenamtliches Engagement ist für beide schon immer selbstverständlich

"Her mit dem schönen Leben" heißt es auf einem Schild am Wohnzimmerschrank der Familie Wagner. Ein Motto, dem sich die Schwestern Magdalena und Hannah offenbar verschrieben haben, denn bei den Jungsozialisten (Jusos) setzen sie sich vor allem für soziale Gerechtigkeit ein. Magdalena Wagner ist seit Anfang 2018 Vorsitzende der Jusos Oberbayern, seit Anfang 2019 ist auch ihre jüngere Schwester im Vorstand vertreten.

Dass sich die beiden - und auch ihre zwei weiteren Geschwister - bei der Jugendorganisation der SPD engagieren, erscheint bei der "sozialdemokratischen Erziehung", wie Magdalena es nennt, nur logisch. Vater Bernhard, ebenfalls bei der SPD, ist Dritter Bürgermeister von Egmating. Daher kommt es eher überraschend, dass sich das politische Interesse erst recht spät entwickelt hat, wie die beiden berichten. "Eigentlich wollte ich nie Politik machen", gesteht Magdalena Wagner. Mit zehn Jahren sei es eben nicht der größte Spaß gewesen, Papas Wahlkampfflyer auszutragen. Damals sei Politik einfach nur viel Arbeit gewesen. Und jetzt? "Es ist immer noch viel Arbeit, aber es macht halt auch Spaß."

Das muss es wohl auch, um den zeitlichen Aufwand wert zu sein. Denn Wagner, die an diesem Mittwoch ihren 28. Geburtstag feiert, betreibt den Vorsitz der Jungsozialisten Oberbayern nebenher zu ihrem Beruf als Gymnasiallehrerin für Mathe und Psychologie im oberpfälzischen Cham, zudem sitzt sie seit 2016 im Egmatinger Gemeinderat. Die vier Jahre jüngere Hannah studiert aktuell Förderschullehramt. Dass es beruflich einmal in eine soziale Richtung gehen wird, sei schon früh klar gewesen. Wie die beiden erzählen, waren sie schon in der Schulzeit ehrenamtlich aktiv, sei es in der Schülermitverantwortung (SMV) oder im Sportverein. Neben dem Studium engagierte sich Magdalena anschließend in der Entwicklungsarbeit. Die Leidenschaft fürs Lehren sei gleichermaßen immer schon da gewesen: "Die arme Hannah musste in der zweiten Klasse mit mir Lesen lernen, weil ich so gern unterrichtet habe", sagt Magdalena und lacht.

Passend zum Beruf haben sich beide Schwestern auf Bildungspolitik spezialisiert, und ganz konkrete Vorstellungen, was nötig ist, um Politik und junge Menschen stärker miteinander zu vereinen: Man dürfe den Kindern und Jugendlichen nicht die eigene Meinung absprechen, sie nicht von vorherein als "naiv, faul und ohnehin nicht interessiert" abstempeln. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre aus Magdalenas Sicht die Einführung von Jugendparlamenten auf Landkreisebene. Hannah wünscht sich zudem eine Intensivierung des Sozialkunde-Unterrichts.

Im Gespräch wird offenkundig, dass die beiden zu vielen Themen ihre eigenen, gefestigten Meinungen haben. Früher haben sie in Diskussionen mit Vater Bernhard immer den Kürzeren gezogen, berichtet Hannah. Inzwischen aber "gibt es auch Situationen, wo er tatsächlich seine Meinung ändert". Ergeben habe sich das politische Interesse im Übrigen durch Zufall, nämlich durch den Arbeitskreis Politik in der Schule, der von Magdalena geleitet wurde. Dort hätten sich "coole" Diskussionen entwickelt und diese Faszination habe sie nicht mehr losgelassen. Hannah, die später zum AK hinzukam, habe ebenfalls Gefallen daran gefunden. Auch bei den Jusos schlägt sie einen ähnlichen Weg ein wie ihre große Schwester: Seit Kurzem ist sie die stellvertretende Vorsitzende von Oberbayern, zusätzlich zu ihrer Funktion als Vorsitzender des Kreisverbands Ebersberg.

Nächstes Ziel der Schwestern ist, bei den Kommunalwahlen mitzumischen. Weiter gehe der Blick vorerst nicht: "Schau ma moi, dann seng ma's scho." Im Alter der Jusos steht laut Hannah nämlich immer die Frage offen, wie es beruflich und privat weitergeht. Dies sei auch der Grund, weshalb der Vorstand stets nur für ein Jahr gewählt wird. Diese Wahl gewann Magdalena heuer zum zweiten Mal, und das einstimmig bei einer Enthaltung. Woher ein so großes Vertrauen kommt, erklärt sich Hannah folgendermaßen: "Man weiß von Magdalena, dass sie das nicht nur macht, weil niemand anderes will, sondern weil sie wirklich etwas bewirken möchte."

Bei all der Arbeit und Politik bleibt nur wenig Zeit zum Abschalten. Wenn sich doch mal die Gelegenheit bietet, tut Magdalena dies am liebsten in den Bergen, gerne auch mit der ganzen Familie. "Das ist für mich der größtmögliche Ausgleich." Hannah hingegen zieht es nicht zwingend in die Berge - sie sei eher der Typ, der sich gerne in den Park setzt und in aller Ruhe ein Buch liest. Einig sind sich beide, dass auch nichts gegen einen Tag auf der Couch spricht, mit der Familie und ein paar Gesellschaftsspielen. Schließlich werde auch in einer "politischen Familie" wie der ihren nicht nur über Politik geredet.

Allzu viele Gelegenheiten dazu ergeben sich allerdings nicht, denn die Eltern und Hund Nilay wohnen mittlerweile allein im Haus. Hannah hat Magdalenas alte WG in München "geerbt", während die ältere Schwester unter der Woche in Cham und an den Wochenenden gemeinsam mit dem Freund in Egmating lebt. In den Ferien unterdessen sind meist wieder alle im Elternhaus vereint. "Wir sind eben hier aufgewachsen, und fühlen uns definitiv wohl."

Nicht zuletzt, da das Aufwachsen auf dem Land ja auch gewisse Vorteile gebracht habe. "Hier ist es sehr viel leichter als beispielsweise in München, einfach mal mit dem Bürgermeister zu quatschen", bemerkt Magdalena.

Zu den größten Zielen der Jusos gehören für die Schwestern auf Orts- und Kreisebene die Errichtung eines Frauenhauses, Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und dafür zu sorgen, dass der Wohnraum in der Heimatgemeinde auch bezahlbar bleibt. Das überregionale Thema Nummer Eins ist dieses Jahr das Berufsbildungsgesetz.

Die Herausforderungen sind also vielfältig, aber die Schwestern stellen sich ihnen gern. "Wenn man sich wirklich engagiert, hat man das Gefühl, etwas getan zu haben", schwärmt Hannah. Das gehe natürlich auch im Kleinen, etwa im Helferkreis Asyl. Magdalena ist aber überzeugt, dass man nur in der Politik die Probleme "an der Wurzel packen" kann.