Wäre die Marktgemeinde ein Elektroauto, hätte ein findiger Ingenieur wohl noch etwas Arbeit vor sich, um der Batterie die nötige Leistung zu verschaffen. Denn der - um im Bild zu bleiben - Ladevorgang, bis in Kirchseeon endlich die ersten E-Zapfsäulen in Betrieb gehen können, zieht sich inzwischen schon eine ganze Weile - und wird wohl vorerst noch ein bisschen andauern, wie in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates zu erfahren war. Zwar haben sich mittlerweile zwei mögliche Standorte herauskristallisiert, bis E-Autos dort aber auch geladen werden können, dürfte es noch einige Monate dauern. Wahrscheinlich gegen Ende dieses Jahres sollen laut Klimaschutzmanagerin Melanie Fuchs die beiden elektrischen Tankstellen Strom liefern.
Es war in der Dezembersitzung 2018, als die SPD-Fraktion im Gemeinderat den Antrag auf die Errichtung von zwei Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten gestellt hat. Dadurch könnten also vier Autos gleichzeitig mit Strom versorgt werden. Das Gremium folgte damals mehrheitlich dem Vorschlag, auf dessen Basis geprüft werden sollte, welche konkreten Umsetzungsmöglichkeiten es für das Vorhaben gibt. Mehr als zwei Jahre später sind indes immer noch keine Zapfsäulen gebaut. Immerhin gibt es inzwischen aber konkrete Pläne zur Errichtung, wie Fuchs sagte. Demnach habe man zwei Standpunkte im Auge: am Kirchseeoner Bahnhof und auf dem Parkplatz des Gartencenters Urgibl in Eglharting. Mit Letzterem stehe man derzeit in Verhandlungen über die Umsetzung.
In Gesprächen sei man auch mit dem Bayernwerk, dem Netzbetreiber in der Marktgemeinde. Allerdings verlaufen diese laut Fuchs deutlich schleppender. "Das Bayernwerk bremst etwas", sagte die Klimaschutzmanagerin. Man habe bereits eine Netzanschlussanfrage gestellt, warte aber immer noch auf Rückmeldung. Erst wenn diese vorliege und Klarheit über die Standorte herrsche, könne man die Netzanschlussverträge abschließen. Endgültig gebaut werden sollen die Zapfsäulen dann gegen Ende des Jahres. Dass dieser Prozess so langsam vonstatten geht, liegt Fuchs zufolge daran, dass das Bayernwerk derzeit viele Aufträge zu bearbeiten habe. "Zur Zeit wird viel gebaut", so die Klimaschutzmanagerin. Man sei allerdings an den Netzbetreiber gebunden, da der am Ort nun mal ein Monopol habe.
Dieser Umstand machte vor allem Thomas Kroll wütend: Es gebe den politischen Willen, etwas für die Elektromobilität zu tun "und dann dauert das so lange", schimpfte der SPD-Gemeinderat. Dessen Fraktionskollegin Diana Thalhammer kritisierte hingegen die Standortwahl für die Zapfsäulen. Warum man dem Urgibl eine Ladestation direkt vor sein Geschäft setze, anstatt auf öffentliche Plätze zurückzugreifen, wollte Thalhammer wissen. "So haben wir uns das eigentlich nicht vorgestellt, als wir damals den Antrag gestellt haben." Wie Melanie Fuchs erklärte, sei der Hintergrund, dass man die Ladepunkte möglichst breit im Gemeindegebiet verteilen wolle.
Die beiden Stromsäulen sollen laut Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) ohnehin nicht die einzigen in Kirchseeon bleiben. "Es soll jetzt mal ein Anfang gemacht werden", sagte der Rathauschef. Man wolle auch weiterhin die Augen nach möglichen Standorten in der Marktgemeinde offen halten.