AbfallwirtschaftTrenne und spare

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So bitte nicht: Alte Reifen und anderer Schrott gehören nicht in die freie Natur, sondern richtig entsorgt.
So bitte nicht: Alte Reifen und anderer Schrott gehören nicht in die freie Natur, sondern richtig entsorgt. Peter Hinz-Rosin

Die Müllgebühren sind zuletzt stark gestiegen. Landkreis, Kommunen und Bürger können aber etwas dagegen tun: Müll vermeiden natürlich, aber auch richtig trennen. Was es dabei zu beachten gilt – und was eher nicht.

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

Müll scheint nichts wert zu sein, sonst würde man ihn nicht wegschmeißen. Das gilt zumindest für einzelne Haushalte, die die in ihm enthaltenen Ressourcen nicht mehr verwerten können. Die Beseitigung von Müll hingegen, die lässt sich die Online-Bestell-Gesellschaft einiges kosten: Die Müllgebühren steigen heuer im Landkreis Ebersberg massiv an, teilweise um über das Doppelte.

Dafür gibt es mehrere Gründe, wie der Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft im Landratsamt Ebersberg, Roland Ackermann, zu berichten weiß: „Seit etwa zwei Jahren wird die Verbrennung von Müll, bei der CO₂ entsteht, durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz bepreist. Und dieser Preis steigt jedes Jahr.“ Hinzu kämen gestiegene Kosten für Energie, Transport und Personal sowie die neue Umsatzsteuerpflicht für Kommunen. Das alles treibe die Preise im Bereich Abfallentsorgung in die Höhe.

Im Jahr 2023 fielen im Landkreis knapp 71 000 Tonnen Abfall an

Es gibt zwei unmittelbare Wege, wie Landkreis, Kommunen und Bürger hier entgegenwirken können. Der eine ist das Vermeiden von Müll. Laut dem Jahresbericht der Kommunalen Abfallwirtschaft fielen im Landkreis 2023 knapp 71 000 Tonnen Abfall an.

Den größten Anteil daran haben Grün- und Gartenabfälle mit knapp 21 000 Tonnen, dann kommt Restmüll mit etwa 14 000 Tonnen, gefolgt von Bioabfällen und Papier mit je knapp 10 000 Tonnen. Leichtverpackungen, deren Entsorgung durch das Duale System im Verkaufspreis der jeweiligen Ware bereits inbegriffen ist und deswegen keine Auswirkungen auf die Müllgebühren hat, liegen bei etwa 5000 Tonnen, Behälterglas bei 4000 Tonnen. Der Rest setzt sich aus Bau- und Elektroschrott zusammen.

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Die Entsorgungskosten im Landkreis Ebersberg steigen auf teilweise mehr als das Doppelte, die Müllgebühren werden bald folgen. Was zunächst die Gemeinden betrifft, werden wohl bald auch die Bürger zu spüren bekommen.

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Der andere Weg, bei der Abfallentsorgung zu sparen, ist das korrekte Trennen von Müll und dabei insbesondere die Vermeidung von Restmüll. Agnes Gehrer ist bei der Stadt Ebersberg zuständig für Abfall und Wertstoffe. „In der Müllentsorgungsanlage kostet jedes Kilo Müll fünfzig Cent“, sagt sie. Jedes Kilo, das nicht in der Verbrennungsanlage – so wird Restmüll entsorgt – lande, vermeide also Kosten.

Doch laut den Experten landen viele sogenannte „Fehlwürfe“ im Restmüll, insbesondere Verpackungen und Bioabfälle. Verpackungen seien dabei der „finanziell größte Faktor“, sagt Roland Ackermann, und zwar nicht nur wegen des zusätzlichen Gewichts, sondern weil jede Verpackung dann quasi doppelt verrechnet würde: Eigentlich war ihre Entsorgung ja bereits vom Kunden im Einzelhandel bezahlt.

„Störfaktoren“ im Biomüll müssen gezielt herausgefischt werden und verursachen daher große Kosten.
„Störfaktoren“ im Biomüll müssen gezielt herausgefischt werden und verursachen daher große Kosten. Peter Hinz-Rosin

Ebenfalls ein „riesiger Kostenfaktor“ seien Störfaktoren im Biomüll, etwa Plastiktüten, die extra herausgefischt werden müssten. Ackermann spricht sich persönlich auch gegen zersetzbare Biomüllsäcke aus: Es dauere viel zu lange, bis sie sich in einem Kompostsystem aufgelöst hätten.

