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Mobilität in Ebersberg:Weniger Stellplätze

Ebersberger Grüne befürworten Konzept für Hölzerbräu-Gelände

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Die Fraktion der Grünen im Ebersberger Stadtrat hat sich geschlossen zu dem Mobilitätskonzept für die Bebauung des Hölzerbräu-Geländes bekannt. Einer Pressemitteilung zufolge finden die "Vorschläge, wie bei der Bebauung des Hölzerbräu-Geländes Parkplätze ohne Mobilitäts-Einbußen einzusparen sind, in der Grünen Fraktion großen Anklang".

Für das Hölzerbräu-Gelände im nördlichen Ebersberger Stadtzentrum hatte ein Münchner Entwickler für Stadt- und Verkehrskonzepte unlängst einen gangbaren Weg gezeigt. Der Planer präsentierte eine Möglichkeit, die Zahl der Tiefgaragen-Stellplätze deutlich zu senken, indem für die Bewohner in dieser zentralen Lage das Mobilitätsangebot umfassend erweitert und Synergieeffekte bei den Gewerbebetrieben genutzt würden. Zum Mobilitätsangebot für die potenziellen Bewohner gehören unter anderem Serviceangebote wie Carsharing, vergünstigt buchbare ÖPNV-Tickets oder Räume für das Abstellen von Fahrrädern.

Noch ist nicht klar, wie viele Wohnungen und wie viel Gewerberaum auf dem Gelände entstehen werden. Das Projekt ist eine Ideenskizze, die der Planung kontinuierlich angepasst werden muss. Jürgen Friedrichs, Sprecher für Mobilität in der Grünen Stadtratsfraktion, hält den Ansatz dennoch für eine "einmalige Chance, auch im kleinstädtischen Raum einer nicht autozentrierten Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen". Es handle sich um ein komplett neues Wohn- und Gewerbegebiet, in dem man nicht erst gewachsene Verhaltensweisen der Mobilität verändern müsse, sondern neue Konzepte von Anfang an klar kommunizieren könne. Das innerstädtische Gelände, so Friedrichs Prognose, werde "im Ballungsraum München so attraktiv sein, dass sich potenzielle Käufer leicht finden werden".

Friedrichs erklärt weiter, er halte es für "inkonsequent, sich über den belastenden Autoverkehr zu beschweren und gleichzeitig die Stadt weiterhin autozentriert zu planen". Wer den Klimaschutz ernst nimmt, müsse auch auf lokaler Ebene das Mobilitätsverhalten ändern. Die Stadt Ebersberg dürfe sich glücklich schätzen, dass es sich beim Hölzerbräu-Areal um ein zentrumsnahes Gelände handelt, so Friedrichs. "Von dort aus kann man fußläufig und mit dem Rad alle wichtigen Orte der Stadt bequem erreichen." Gleichzeitig würden sich die Pläne gut mit den Überlegungen ergänzen, in Ebersberg einen Stadtbus einzurichten. Friedrichs ist überzeugt, dass sich selbst ein Besucheransturm zu den über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Kulturstätten Altes Kino und Alter Speicher mit der S-Bahn und Zubringer-Bussen gut bewältigen ließe. Im Ebersberger Stadtrat dürfte das nicht jeder so sehen, wie in einer Sitzung des Technischen Ausschusses Anfang Januar deutlich wurde, wo das Konzept erstmals präsentiert wurde. Wenngleich der Zuspruch für das Mobilitätskonzept im Ausschuss überwog, wurden auch nicht wenige Vorbehalte laut. Die Grünen positionieren sich in der Pro-und Contra-Frage nun als erste Fraktion geschlossen dafür.

© SZ vom 27.01.2021
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