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Musikkabarett in der Turmstube:"Do dada da a dadirrn"

Rampensau mit Herz für die kleinen Dinge des Alltags: Sara Brandhuber aus Landshut.

(Foto: Christian Endt)

Die junge Liedermacherin Sara Brandhuber bezirzt das Publikum in Grafing mit bayerisch-frechem Charme

Es ist bekannt, dass man von Grafing aus bei guter Witterung einen herrlichen Blick auf das alpenländische Panorama erhaschen kann. Dass die Einwohner allerdings auch mit den in den Bergen üblichen Gebräuchen absolut vertraut sind, verwundert dann doch etwas. Aber wie sich nun beim Musikkabarett in der Turmstube gezeigt hat, braucht es bei den Grafingern nur einen kleinen Anstoß, damit sie ihre verborgenen Talente offenbaren. Dieser kam von Sara Brandhuber, Kabarettistin und selbsternannte Verteilerin von Jodel-Diplomen. Zusammen mit dem Publikum hat die forsche Niederbayerin sogleich einen Crashkurs veranstaltet - den alle mit Bravour bestanden haben. Das ist nicht das einzige Mal, dass Brandhuber ihre Gäste ins Programm einbindet. Und die Grafinger sind ein dankbares Publikum, sie geben ihr Bestes, so wie es Brandhuber mit ihrer Gitarre ebenfalls zwei Stunden lang macht.

Sara Brandhuber, 30 Jahre alt, die feuerroten Haare zu einem Zopf geflochten, Tattoos auf den Armen und Piercing in der Lippe, ist das, was man wohl eine richtige Rampensau nennen könnte. Sie selbst sagt von sich, seit sie auf der Welt ist, habe sie quasi ununterbrochen den Mund auf. Und wenn man sie so beobachtet, glaubt man ihr das sofort. Die gebürtige Landshuterin spielt einen bunten Mix aus ihrem Repertoire: Die meisten Lieder stammen aus dem Programm "I war des fei ned", das genau vor einem Jahr Premiere feierte, aber auch einige neue Stücke gibt es zu hören.

In ihren Texten beweist Brandhuber, dass sie nicht zu unrecht mit dem bayerischen Dialektpreis ausgezeichnet worden ist. Es sind auf den ersten Blick unscheinbare Alltagsdinge, über die sie in reinster Mundart sinniert, Dinge, mit denen sich jeder irgendwie identifizieren kann. Die Lieder stehen für sich, Brandhuber verbindet sie aber mit kleinen persönlichen Anekdoten. So erzählt sie etwa von ihren ersten musikalischen Schritten in einer Schulband. "Unser erster und einziger Auftritt war bei einer Firmenfeier. Da hat uns aber keiner zugehört." Nur in dem Moment, als sie durchgab, dass das Halsgrat jetzt fertig sei, hätten die Leute ihre Ohren kurz gespitzt. Das Ende der Bandkarriere.

Nun ist Brandhuber seit einigen Jahren solo unterwegs, sie singt über das Prioritätensetzen ("Lieber Bus versamma, als ihm nache laffa"), genauso wie über den schwelenden Kleinkrieg zwischen Joggern und Hundebesitzern. Beim Lied "Kressefreiheit" gibt Brandhuber zu, Stammkundin im Gartencenter zu sein, weil sie zwar zwei gesunde Daumen habe, aber keiner davon grün sei. Diesen Umstand verarbeitet sie in einem Refrain mit Ohrwurmpotenzial: "Do dadirrda da. Do dadirrda da a. Und do dada da a dadirrn." "Hier verdörrt er dir. Hier verdörrt er dir auch. Und dort würde er dir auch verdörren", wie Brandhuber für alle - wie sie sagt - "Preißn" übersetzt.

Man merkt Brandhuber an, dass sie ihren Dialekt liebt und einzusetzen weiß. Das bekommt auch der Liebhaber zu spüren, der sich nach dem romantischen Bierzeltabend mit dem Wort "Tschüss" verabschiedet - was zum abrupten Ende der noch jungen Beziehung führt. Mit einem vermeintlichen Kinderlied über einen ausufernden Zwist im Hühnerstall komme sie ihren Mutterpflichten nach, sagt Brandhuber, und der Titelsong "I war des fei ned" soll helfen, einen Ausweg aus einer selbst verschuldeten Klemme zu finden. So wie Sprengmeister Xare, der aus Versehen das falsche Haus pulverisiert hat.

Auch wenn alle Lieder sehr unterhaltsam sind, die Strophen meist klug durchdacht und die Reime perfekt sitzen, würde man sich manchmal wünschen, das Programm wäre deutlicher in einen größeren Kontext eingebunden. Zwar orientiert es sich an Brandhubers eigenem Leben, denn "ich bin die einzige Person, über die ich so richtig Bescheid weiß", doch manche Stücke lassen sich da nicht ganz so gut einpassen. Ein Lied, das eher melancholisch daherkommt und den Weltuntergang zum Thema hat, bremst die Stimmung ein bisschen aus.

Spätestens in der zweiten Hälfte des Abends ist dann aber jegliche Tristesse wieder passé, wenn sich Brandhuber Richtung Finale aufmacht. Beim Lied über die "grünen Weißwürste" ist das Publikum wieder voll da. Und selbst um eine Zugabe müssen die Grafinger gar nicht groß bitten, die gibts gleich gratis obendrauf. "Danach hab ich eh nix mehr gscheids", sagt Brandhuber, bevor sie sich mit einem Rapsong auf neues musikalisches Terrain wagt. Der Titel: "Kaibekiwegummidize". Für alle Unwissenden hatte Brandhuber ein Exemplar dabei: einen Gummiaufsatz auf einem Eimer, aus dem Kälber ihre Milch trinken können. Die Worte sprudeln jetzt nur so aus ihr heraus, während die Grafinger sie im Chor mit dem sich wiederholenden

"Kaibekiwegummidize" unterstützen. So stellen die Gäste in der Turmstube nach ihrem Jodeltalent auch noch ihre Gesangskünste unter Beweis. Und auch wenn Sara Brandhuber gerne betont, dass sie "des fei ned war", hier hatte sie dann doch großen Anteil daran.

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