Richtig teuer kann es schließlich werden, wenn entflammbarer Elektroschrott, insbesondere Lithium-Akkus, nicht richtig entsorgt werden. Landet etwa der Akku einer E-Zigarette in einem Müllwagen, brennt dieser häufig ab – ein wachsendes Problem in Deutschland, auch wenn im Landkreis Ebersberg so etwas noch nicht passiert ist.

Um die richtige Mülltrennung ranken sich viele Mythen

Mülltrennung ist also wichtig, nicht nur, um Rohstoffe dem Recycling zur Verfügung zu stellen, sondern auch, um die Kosten in der Abfallwirtschaft und damit die für die Bürger anfallenden Gebühren möglichst niedrig zu halten. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, ranken sich einige Mythen um die Mülltrennung.

Der „wunde Punkt“ für jeden, der in der Abfallwirtschaft arbeite, sagt Ackermann, seien Aussagen wie: „Das wird doch eh alles wieder zusammengeschmissen!“ Das stimme nicht, oft liege dem ein Missverständnis zugrunde, da ein und derselbe Müllwagen mehrere unterschiedliche Tonnen entleere. Allerdings verfüge dieser dann über ein Drei-Kammern-System. Der Müll wird also im Wagen in unterschiedlichen Bereichen gelagert.

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Am Ende wird der Müll an unterschiedlichen Orten weiterverarbeitet. Restmüll wird verbrannt, also thermisch verwertet; Verpackungsmüll wird sortiert und anschließend je nach Material recycelt oder ebenfalls thermisch verwertet; und Biomüll wird im Landkreis dezentral kompostiert, ein System, auf das Ackermann besonders stolz ist: Pro Gemeinde gebe es jeweils einen Bauern, der den Müll aus der Biotonne kompostiere. „Im Bereich Biomüll haben wir im Endeffekt eine Kreislaufwirtschaft etabliert“, so Ackermann. Die Bürger wüssten es zudem zu schätzen, zu wissen, wohin der Biomüll genau gehe.

Doch wo die einen Mülltrennung als bedeutungslos ansehen, sorgen sich andere über Gebühr darum, alles genau richtigzumachen. So sei es etwa nicht nötig, Joghurtbecher extra auszuspülen, erklärt Ackermann. Leere Pizzakartons gehörten in den allermeisten Fällen in den Papiermüll und nur bei extremer Verschmutzung in den Restmüll; und ein einzelner Metalldeckel mache nicht einen ganzen Container Altglas unbrauchbar. Wer unsicher ist, kann beim Abfallwirtschaftsbetrieb München nochmal nachlesen.

Viele Deutsche halten das Mülltrennungssystem für zu kompliziert

Ist das ganze System zu kompliziert? Laut einer Umfrage, die vom Recyclingunternehmen Alba in Auftrag gegeben wurde, würde etwa ein Viertel aller Deutschen diese Frage mit einem „Ja“ beantworten. Roland Ackermann hat Verständnis dafür. Deswegen bemühe sich das Landratsamt, die Bürger regelmäßig zu informieren, außerdem könne man sich stets an die Berater im Landratsamt oder in den Gemeinden wenden, wenn Unklarheiten bestünden. Ackermann ist mit Blick auf eine gelingende Mülltrennung aber auch zuversichtlich: „Jeder, der es will, kann es schaffen.“

Dennoch wollen der Landkreis und die Kommunen die Recyclingquote – sowie die Quote der Müllervermeidung – erhöhen. Informationskampagnen sollen die Bedeutung dieser Maßnahmen ins Bewusstsein rufen, verpackungsfreie Einkaufsmöglichkeiten gefördert und die Abfallannahme an den Wertstoffhöfen optimiert werden.

Die Gemeinden überlegen sich auch immer wieder neue Anreize und Konzepte, wie Agnes Gehrer weiß. Das in Vaterstetten eingeführte Markensystem etwa, bei dem Bürger am Anfang des Jahres Marken kaufen müssen, aber Geld zurückbekommen, wenn sie am Ende des Jahres Müll reduziert haben, funktioniere reibungslos – sei für die Stadt Ebersberg allerdings zu aufwendig. Dafür könne man dort eine kleine und günstigere 40-Liter-Tonne beantragen oder seine Tonne mit dem Nachbarn teilen.

Müll mag also für den gewöhnlichen Bürger wertlos sein, Mülltrennung und -vermeidung ist es jedoch auf keinen Fall.

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