Windrad in FürmoosenUnd es dreht sich doch

Lesezeit: 3 Min.

Seit Februar produziert das Windrad bei Fürmoosen Strom, die meisten Anteilseigner kommen aus dem Ort selbst. Aber auch Bürger aus Moosach und Bruck sowie die beiden Gemeinden selbst sind beteiligt.
Seit Februar produziert das Windrad bei Fürmoosen Strom, die meisten Anteilseigner kommen aus dem Ort selbst. Aber auch Bürger aus Moosach und Bruck sowie die beiden Gemeinden selbst sind beteiligt. Alexandra Leuthner

Es hat gedauert, bis das zweite Windrad im Landkreis Ebersberg ins Laufen gekommen ist. Technische Schwierigkeiten und Preisschwankungen an der Börse ließen es immer wieder stillstehen. Doch nun sind die Betreiber  zuversichtlich.

Von Alexandra Leuthner, Moosach

Wie ein Hindernislauf muss Hans Zäuner der lange Weg vorgekommen sein, den er hinter sich bringen musste, bis er zum ersten Mal am Fuße seines Windrads stand und dabei die Flügel über sich kreisen sah.  Wobei die neue Anlage, die seit November zwischen Fürmoosen und Taglaching in einer Rodung im Wald steht, nicht Zäuners Eigentum ist, aber sicher ein Herzensprojekt. Ein recht teures allerdings, bei 7,25 Millionen Euro liegt die Gesamtsumme des Investments. Zwei Millionen davon sind Eigenkapital der Gemeinden Bruck und Moosach sowie von 115 Bürgern, den Rest hat eine Bank finanziert. Hans Zäuner ist gemeinsam mit Werner Stinauer Geschäftsführer der Windenergie Osterkling, zu der auch das etwas kleinere Windrad im fünf Kilometer entfernten Hamberg gehört, das dort seit acht Jahren steht.

Elegante Rotorblätter

Dass es in Fürmoosen etwas länger gedauert hat als geplant, bis die ersten Kilowattstunden Strom in der Turbine erzeugt und von der Eberwerk GmbH vermarktet werden konnten, muss die Bauherren einige Nerven gekostet haben. So elegant wie die drei Rotorblätter bei einem Ortstermin mit gut 50 Interessierten Anfang dieser Woche durch die Luft schwangen, taten sie das in den Wochen zuvor nicht immer. Schon für Ende November war der Start anvisiert, es dauerte letztlich bis Februar, bis sich endlich etwas drehte. Technische Probleme und der an der Börse gehandelte Strompreis aber führten auch danach zu wiederholtem Stillstand. Wenn der Strompreis ins Negative drehe, was vor allem in diesem Mai häufig der Fall gewesen sei, erläuterte Werner Stinauer, werde das Windrad vom Direktvermarkter abgeregelt, sprich abgeschaltet. Solange, bis der Preis wieder steige.

Den Anteilseignern wird eine Mindestvergütung von gut sechs Cent pro Kilowattstunde, gerechnet auf 20 Jahre, durch die Energieeinspeisevergütung (EEG) garantiert. Dazu kommt hier noch der sogenannte Südbonus, der ausgleicht, dass der Wind in Bayern weniger stark und häufig bläst als im Norden der Republik, wie Stinauer erläuterte. So bekämen die Eigentümer in Fürmoosen letztlich 11,93 Cent pro Kilowattstunde.

Hans Zäuner und Werner Stinauer (von links) erläutern Finanzierung und Geschichte des Windrads.
Hans Zäuner und Werner Stinauer (von links) erläutern Finanzierung und Geschichte des Windrads. Alexandra Leuthner

Aber dafür muss der Strom erst mal fließen. Noch im vergangenen August sah es aus, als könne nichts Hans Zäuner und seine Bürgerwindenergie davon abhalten, im November den Schalter umzulegen und mit der Anlage ans Netz zu gehen. Eine Oberpfälzer Firma hatte das Fundament gegossen, die Bauarbeiten für den Turm gingen gut voran. Doch dann fingen die Probleme an. Das dritte und letzte Rotorblatt, das Anfang November von seiner Lagerfläche in Kirchseeon aus mittels Tieflader und vor vielen Neugierigen in den Wald transportiert werden sollte, blieb in der Ortsdurchfahrt Fürmoosen liegen, weil der Zehnachser, auf den es geladen war, wegen eines technischen Problems nicht mehr um die engen Kurven des Ortes kam. Dann blies Mitte November der Wind zu stark und verzögerte das Hochziehen der 20 Tonnen schweren Drehflügel in 160 Meter Höhe: Sie hätten in unkontrollierbare Schwingungen geraten können.

