Nach heftigen Schneefällen Schulfrei für die einen, Stress für die anderen

Wegen des heftigen Wintereinbruchs waren die Schulen im Landkreis Ebersberg zeitweise im Ausnahmezustand. Nun hat sich die Lage beruhigt

Von Clara Lipkowski, Ebersberg

Viele Schüler des Gymnasiums Grafing waren schon in der Schule, als der Unterrichtsausfall verkündet wurde. Sie durften wieder nach Hause gehen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Ausnahmezustand herrschte am Donnerstagmorgen in den Schulen im Landkreis. Nach dem andauernden Schneefall über Nacht entschied das Schulamt in der Früh: Der Unterricht fällt aus, alle Schüler sollen bis einschließlich Montag nicht zur Schule kommen. Für das Amt bedeutete das: Tausende Eltern mussten informiert werden, landkreisweit und das möglichst schnell. Das hatte es seit vielen Jahren nicht gegeben. Die wenigsten im Landkreis können sich erinnern, das es jemals "schneefrei" gab, vor 15 Jahren vielleicht, vermutet ein Mitarbeiter vom Grafinger Gymnasium, "vielleicht so um Maria Lichtmess rum".

Ausnahmsweise musste das Handy in der Schule nicht in der Tasche bleiben

Heuer jedenfalls griffen die Schulen zum jeweiligen Elterninformationssystem, um die Nachricht zu verbreiten; an der Grund- und Mittelschule in Markt Schwaben geht das per E-Mail und App, am Grafinger Gymnasium über ein elektronisches Portal, das laut Schulleiter Paul Schötz um die 98 Prozent der rund 1200 Schüler erreicht. Da aber zum Zeitpunkt der Entscheidung, die am Vormittag vom Landratsamt verbreitet wurde, schon etliche Kinder in der Schule angekommen waren, musste geklärt werden, dass sie sicher wieder nach Hause kommen. Die Schneemassen hatten Gehwege und Straßen versperrt, S-Bahnen fielen aus, Busse und Autos waren eingeschneit. Andere Kinder waren auf dem Weg zur Schule im Verkehrschaos stecken geblieben und kamen erst deutlich später.

In solchen Ausnahmesituationen wird in der Schule das sonst so strenge Handyverbot gelockert. In Grafing machte Schulleiter Schötz am Donnerstagmorgen eine Durchsage, dann durften alle ihr Smartphone aus der Tasche holen, Oma oder Opa verständigen oder nachsehen, ob der Bus wieder fährt. "Erst wenn klar war, dass ein Schüler sicher nach Hause kommt, durfte er gehen", sagt Schötz. Was für Schüler drei Tage schulfrei hieß - kommenden Montag sind die Schulen immer noch dicht - bedeutete für die Eltern wohl zunächst einmal: Stress. Wenn kurzfristig das Kind betreut werden muss, müssen berufstätige Eltern auf flexible Arbeitgeber, Verwandte oder Bekannte hoffen. Von Eltern im Landkreis ist zum Beispiel zu hören, dass sie umdisponieren konnten und im Homeoffice arbeiten.

Es gibt Notfallbetreuung - diese wird aber kaum genutzt

Im Notfall können sie ihre Kinder aber auch während der schneebedingten Schließung in der Schule abgeben, das kann zum Beispiel für Alleinerziehende hilfreich sein. Das Schulamt teilt mit, dass "analog zum Stundenplan" Kinder betreut werden können. Die genauen Bedingungen regelt aber jede Schule selbst. Markt Schwaben informierte darüber, dass an der Grundschule und Grafen-von-Sempt-Mittelschule die Mittagsbetreuung und die Hortgruppen weiterhin anböten. In Grafing sagte Schulleiter Schötz: "Wir haben Räume und Personal", aber besonders nachgefragt sei die Extra-Betreuung nicht. Für den Freitag gab es keine Anmeldungen, für den Montag gerade einmal zwei. Nach dem anfänglichen Chaos ist also inzwischen Ruhe eingekehrt.

Für die Lehrkräfte im Landkreis besteht in den unterrichtsfreien Tagen trotzdem Dienstpflicht; in den Zwangsurlaub geschickt wird niemand. Einige wurden in Rufbereitschaft versetzt und vor allem die, die weiter weg wohnen, dürfen von zu Hause aus arbeiten. Die Dominik-Brunner-Realschule in Poing will die unterrichtsfreien Tage für interne Schulungen nutzen.

Zwar können es die Lehrer jetzt etwas ruhiger angehen lassen und die unterrichtsfreie Zeit für Korrekturen oder Vorbereitungen nutzen. Da aber Schulaufgaben und Tests verschoben werden mussten, müssen sie ihren Unterricht umplanen. Gerade in der Jahrgangsstufe Q12 sei das ein Problem, sagt Schulleiter Schötz, weil das Halbjahr ohnehin kurz sei und am 1. Februar ende.