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Konzert:Vergnüglicher Hard Bop

Sein Vorbild ist Wayne Shorter: Stefan Zenker mit Band bei seinem feinen Konzert im Meta Theater.

(Foto: Hinz-Rosin)

Eindrucksvolles Konzert der Stefan Zenker Group in Moosach

Er ist Baumpfleger, man könnte ihn auch "Baumchirurg" nennen: Stefan Zenker, der nicht nur nebenbei, sondern als echter Enthusiast des Jazz das Tenorsaxofon spielt. Er muss neben seinem ökologischen Hauptberuf fleißig geübt haben; denn was er an diesem Abend auf seinem Instrument geboten hat, war nicht nur profinah, sondern professionell. Natürlich hat auch er, wie die meisten europäischen Jazzer, Vorbilder in den Staaten. Sein ganz besonderer Held ist der Tenorsaxofonist Wayne Shorter, Zentralfigur des Hard Bop. Als solcher war dieser Mitglied von Art Blakeys Jazz Messengers, und von 1964 bis 1970 einer der führenden Stimmen im Miles Davis'-Quintett.

Das Konzert hatte denn auch deutlichen Bezug zu Shorter. Es begann mit dessen "Down in the depths", gefolgt von "Harrys last dance". Zenker komponiert als Tribut an sein Idol auch shorternahe Stücke, darunter das fetzige "Quarter for Shorter", in welchem Zenker ein fliehendes Solo in gemeisterter Technik hinlegt und damit zugleich seine Kombattanten, den ungemein präsenten und stilsicheren Trompeter Julian Hesse, natürlich New York-Student, den gleichfalls technisch und ideenmäßig hervorragenden Wiener Pianisten Oliver Kent in Fahrt bringt, überzeugend stimmig von Ernst Techel, Bass, und Matthias Gmelin an den Drums begleitet. Sehr eindrucksvoll, vor allem in den sehr sprechenden Improvisationen des Pianisten über Thelonious Monks ergreifende Ballade "Round about Midnight", als Ruhepunkt in dem ansonsten überwiegend "wild aggressiven" Improvisationsgeschehen.

Zur Höchstform lief Zenker, wiederum seine Kollegen mitinspirierend, in John Coltranes "The promise" auf, in einer improvisatorischen Qualität, gepaart mit phänomenaler Instrumentaltechnik, damit zeigend, dass der Abstand zu den Vorbildern nur noch sehr gering ist. Und der Pianistenimport aus Wien konnte in der Schlussnummer des Konzerts, "Secret Love", in einem über mehrere Chorusse entfalteten Solo zeigen, dass er eines nahezu unerschöpflichen Ideenreichtums zwischen Swing und Bop mächtig ist. Mal schnell aus ihrer benachbarten Wohnung herbeigeeilt, gab Nina Plotzki für ihren Kollegenfreund Stefan ein Ständchen von zwei Songs zum Besten, Hoagy Carmichaels "Georgia on my mind", wo man nicht umhin konnte, die "Ein für allemal-Interpretation" von Ray Charles im inneren Ohr mitzuhören. Ganz in ihrem Metier gelang "Days of wine and roses" mit dem spannenden Übergang von langsamer Einleitung zum Uptempo, gekrönt durch ihre Fähigkeit zur Scat-Improvisation. Das Konzert war Beweis dafür, dass Jazz nicht nur als Import aus den USA gut ist, sondern längst auch eigensprachlicher Besitz europäischer und in unserer Region beheimateter Musiker ist.

© SZ vom 13.10.2015
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