Musikschule Vaterstetten:45 leuchtende Minuten

Kurzkonzert zum Feierabend kredenzt funkelnde Bläsermusik

Von Ulrich Pfaffenberger, Vaterstetten

Die Musikschule Vaterstetten hat dem freitäglichen Feierabend seinen Wortsinn gegeben, als sie einlud, Corinne Steinmaier am Fagott, Gottfried Sirotek an der Oboe, Oliver Klenk an der Klarinette und Eduardo Pirozzi am Horn zuzuhören. Mit dem Es-Dur-Quartett von Carl Stamitz hatten sie sich für den ersten Teil ein Werk ausgesucht, das hohe Anforderungen an den feinfühligen Umgang mit dem jeweiligen Instrument stellt. Sollen doch die Einzelstimmen und der Gesamtklang in jener eleganten Balance erklingen, für die der Meister aus Mannheim von seinen Zeitgenossen geschätzt wurde - und dank derer er bis heute für Vorfreude beim Bläser-affinen Publikum sorgt. Die Herausforderung war in diesem Fall umso größer, als die Klangwirkung im Raum des Konzertsaals nur die halbe Miete ist. Das Ensemble, die Instrumente und die Aufnahmetechnik so zu (dis-)positionieren, dass sich Wunsch und Wirklichkeit vereinen. Einmal mehr hat das Team hinter den Kulissen hier ganze Arbeit geleistet und für ungetrübtes Hörvergnügen gesorgt.

Dem Ensemble aus ehemaligen und aktiven Lehrerinnen und Lehrern der Musikschule war anzumerken, dass es sich der Aufgabe nicht nur mit technischem Können, sondern auch mit Begeisterung angenommen hat. Allen voran der sensible zweite Satz schwang sich mit so ausdrucksstarker lyrischer Kraft durchs Netz, dass ihm die Zerlegung in Bits und Bytes nichts anhaben konnte. Nur kleine Wackler verrieten hin und wieder, dass jemand absichtsvoll den Klang des Instruments dämpfte, um das Gleichgewicht nicht zu verschieben. Dass es durchaus möglich ist, im solistisch akzentuierten Wechselspiel zu brillieren, ohne den Rest des Ensembles zu übertönen, zeigte sich im 3. Satz "Rondo Allegro". Vom Termin wie von der Botschaft her passend entwickelte sich ein vorösterlich munteres "Vom Eise befreit" aus instrumentalem Spaziergang zu einem energiegeladenen Tanz. Ganz im Sinne der Goetheschen jubelnden Schlusszeilen und der Gegenwärtigen nachpandemischer Hoffnung: "Ich höre schon des Dorfs Getümmel,/Hier ist des Volkes wahrer Himmel,/Zufrieden jauchzet groß und klein:/Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!"

Eine Vorstellung, die auch die Interpretation des zweiten Werks beseelte, Mozarts Klavier-Quintett Es-Dur. Martina Hussmann folgte mit dem Piano-Part dem experimentellen Ansatz des Komponisten, der eine außergewöhnliche Besetzung wählte, um ein außergewöhnlich schönes Stück zu schaffen. Wieder ging es um Ausgleich und Balance, wieder galt es, Vielfalt der Stimmen und Einheit des Klangs zusammenzuführen, wieder zeigte sich die Kunstfertigkeit der Instrumentalisten nicht in spektakulären Soli, sondern in ihrer Fähigkeit einander zu dienen und zu leuchten - nur eben nunmehr zu fünft. War es vorher die feine Justierung der Bläserstimmen untereinander, die ein ohrkitzelndes Klangbild hervorrief, gelang es nun der Pianistin und der Technik, das Klavier so zu positionieren, dass seine Schwerkraft ähnlich dynamisch wirkte, wie die Sonne auf die umkreisenden Planeten. Konzertmeister Sirotek hatte zur Einleitung den Dirigenten Ricardo Muti zitiert, Musik diene nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Gesundheit des Gemüts. Was er und seine Mitspieler dem Publikum schenkten, war strahlendes Licht im Dunkel.

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