Um die Technik warten zu können, führt im Innern ein stählerner Aufzug nach oben - zur Sicherheit muss jeder noch einmal gesichert werden, der damit fährt.
Um die Technik warten zu können, führt im Innern ein stählerner Aufzug nach oben - zur Sicherheit muss jeder noch einmal gesichert werden, der damit fährt. Alexandra Leuthner

Erst Ende November wurden die 67 Meter langen Kolosse in einer spektakulären Aktion in ihre endgültige Position gehievt, 729 Kubikmeter Beton und 88 Tonnen Eisen standen jetzt an Ort und Stelle, Anfang Dezember wurde als neuer Starttermin anvisiert. Doch, wie man von vielen Orten im südlichen Ebersberger Landkreis aus unschwer erkennen konnte, es tat sich nichts. Der Grund: Einer von zwei Windmessern war defekt, ein dafür notwendiges Ersatzteil ließ auf sich warten. Am 6. Februar schließlich sollte laut dem Hersteller Enercon alle Technik, Trafo, Windmesser, Windrichtungsmesser und was sonst noch notwendig war, in die sogenannte Gondel gepackt sein und der Strom perfekt fließen können.

Zweites Windrad im Landkreis Ebersberg
:Präzisionsarbeit über den Baumwipfeln

Das erste Rotorblatt des neuen Windrads zwischen Fürmoosen und Taglaching wird am Montag auf seine Zielhöhe gehoben. Am Dienstag werden dann die anderen beiden auch montiert. In der ersten Dezemberwoche kann die Anlage ans Netz gehen.

SZ PlusVon Alexandra Leuthner

„Soweit die Theorie“, sagte Hans Zäuner beim Ortstermin und wies auf die sieben großen Ziffern hin, die weiß auf grau, auf der Außenseite der Tür zum Serviceraum prangen. „Da hinten, die 60, das ist unsere Seriennummer. Das heißt, wir haben das erst 60. Windrad mit dieser speziellen Technik.“

Was eine der Besonderheiten der Anlage in Fürmoosen ausmache, so Zäuner, sei das fehlende Getriebe. „Man muss sich das vorstellen wie ein Fahrraddynamo in groß. Bei einer Windstärke von drei Metern pro Sekunde fängt das Rad an zu drehen.“ Der Vorteil des Systems: Ohne ein Getriebe brauche es nicht die mehrere 100 Liter große Menge an Schmieröl, die bei einem solch großen Windrad nötig würden. „Das wollte ich nicht haben.“ Dann schon lieber ein paar Anfangsschwierigkeiten wie verzögert gelieferte Ersatzteile oder nicht ausreichend schnell geschultes Servicepersonal.

Viele Fragen: Beim Ortstermin am Windrad war das Interesse groß.
Viele Fragen: Beim Ortstermin am Windrad war das Interesse groß. Alexandra Leuthner

Für die Anteilseigner sei das alles ohnehin kein Grund zur Sorge, es gebe entsprechende Verträge mit der Firma Enercon, die für selbst verursachte Ausfälle geradestehe. „98 Prozent der möglichen Betriebszeit sind von der Herstellerfirma garantiert“, bisher sei man allerdings bei unter 70 Prozent Betriebszeit. Zäuner ist dennoch zuversichtlich, dass sein Windrad künftig stabiler laufen wird. „Wir sind da auf der Zielgeraden“, sagt er, nicht zuletzt, weil die Firma, die ihren Hauptsitz in Ostfriesland hat, immer mehr Windanlagen im Raum München baue und daher hier einen weiteren Servicestützpunkt einrichten wolle.

Dass sich das Geld der Anteilseigner bis zum Ende der ersten Genehmigungsphase in 20 Jahren verdoppelt haben wird, davon zeigten sich die beiden Geschäftsführer überzeugt. „Und so wie es jetzt aussieht, wird der Strom bis dahin eher teurer als billiger.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Queer auf dem Land
:„Das Dating ist schwieriger“

Ein anderer Lebensentwurf, neue Pronomen, ein Look, der vom Durchschnitt abweicht? Die LGBTIQ+ Community stößt auf dem Land immer noch auf so manche Hürden. Junge Menschen aus der Region erzählen, was sie erlebt haben.

SZ PlusProtokolle von Barbara Mooser

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: