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Nachruf:Trauer um den Guru des Gartelns

Franz Jaud in seinem Biotop bei Ebersberg, 2019

Naturliebhaber und Künstler Franz Jaud ist Ende Juli im Alter von 75 Jahren gestorben. Die Urnenbeisetzung ist zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

(Foto: Christian endt)

Jahrzehntelang bekam Franz Jaud in seinem Kleinod in Ebersberg Besuch von Botanikern aus ganz Deutschland. Nun ist er verstorben.

Nachruf von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

In den vergangen Jahren ist ihm immer öfter die Kraft ausgegangen. Meistens legte er dann seinen Gehstock beiseite und setzte sich auf den Steinhocker mit den zwei Holzbrettern. Seinen Kraftsitz. Künftig wird man ihn nicht mehr in seinem Garten-Kleinod sitzen sehen. Franz Jaud ist im Alter von 75 Jahren verstorben.

Franz Jaud galt als der Guru des Gartelns und war weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Ebersberg bekannt. Menschen aus ganz Deutschland besuchten ihn in auf dem Moränenhügel am Stadtrand, wo Jaud vor 20 Jahren ein Biotop für Pflanzen und Insekten angelegt hat, die in Bayern sonst nur in botanischen Gärten zu finden sind. Vom westeuropäischen Scheinmond bis zum römischen Urpfirsich. Jaud wusste Dinge, die in keinem Buch zu lesen sind, er kannte Pflanzen, für es in der deutschen Sprache keine Namen gibt. Nicht umsonst bekam er regelmäßig Besuch von Lehrern und Professoren, die seinen Rat einholten.

Am Ufer des Bacherls Ebrach wuchs Franz Jaud auf, als Fünfjähriger lernte er dort vom Nachbarn, wie man Pfeil und Bogen baut. Später wurde Jaud ein zielsicherer Biathlet und leistungsmäßiger Ski Arc-Athlet (Biathlon mit Pfeilen). Seine Berufung zum Garteln entdeckte der Kunstmaler und Restaurator Jaud erst später. Mit Mitte 50 erstand er den Südhang am Stadtrand von Ebersberg und legte dort sein Biotop an. Kurz darauf, im Herbst 2001, krachte ihn beim Holzmachen in seinem Garten ein Baum auf sein Bein.

Das Leben in der Natur hat seinen Preis, auch das hat Jaud in seinem Leben erfahren. Etwa die Gratwanderung zwischen Artenschutz und Attraktion, die Franz Jaud stets zu meistern hatte. Denn wo seltene Blumen wachsen, sind jene nicht weit, die sich die Besonderheit am liebsten mit nach Hause nehmen, für Vasen oder Vitrinen.

Die stete Angst um seine Pflanzen, wenn er sie des nachts alleine lassen musste, ist Franz Jaud nun los. Sein Wissen wird man nun in keiner Fachzeitschrift und in keinem Buch mehr zu lesen finden. Franz Jaud hat diesen Schatz mit auf seinen letzten Weg genommen.

© SZ vom 04.08.2020/koei

Naturschutz
:Franz Jaud ist der Guru des Gartelns

Franz Jaud betreibt ein Biotop für seltene Pflanzen und Insekten. Für seine Expertise besuchen ihn Lehrer und Professoren. Über die Gratwanderung zwischen Artenschutz und Attraktion.

Von Korbinian Eisenberger

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