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Nachruf:Trauer um Brigitte Dinev

Brigitte Dinev hat sich in Poing an vielen Stellen engagiert. Unter anderem beim TSV. Und sie hat die Bauernhochzeiter des Faschingsvereins mitgegründet.

(Foto: Christian Endt)

Eine engagierte Gemeindebürgerin und Zeugin eines der dunkelsten Kapitel in der Poinger Geschichte ist tot. Brigitte Dinev, aktiv in vielen Vereinen und vor einigen Jahren mit der Bürgermedaille der Gemeinde ausgezeichnet starb nun im Alter von 81 Jahren. Die Beerdigung findet am Samstag, 26. Oktober, um 10 Uhr in Poing statt.

Brigitte Dinev dürfte vielen Poingern durch ihre zahlreichen Aktivitäten im Ort bekannt gewesen sein - mancher oder manche hält sogar noch ein von ihr selbst angefertigtes Original in Ehren. Dank ihrer zeichnerischen Fähigkeiten war Dinev - in einer Zeit bevor Drucker in jeden Haushalt und jedes Büro einzogen - beim TSV dafür zuständig, die Urkunden zu gestalten. Auch beim Roten Kreuz, in verschiedenen Theatergruppen, sowie beim Kreisverband des DGB und bei Ver.di war Brigitte Dinev aktiv. Beim Faschingsverein der Bauernhochzeiter und beim Förderverein Jugendfußball des TSV war sie Gründungsmitglied.

Doch die Geschichte von Brigitte Dinev, die als Baby mit ihrer Familie nach Poing übersiedelte, ist auch mit einem der schwärzesten Tage der Gemeindegeschichte verknüpft - dem Tag als der Todeszug kam. Dieses Wort ist bis heute mit dem 27. April des Jahres 1945 verbunden. Damals, keine zwei Wochen vor dem Ende von Krieg und Naziherrschaft, blieb ein mit KZ-Häftlingen besetzter Zug mit Maschinenschaden in Poing liegen. Einigen Gefangenen gelang die Flucht, doch knapp 50 von ihnen wurden von bis zuletzt für Führer, Volk und Vaterland kämpfenden SS-Schergen erschossen, mehr als 200 Häftlinge teilweise schwer verletzt, viele sterben in den folgenden Tagen. Brigitte Dinev hat als Siebenjährige diesen Tag des Todeszuges erlebt, in späteren Jahren hat sie regelmäßig darüber berichtet: immer, wenn die Gemeinde am Jahrestag des Massakers von Poing den Ermordeten gedachte.

Mit 20 führte Brigitte Dinev der Weg von Poing nach Paris, zunächst als Au-Pair, später lernte sie dort ihren Mann kennen, die beiden bekamen ein Kind. Im Zuge der Unruhen des Jahres 1968 zog die junge Familie in Brigitte Dinevs alten Heimatort, wo sie die nächsten 51 Jahre bleiben sollte. Eine Entscheidung, die, wie sie es vor einigen Jahren einmal der SZ erzählte, nie bereut habe. Poing und ihr Engagement in der Gemeinde seien ihr nie langweilig geworden: "Mein Leben ist eigentlich immer ausgefüllt."

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