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Energiewende:Vize-Landrat will Idee der Windräder im Ebersberger Forst begraben

Windräder im Wald

Ein Gutachten soll im kommenden Jahr Klarheit bringen, ob die Windräder im Forst die Tiere stören oder gar gefährden. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

Gegenwind bekommt Toni Ried (Freie Wähler) von Vertretern anderer Kreistagsfraktionen. Jetzt hängt alles von einem Gutachten ab.

Die Energiewende im Landkreis bekommt Gegenwind: Die Kritik am seit 2011 im Forst geplanten Windpark ist wieder laut geworden. So ist kürzlich eine Online-Petition, die sich ursprünglich gegen eine Umgehungsstraße bei Schwaberwegen richtete, zur Anti-Windkraft-Abstimmung umgemünzt worden - was nur wenige der etwa 4500 Unterstützer störte.

Nun hat sich Ebersbergs stellvertretender Bürgermeister, Kreisrat und Landratsstellvertreter Toni Ried (FW) mit Windkraftkritik zu Wort gemeldet. Was in der Sache nicht erstaunt, hat Ried doch nie einen Hehl daraus gemacht, was er von der Windkraft, ganz besonders im Forst, hält: nämlich gar nichts. Dies bekräftigt er nun und fordert ein Ende der Planung für den Windpark.

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Dabei ist noch unklar, ob die Firma Green City Energy die fünf Anlagen im Wald überhaupt aufstellen darf. Ganz entscheidend dürfte ein artenschutzrechtliches Gutachten sein, das im kommenden Jahr erstellt wird. Beauftragt hat es der Umweltausschuss des Kreistages im Mai bei einer Gegenstimme. Zwar hatten auch die Freien Wähler zugestimmt, doch wäre Ried Mitglied des Ausschusses, hätte es eine Gegenstimme mehr gegeben.

Er spreche nicht für seine Fraktion insgesamt, doch persönlich halte er das Vorgehen für falsch, sagt er. Seine Kritik richtet sich gegen mögliche Folgen des Gutachtens: die teilweise Aufhebung der "Verordnung zum Schutz des Ebersberger Forstes als Landschaftsschutzgebiet" aus dem Jahr 1984. "Wenn wir etwas unter Schutz stellen und das dann nachher über Sonderregeln aufheben, können wir uns den Schutz gleich ganz sparen", findet Ried.

Ebenfalls nicht überzeugt ist er von der zu erwartenden Qualität des Gutachtens, "was Fachmeinungen angeht", sei er etwas skeptisch. So habe beispielsweise ein Gutachten der Trasse für die Ebersberger Südumfahrung keine Probleme bescheinigt - aktuell ist sie gesperrt, weil Schäden durch Bodensenkungen ausgebessert werden müssen.

Auch die Kostensteigerung bei der Sanierung des Sparkassengebäude, das der Kreis kürzlich gekauft hat, habe keiner der Gutachter vorhergesehen. Ried wiederholt auch seine grundsätzliche Kritik an der Windkraft, diese sei - zumindest hier - zu wenig effizient und gehe zu stark zulasten von Landschaft und Natur.

Windrad Hamberg, Ansichten von der Ferne

Auch über das Windrad in der Gemeinde Bruck war lange Zeit umstritten. Mittlerweile hat sich der Widerstand aufgelöst.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

"Das muss man in Relation sehen", sagt dagegen Waltraud Gruber, Fraktionschefin der Kreis-Grünen. Durch Windkraft werde "weniger Natur kaputt gemacht als bei anderen Arten der Energiegewinnung", etwa beim Abbau von Braunkohle, deren Verbrennung dann auch noch extrem klimaschädlich sei. Die Folgen müssten gerade in diesem Sommer eigentlich allen bewusst sein: "Die Energiewende muss gelingen, und die Windkraft ist ein Teil davon."

Das gelte ausdrücklich auch für den Standort im Ebersberger Forst, betont Gruber, "es muss überall sein". Sie erinnert an den vor einigen Jahren erarbeiteten interkommunalen Flächennutzungsplan für Windkraft - der dann durch die 10H-Regel gestoppt wurde.

"Jetzt wird es eben versucht, wo es geht" - im Forst. Vielleicht könnte der Windpark sogar einige Skeptiker überzeugen, hofft Gruber und verweist auf das Windrad in Hamberg in der Gemeinde Bruck. Als Aßlinger Gemeinderätin habe sie den Widerstand dagegen hautnah mitbekommen, inzwischen sei davon aber nichts übrig geblieben.

"Wer sagt, es geht dort nicht, soll einen besseren Vorschlang bringen"

Sehr deutlich wird auch Martin Lechner, stellvertretender CSU-Fraktionssprecher im Kreistag: "Zu 100 Prozent" stehe man hinter dem Windpark im Forst. Dieser sei nötig für die Energiewende, "viele andere Möglichkeiten dazu haben wir in Bayern nicht mehr". Die von den Kritikern immer wieder angeführten Schäden am Forst seien verschmerzbar. "Wer sagt, es geht dort nicht, soll einen besseren Vorschlag bringen", sagt Lechner.

Ebenfalls ein klares Ja zum Windpark im Forst gibt es von der Kreis-SPD. Wolle der Landkreis bis 2030 von fossilen Energieträgern unabhängig sein, "ist die Nutzung der Windenergie unerlässlich", schreiben die Landtagsabgeordnete Doris Rauscher, Kreisvorsitzender Thomas Vogt sowie seine beiden Stellvertreter, der Vaterstettener Kreis- und Gemeinderat Sepp Mittermeier sowie Albert Hingerl, Sprecher der Kreistagsfraktion und Poings Bürgermeister in einer Pressemitteilung. Hintergrund ist eben jene Online-Petition, deren Umwidmung nun einige Aufregung verursachte.

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Wie Grüne und CSU verweisen die Genossen darauf, dass der Eingriff überschaubar sei: "Für die Errichtung eines Windrads wird eine Fläche von 3000 bis 5000 Quadratmeter benötigt. Nach Inbetriebnahme werden etwa 90 Prozent dieser Fläche wieder renaturiert."

Im Gegenzug könnten die Anlagen etwa ein Zehntel des im Landkreis benötigten Stroms erzeugen und damit "einen erheblichen Anteil zur Energiewende, die dringend notwendig ist, liefern". Voraussetzung sei allerdings, dass die Gutachter "zu dem Ergebnis kommen, dass sich der geplante Windpark mit der Schutzverordnung des Forstes in Einklang bringen lässt".

Dieses Gutachten dürfte in etwa einem Jahr vorliegen, sagt Norbert Neugebauer, Büroleiter von Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Eine Brutsaison lang werde dazu die Vogel- und Fledermauspopulation im zentralen Forst beobachtet.

Daraus sollen die Experten dann Standorte ermitteln, an denen Windräder diese Tiere möglichst wenig stören oder gefährden. Dies sei zwar nur eine Empfehlung, Neugebauer geht aber davon aus, dass der Kreistag dieser folgt und keine Standorte beschließen wird, an denen es Probleme mit dem Artenschutz geben könnte - alleine schon wegen der zu erwartenden Klagen vor Gericht.

Was aber auch bedeutet: Finden die Fachleute keine unproblematischen Standorte, hätte sich das Projekt Windpark im Forst wohl erledigt.

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