Mobilität in Grafing:Spielstraße Stadtzentrum

Mobilität in Grafing: Die Voraussetzung dafür stehen gut, dass der Grafinger Marktplatz schon bald überwiegend den Fußgängern und Radlern gehören wird.

Die Voraussetzung dafür stehen gut, dass der Grafinger Marktplatz schon bald überwiegend den Fußgängern und Radlern gehören wird.

(Foto: Christian Endt)

Um mit dem verkehrsberuhigten Grafinger Marktplatz loslegen zu können, fehlt inzwischen nur noch ein Gutachten. In wenigen Wochen soll es vorliegen

Von Thorsten Rienth, Grafing

Als sich im September 2017 die regionale Politprominenz auf der Grafinger Ostumfahrung trifft, um eben diese feierlich für den Verkehr zu eröffnen, ist auch CSU-Staatssekretär Gerhard Eck dabei. "Sie ist vielleicht nicht Grafings lieb gewordenes Kind", kommentierte er den Trassenneubau im Osten der Stadt. "Aber das kann sie ja noch werden." Dann, wenn erst mal allen die Vorteile deutlich würden. Gemeint war damit die Perspektive eines verkehrsberuhigten Marktplatzes. Hinsichtlich dessen biegt die Stadt nun auf die sprichwörtliche Zielgerade ein.

"Es ist eigentlich fast angerichtet", sagt Grafings Bauamtsleiter Josef Niedermaier im SZ-Gespräch. Politisch - weil sich mittlerweile auch im Stadtrat alle einig sind, dass in Sachen Marktplatz ein Paradigmenwechsel nötig ist: Möglichst viele Autos weg vom Marktplatz zu bekommen, um ihn dann mit Leben zu füllen. Bautechnisch - weil mit dem Schammacher Kreisel und der neuen EBE 8 zwischen Nettelkofen und Seeschneid die letzten Bauvorhaben der sogenannten West-Umfahrung über Grafing-Bahnhof fertiggestellt sind. Und zuletzt rechtlich - weil die große Grafinger Verkehrsuntersuchung in den nächsten Wochen fertig wird, wie es heißt.

Das Gutachten soll den Nachweis erbringen, dass der überörtliche Verkehr nicht mehr zwangsläufig über den Marktplatz muss, sondern sich über Ostumfahrungsneubau und Westumfahrungsausbau außen herum ableiten lässt. Dann nämlich wären Freistaat und Landratsamt in der Lage, ihre Zustimmung zu einem großen Grafinger Herabstufungspaket dreier Staats- und zweier Kreisstraßen zu Ortsstraßen zu geben.

Konkret geht es um die Staatsstraße 2089 (Münchner Straße in Richtung Reitgesing und Glonner Straße Richtung Ortsausgang), die 2080 (Rotter Straße in Richtung Ostumfahrung) sowie die 2351 (Bahnhofstraße Richtung Grafing Bahnhof). Und dann noch um Abschnitte der Kreisstraßen EBE 8 (Zu- und Abfahrt Ostumfahrung durch die Rotter Straße) und EBE 13 (Glonner Straße ab dem Aldi-Markt).

Die akute Auswirkung dieser Abstufungs-Formalie wäre allerhand. "Dann gehört uns die Stube endlich", sagt Niedermaier. Vor ein paar Wochen hatte Bürgermeister Christian Bauer (CSU) deshalb den Start für die politische Debatte um die konkrete Umgestaltung des Marktplatzes ausgerufen.

Zur Diskussion steht zum Beispiel eine autofreie Westseite zwischen Raiffeisenbank und Mariensäule hinaus. Auf der Nord- und Südseite der Marktplatzinsel könnten die Straßen verengt werden, die Parkplätze auf der Marktplatzinsel gar ganz wegfallen. Eine große, barrierefreie Fläche schwebt nicht wenigen Stadträten vor, mit neuen Wegemarkierungen für Kinder sowie Radschutzstreifen. Ein Shared-Space-Konzept, in dem Fußgänger Vorfahrt vor Fahrrädern haben und Fahrräder vor Autos. Höchstens 20 Stundenkilometer dürften sie noch fahren. "Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich" lautet der Fachterminus. "Das muss man sich analog zur Spielstraße vorstellen", sagt der Bauamtsleiter.

Einen ersten Schritt zur verkehrsberuhigteren Innenstadt ist Grafing vor nicht allzu langer Zeit bereits gegangen. In der inneren Rotter Straße, einer der beiden Zu- und Abfahrten zur Ostumfahrung, bremst nun eine Fußgängerampel den Verkehr herunter. Mit der Umgestaltung des "Öxinger Platzes" ging eine Zusage von Landrat Robert Niedergesäß (CSU) einher, die Rotter Straße (EBE 8) ab dem Kreisel an der Ostumfahrung an Grafing zu übergeben - und damit die Voraussetzung für eine mehrere hundert Meter lange Tempo-30-Zone zu schaffen.

Viel wichtiger für die Grafinger Pläne ist freilich die Nachricht, die darin zwischen den Zeilen steht: Dass es wohl in der Behörde wenig Zweifel am Ergebnis der großen Verkehrsuntersuchung gibt, sprich: Sich der überörtliche Verkehr tatsächlich wie angedacht umleiten lässt.

© SZ vom 14.09.2021
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